Konjunktur Chinas Wirtschaft wächst rasant

Peking/Washington. Chinas Wirtschaft boomt - der Rest der Welt hinkt hinterher. Im Schlussquartal 2009 beschleunigte sich das Wachstum im Reich der Mitte auf mehr als 10 Prozent - so stark wie zuletzt vor fast 2 Jahren.
21.01.2010, 13:11
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Peking/Washington. Chinas Wirtschaft boomt - der Rest der Welt hinkt hinterher. Im Schlussquartal 2009 beschleunigte sich das Wachstum im Reich der Mitte auf mehr als 10 Prozent - so stark wie zuletzt vor fast 2 Jahren.

Damit ist Chinas Wirtschaft nach der schweren Rezession Taktgeber des weltweiten Aufschwungs und läuft sogar Gefahr zu überhitzen. Diese kräftige Konjunktur-Lokomotive hat die globale Wirtschaft nach Einschätzung der Weltbank bitter nötig. Die großen Wirtschaftsblöcke verdauen noch immer den schwersten Konjunktureinbruch nach dem Zweiten Weltkrieg: 2010 wird die Weltwirtschaft um vergleichsweise magere 2,7 Prozent zulegen.

Volkswirte befürchten, dass die Auswirkungen der Krise noch in den nächsten zehn Jahren zu spüren sein werden. Deutschland braucht nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) noch zwei bis drei Jahre. Erst dann könne das Wohlstandsniveau des Jahres 2008 wieder erreicht werden, sagte er am Donnerstag in Berlin.

Die Wirtschaft rund um den Globus wird in diesem Jahr nach den Berechnungen der Weltbank um 2,7 Prozent und 2011 um 3,2 Prozent wachsen. Im vergangenen Jahr war sie um 2,2 Prozent geschrumpft.

China dürfte Japan als zweitgrößte Wirtschaftsnation nach den USA überholen, erwarten Analysten. Die Wirtschaftskrise bremste das Wachstum 2009 zwar, wie die Regierung in Peking am Donnerstag mitteilte. Dennoch verzeichneten die Statistiker ein Plus von 8,7 Prozent. 2008 war Chinas Wirtschaft nach revidierten Zahlen um 9,6 Prozent gewachsen. Die Bruttoinlandsprodukt (BIP) Chinas betrug 2009 umgerechnet 4,91 Billionen Dollar.

Die breite Erholung der chinesischen Wirtschaft beruhe vor allem auch auf dem Vier-Billionen-Yuan-Programm (aktuell 409 Mrd Euro) zur Ankurbelung der heimischen Nachfrage, erklärte der Leiter des Nationalen Statistikamtes, Ma Jiantang.

Das Problem, staatliche Konjunkturprogramme zur rechten Zeit zurückzufahren, bestimmt die Stärke des Aufschwungs. «Die Erholung hängt demnach noch immer von staatlichen Milliarden-Programmen ab, die nun langsam zurückgefahren werden. Wenn dies zu schnell geht, wird die Erholung abgewürgt, erfolgt dies aber zu langsam, dann könnten erneute (Finanz)-Blasen drohen», warnte die Weltbank in ihrer «Globalen Wirtschaftsprognose 2010», die sie am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington vorstellte.

«Wir können nach dieser tiefen und schmerzlichen Krise keine Gesundung über Nacht erwarten», sagte Weltbank-Chefökonom, Justin Lin. «Es wird viele Jahre dauern, bis die Wirtschaften wiederaufgebaut und Jobs geschaffen werden. Die Armen zahlen die Zeche.» Das globale Handelsvolumen sei im vergangenen Jahr dramatisch um 14,4 Prozent geschrumpft und dürfte in diesem Jahr um 4,3 Prozent zulegen.

Die Wirtschaft in den Industriestaaten wird nach Einschätzung der Weltbank 2010 nur um 1,8 Prozent wachsen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht nach wie vor Unsicherheiten für die Erholung im Euro- Raum. Sie rechnet mit einem moderaten Wachstum im Eurogebiet 2010.

Die Entwicklungsländer werden sich dagegen der Weltbank zufolge deutlich schneller erholen. Dies Einschätzung teilen die Volkswirte der Vereinten Nationen (UN). Der Aufschwung in den Entwicklungsländern setze sich stabil mit 5,2 Prozent fort, so die Weltbank. Die UN-Experten rechnen mit einem durchschnittlichen Plus von 5,3 Prozent.

Die Verbraucher im Westen hielten sich wegen der stark gestiegenen Arbeitslosenzahlen - in den USA etwa auf das Doppelte - mit Konsum und Investitionen noch zurück. Der BIP-Zuwachs der Industrieländer dürfte im Schnitt nicht mehr als 1,3 Prozent betragen, schreiben die UN-Experten in ihrem Bericht «Lage und Aussichten der Weltwirtschaft 2010».

Der internationale Handel und die globale industrielle Produktion ziehe langsam an. Allerdings verlaufe der Prozess von Land zu Land sehr unterschiedlich. «Die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum sind fragil».

Mehr und mehr Länder meldeten jetzt aber wieder Zuwächse ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP), heißt im UN-Bericht. Die Autoren bleiben aber vorsichtig und gehen von einem «sanften» Anstieg der weltweiten Wirtschaftsleistung von 2,4 Prozent für das Jahr 2010 aus.

Die größten Hoffnungen setzt die Weltbank auf Südasien. Für diese Region wird das stärkste Wachstum in diesem Jahr von 6,9 Prozent vorausgesagt, für 2011 sogar noch einen halben Prozentpunkt darüber.

Trotz sehr positiver Konjunkturzahlen steht Chinas Wirtschaft nach Einschätzung der Experten von UniCredit in diesem Jahr vor einem schwierigen Balanceakt. Medienberichten zufolge sind staatliche Banken angewiesen, die Kreditvergabe stark einzuschränken.

Auf Sicht der nächsten Monate blieben die Ampeln für exportorientierte deutsche Unternehmen «klar auf Grün». 2009 waren die chinesischen Exporte eingebrochen. Das Volumen der Ausfuhren fiel um 16 Prozent. Auch hier gab es zum Jahresende ein deutliches Zeichen der Erholung mit einem Plus von 18 Prozent im Dezember. Ökonomen gehen davon aus, dass China inzwischen Deutschland als «Exportweltmeister» abgelöst hat. (dpa)

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