Wirtschaft legt noch um 7,7 Prozent zu / Ökonomen sehen dies als positive Entwicklung

Chinas Abschied vom Turbowachstum

Peking. Lange war China das Land des Turbowachstums. Das ist nun vorbei.
21.01.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Chinas Abschied vom Turbowachstum
Von Felix Lee

Lange war China das Land des Turbowachstums. Das ist nun vorbei. Um 7,7 Prozent sei die Wirtschaft im vergangenen Jahr gewachsen, berichtet das chinesische Statistik-Amt gestern, genauso wenig wie im Jahr zuvor. Damit erlebt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ihre längste Wachstumsschwäche seit Beginn der Reformen vor 35 Jahren.

Ökonomen verweisen jedoch darauf, dass weniger Wachstum in China keineswegs schlecht ist. Im Gegenteil: Steven Barnett vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass das verringerte Wachstum höheres Einkommen bedeute. Warum? Die chinesische Führung setze damit nicht mehr wie in den Jahren zuvor auf kurzfristige Impulse, sondern sei um ein „ausgewogenes und nachhaltiges Wachstumsmodell“ bemüht. Das werde langfristig den Lebensstandard erhöhen, so Barnett: „Anstatt uns zu sorgen, sollten wir die Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft begrüßen.“

Die chinesische Führung hatte 2009 ein gigantisches Konjunkturpaket geschnürt. Sie wollte verhindern, dass das bis dahin extrem exportabhängige Land mit in den Sog der Weltfinanzkrise gezogen wird. Das gelang ihr auch, indem sie enorm viel Geld vor allem in die Bauwirtschaft pumpte.

Die Folge sind nun gigantische Überkapazitäten. Nicht nur, dass in vielen Teilen des Landes Geisterstädte entstanden sind. Die Überkapazitäten zeigen sich vor allem in der Stahlindustrie, aber auch bei der Produktion von Zement, Aluminium, Glas sowie im Schiffsbau. Vor allem die energieintensiven Stahl- und Aluminiumfabriken, meist mit Kohle befeuert, sind Hauptverursacher für den schweren Smog in Peking und anderen chinesischen Großstädten.

Der in Peking lebende Ökonom Andrew Batson vom Wirtschaftsforschungsinstitut Dragonomics hält es auch aus einem weiteren Grund für „unausweichlich“, dass Chinas Wirtschaft nach Jahren zweistelliger Wachstumsraten zur Ruhe kommt. Der gesamte chinesische Finanzsektor ist aufgebläht. Ebenfalls im Zuge der Weltwirtschaftskrise 2009 hatte Chinas Führung die ihr unterstellten Banken angewiesen, die Kreditvergabe zu lockern. Die Banken übertrieben es jedoch mit der Vergabe. Lokalregierungen, Staatsunternehmen, aber auch viele Privatbetriebe haben in den vergangenen Jahren zu viel investiert. Nun werden die Banken dazu angehalten, ihre Bilanzen zu „säubern“, so Batson. Und das, so der Ökonom, habe zwangsläufig Auswirkungen auf die Realwirtschaft.

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