Warnung vor Hochstaplern

Charmant in die Bitcoin-Falle

Ein fragwürdiges Angebot des sogenannten Investmentklubs Bitclub Network verspricht Gewinne mit der Digitalwährung - Verbraucherschützer vermuten, dass es sich dabei um Internetbetrug handeln könnte.
13.05.2018, 20:56
Lesedauer: 5 Min
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Charmant in die Bitcoin-Falle
Von Stefan Lakeband
Charmant in die Bitcoin-Falle

Bitcoins können mit hoher Rechenleistung erzeugt werden. Mittlerweile gibt es auf der ganzen Welt – so wie hier in Italien – sogenannte Bitcoin-Minen.

Reuters

Die Hochstapler kommen oft mit dem Erfolg. Spätestens seit ein Bitcoin um den Jahreswechsel zeitweise 16.000 Euro wert war, ist ein Hype um die Digitalwährung entstanden. Mit Bitcoins lasse sich schnell und unkompliziert viel Geld verdienen, versprechen Angebote im Internet. Doch längst nicht jedes ist seriös. Das musste auch Manuel Krämer feststellen. Der 30-Jährige ist Dachdecker, hat sein eigenes Unternehmen, interessiert sich aber auch schon seit längerer Zeit für die Kryptowährung Bitcoin.

Angefangen hat das, weil er sich über seine Bank geärgert hat. Er hatte Arbeitsmaterial in China bestellt, Wochen musste er sich gedulden, bis seine Zahlung in China angekommen war. Auch die hohen Bankgebühren nervten ihn. Ein Freund riet ihm, die bestellten Arbeitsmaterialien künftig in Bitcoins zu bezahlen. Das sei schneller, transparenter, günstiger. Seitdem nutzt Krämer die digitale Währung für sein Geschäft.

Wenn Krämer Regenrinnen wechselt oder Dächer erneuert, können seine Kunden diese Arbeit seit dem Jahreswechsel auch in Bitcoin bezahlen. Genutzt hat die neue Zahlmethode noch niemand, aber Krämer geht es um die Sache. Er ist von Bitcoin überzeugt, erzählt von seinen Erfahrungen auch auf Veranstaltungen. Im Frühjahr wurden er und seine Frau nach einer solchen von einem Ehepaar angesprochen. Man sei auch an Kryptowährungen interessiert und würde eine Infoveranstaltung bei sich zu Hause anbieten. Krämer und seine Frau sagten zu, wenige Tage später saßen sie mit etwa 15 anderen Gästen in einem Privathaus im Bremer Viertel.

Der Vortragende war laut Einladung „Hotelier, Unternehmer und Familienvater aus Österreich“. Wie angekündigt hielt er einen Vortrag zum Thema Bitcoins. „Er war charmant“, sagt Manuel Krämer. Fachlich aber nicht so sehr im Thema gewesen. Der Vortragende erklärte den Zuhörern, dass man als Privatperson Geld verdienen könne, indem man selbst Bitcoins schürfe oder schürfen lasse.

Das ist soweit richtig. Die Technik dahinter ist jedoch sehr komplex und schwer zu verstehen: Bitcoins können täglich nur in einer begrenzten Anzahl erzeugt werden, in dem Computer quasi ein Rätsel lösen. Wer ein Rätsel gelöst hat, bekommt als Belohnung Bitcoins. Je mehr Menschen aber an der täglichen Entschlüsselung mitarbeiten, desto geringer fällt die Belohnung für den einzelnen aus. Deswegen gibt es sogenannte Minen: große Computernetzwerke, die mit viel Rechenleistung die Bitcoins entschlüsseln beziehungsweise schürfen, um so möglichst viel von den Belohnungsbitcoins abzugreifen.

Vortrag als Werbeveranstaltung

Der Dozierende kam dabei immer wieder auf eine Gruppe von Leuten zu sprechen, die gemeinsam Rechenleistung gekauft habe, um Bitcoins zu schürfen. Er erzählte, wie toll diese Idee sei, wie erfolgreich sie seien, dass man ja auch noch einsteigen und Geld investieren könne. „Nach einer Stunde wurde mir klar: Das ist hier eine Werbeveranstaltung“, sagt Krämer. Denn immer wieder fiel der Name des sogenannten Investmentklubs: Bitclub Network.

Krämer fragte genauer nach: Wer steckt dahinter? Was passiert mit dem Geld? Wie viel verdient man mit Bitclub Network? Der Vortragende antwortete wortreich, doch wich Krämers Fragen immer wieder aus. Bitclub Network kaufe Computerkapazitäten auf Island, um dort die Bitcoins zu schürfen. Die Identitäten der Gründer seien aber geheim, das Netzwerk gehöre den Mitgliedern.

