Steigende Nachfrage macht Kakaobohnen knapp und treibt die Preise hoch

Chinas große Lust auf Schokolade

Peking. Alarm am Kakaomarkt. Derzeit herrscht die längste Phase von Schokobohnen-Knappheit seit 50 Jahren.
22.12.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Chinas große Lust auf Schokolade
Von Felix Lee

Alarm am Kakaomarkt. Derzeit herrscht die längste Phase von Schokobohnen-Knappheit seit 50 Jahren. Der Schuldige: China hat seine Vorliebe für leckere Süßigkeiten entdeckt – und futtert nun munter den Weltmarkt leer. Kein Wunder, bei 1,3 Milliarden Mündern. Erste Schokoladenhersteller klagen schon über Engpässe.

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg geht davon aus, dass allein im kommenden Jahr der Preis für Kakaobohnen um 14 Prozent steigen wird. Der Verkauf von Schokolade hat sich in der Volksrepublik allein zwischen 2006 und 2010 mehr als verdoppelt. Das sei nur der Beginn, heißt es bei Bloomberg. Der durchschnittliche Chinese isst derzeit 200 Gramm Schokolade im Jahr, gerade einmal knapp fünf Prozent des Verbrauchs eines Mitteleuropäers. Der Nachholbedarf im Reich der Mitte dürfte also groß bleiben.

Ein leichter Anstieg der Kakaopreise dürfte die Deutschen kaum treffen. Der Anteil der Ausgaben für Nahrungsmittel an den gesamten Konsumausgaben ist in den vergangenen Jahren ohnehin stetig gesunken. 2011 wendeten die Verbraucher nur noch rund 15 Prozent ihrer gesamten Konsumausgaben für Nahrungsmittel auf. Da wird ein leichter Preisanstieg von Schokolade nicht allzu sehr drücken.

Also Entwarnung? Keineswegs. Der Schoko-Engpass steht für eine Entwicklung, die den Ländern Afrikas künftig durchaus Probleme bereiten wird. China kauft nämlich nicht nur einen substanziellen Teil der afrikanischen Ernte an Kakaobohnen auf, sondern auch andere Lebensmittel. Großbestellungen an den Agrarbörsen aus Fernost treiben weltweit die Preise für Weizen, Reis, Sojabohnen oder Fleisch nach oben

Rohstofffonds fördern Spekulation

Die Bestellungen vor allem aus der Volksrepublik dürften in den kommenden Jahren noch weiter deutlich zulegen. Denn in China entsteht wegen des schnellen Wachstums bei loser Geldpolitik immer wieder eine Tendenz zur Inflation. Am meisten spüren die Leute steigende Preise bei Gemüse und anderen Grundnahrungsmitteln. Im Gegensatz zu armen Entwicklungsländern hat Peking jedoch ein mächtiges Mittel in der Hand, um gegenzusteuern: Das chinesische Landwirtschaftsministerium kann Lebensmittel weltweit einkaufen und im Inland auf den Markt werfen. Die Mittel dazu sind vorhanden: China sitzt auf Devisenreserven im Wert von rund 3,7 Billionen Dollar, die man zum Ankauf unter anderem von Agrarprodukten verwenden kann.

Das ist nichts anderes, als was Industrieländer wie die USA, Deutschland, Schweiz und Japan auch machen. Japan etwa versorgt sich gerade einmal zu 40 Prozent selbst und ist bereit, auf dem Weltmarkt jeden Preis zu zahlen, um sich mit ausreichend Nahrungsmitteln einzudecken. Doch das Auftreten eines neuen Spielers verändert die Regeln. China selbst steigert zwar seine Produktion derzeit ganz erheblich, aber deutlich langsamer, als die Nachfrage zunimmt.

Mike Master, Fondsmanager von Masters Capital weist allerdings darauf hin, dass gar nicht die vielen Münder in China für die rasant steigenden Preise verantwortlich sind, sondern Spekulanten an den Rohstoffbörsen. Sie wissen ebenfalls, dass die Chinesen künftig mehr verbrauchen werden. Die Preise steigen leicht. In Erwartung steigender Kurse springen Hedge-Fonds und sogar deutsche Privatanleger mit Rohstofffonds im Depot auf den Zug auf und heizen damit die Preise noch weiter an. „Der meiste Handel beruht inzwischen auf Spekulation“, glaubt Master. Er schätzt zwischen 70 und 80 Prozent. Auch die Welternährungsorganisation FAO hat in der Vergangenheit mehrfach auf die paradoxe Situation hingewiesen, dass bei spekulativen Ausschlägen dieser Art die Menschen hungern, obwohl auf dem Planeten genug Nahrungsmittel produziert werden.

Dass die Chinesen hierzulande den Menschen angeblich die Schokolade wegessen, klingt angesichts der Probleme in den armen Ländern gar nicht mehr schlimm. Zumindest in diesem Jahr dürften bei den meisten Deutschen noch immer ausreichend süße Leckereien unterm Weihnachtsbaum liegen.

Es heißt doch immer: Zumindest ein Teil der Schokomänner seien ohnehin eingeschmolzene Schokohasen von vergangenem Ostern. Zu der Zeit waren die Kakaopreise noch nicht so hoch.

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