Auch wie viel Geld man damit verdiene, könne man nicht vorhersehen. Unseriös fand Krämer auch die Art und Weise, wie für das Netzwerk geworben wurde. In privater Runde zusammenzusitzen und Argumente für Bitclub Network gebetsmühlenartig vorgetragen zu bekommen, habe ihn an eine Kaffeefahrt erinnert.

Eigentlich sollten alle Teilnehmer nach dem Vortrag noch gemeinsam Essen, Krämer und seine Frau entschieden sich aber, zu gehen. Zuhause ließ die Veranstaltung Krämer nicht los. Er setzte sich an den Rechner und rief die Website des Investmentklubs auf. Und sah seine Zweifel bestärkt: Die Homepage hat lediglich ein Kontaktformular, aber kein Impressum. Die Internetadresse wurde über einen Dienstleister registriert, der die Identität des Domaininhabers verschleiert.

Über Suchmaschinen lassen sich Erfahrungsberichte zum Bitclub finden. Menschen, die angeben mit Bitclub Network viel Geld verdient zu haben. Aber auch etliche, die Sorge haben, investiertes Geld nie wieder zusehen. Laut einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung“ habe die österreichische Finanzmarktaufsicht schon vor zwei Jahren Anzeige beim Bundeskriminalamt gegen Bitclub Network erstattet.

Bitcoin verliert an Wert

Sie fürchten, dass es sich dabei um Internetbetrug handeln könnte, „weil zum Funktionieren des Bitclub-Systems eine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmern benötigt wird, für die die Werber ein Kopfgeld bekommen“, heißt es in dem Artikel. Daher „bestehe zudem der Verdacht eines verbotenen Pyramidenspiels“. Andere Nutzer aus Deutschland und Österreich schreiben, sie hätten Strafanzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft Hamburg bestätigte dem WESER-KURIER, dass sie wegen Betrugs gegen eine Person im Zusammenhang mit dem Bitclub Network ermittelt.

Auch die Verbraucherzentrale Bremen warnt davor, unüberlegt in Bitcoins zu investieren. Denn es würden sich viele unseriöse Anbieter am Markt tummeln. „Dubiose Unternehmen und Privatpersonen präsentieren sich in den sozialen Netzwerken, kontaktieren Verbraucher unaufgefordert per E-Mail oder laden zu Veranstaltungen ein“, sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Bremer Verbraucherzentrale.

„Sie versprechen finanzielle Freiheit, hohe Rendite oder dauerhaftes passives Einkommen durch Krypto-Mining, Handel oder Investitionen in neue, angeblich zukunftsweisende Kryptowährungen.“ Meist bleibe aber völlig unklar, womit man dabei Geld verdienen solle und was das Geschäftsmodell sei.

Natürlich gebe es auch Ausnahmen, sagt Oelmann, diese aber von den unseriösen zu unterscheiden, sei nicht immer einfach. Wenn man etwa Geld dafür bekomme, neue Mitglieder zu werben, deute viele auf ein Schneeballsystem hin. „Wenn mehr das Produkt und nicht die Bedürfnisse des Verbrauchers im Fokus eines Geldanlagegesprächs stehen oder wenn Anbieter mit übertriebenen Versprechungen locken, sind das Anzeichen für unseriöse Anbieter“, sagt die Vorständin.

Vielleicht erledigt sich das Problem auch von selbst. Seit einiger Zeit ist es jedenfalls wesentlich stiller um Bitcoins geworden. Das könnte auch mit dem aktuellen Kurs zusammenhängen. Zuletzt war ein Bitcoin nicht mal mehr 8000 Euro wert – halb so viel wie noch vor fünf Monaten.

Info

Zur Sache

Was sind Bitcoins? Bitcoin ist eine digitale Währung, Scheine und Münzen wie etwa beim Euro gibt es nicht. Bitcoins bestehen aus berechneten, verschlüsselten Datenblöcken. Anders als bei Bezahlsystemen wie Visa oder Mastercard steht hinter Bitcoin nicht nur eine Firma. Das System wird von einem dezentralen Netzwerk von Computern auf der ganzen Welt betrieben, die alle Bitcoin-Transaktionen verfolgen, ähnlich wie Wikipedia von einem dezentralisierten Netzwerk von Autoren verwaltet wird.

Die Aufzeichnung aller Bitcoin-Transaktionen, die diese Computer ständig aktualisieren, wird Blockchain genannt. Schürfen ist der Prozess, durch den neue Bitcoins erstellt werden. Die Computer, die am Bitcoin-Schürfen beteiligt sind, befinden sich in einer Art Wettrennen. Der Gewinner – in der Regel die Person mit den schnellsten Computern – bekommt einen Teil der neuen Bitcoins. Jeder existierende Bitcoin wurde mit dieser Methode erstellt.

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