Wirtschaftslage Der Schwung in China lässt nach

China ist bislang besser als andere Länder durch die Pandemie gekommen. Davon konnte auch die Wirtschaft lange profitieren. Doch die Verbreitung der Omikron-Variante löst neue Sorgen aus.
17.01.2022, 12:07
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von dpa

Chinas Wirtschaft ist 2021 erneut gewachsen – doch Ökonomen fürchten, dass es dieses Jahr weniger gut für die zweitgrößte Volkswirtschaft laufen könnte. Wie das Pekinger Statistikamt mitteilte, lag das Wachstum im vorigen Jahr bei robusten 8,1 Prozent. Jedoch schwächte sich die Dynamik im vierten Quartal weiter ab. Im Vorjahresvergleich legte die zweitgrößte Volkswirtschaft demnach zwischen Oktober und Dezember um vier Prozent zu.

Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts fiel damit etwas besser aus, als Analysten im Durchschnitt erwartet hatten. Im dritten Quartal hatte das Wachstum noch bei 4,9 Prozent gelegen – nach einem Rekordzuwachs von 18,3 Prozent im ersten und 7,9 Prozent im zweiten Quartal. Auch die Industrieproduktion schnitt im Dezember mit einem Plus 4,3 Prozent besser ab, als erwartet wurde.

Das starke Plus beim Wachstum auf Jahressicht erklärt sich vor allem mit der niedrigen Vergleichsbasis durch die Pandemie im Vorjahr. Mit einer Null-Covid-Strategie, Massentests, Quarantänen und Einreisebeschränkungen hatte das bevölkerungsreichste Land das Virus schneller in den Griff bekommen als die meisten anderen Staaten. Dennoch sagen Ökonomen nun ein Jahr mit deutlich weniger Schwung vorher.

Zentralbank senkt Zinsen

Die chinesische Zentralbank reagierten am Montag mit der ersten nennenswerten Zinssenkung seit April 2020. Sie senkte den Zinssatz für einjährige Refinanzierungsgeschäfte mit den Banken um 0,1 Prozentpunkte auf 2,85 Prozent. Zugleich wurde der Zins für einwöchige Wertpapiergeschäfte im gleichen Ausmaß auf 2,1 Prozent gesenkt. Darüber hinaus gab die Notenbank zusätzliche Liquidität in das Finanzsystem.

Zuletzt waren es vor allem die starken Exporte, die Chinas Wachstum stützten. Doch der Außenhandel kann auf Dauer andere Probleme nicht alleine ausgleichen: Der Immobilienmarkt hat sich abgekühlt. Ihn belasten Unsicherheiten wie die Krise um den mit mehr als 300 Milliarden US-Dollar verschuldeten Immobilienkonzern Evergrande. Die Regierung arbeitet weiter daran, die hohe Verschuldung von Unternehmen zu reduzieren. Auch gestiegene Rohstoffkosten und Energieknappheit wirkten sich zuletzt negativ auf die Konjunktur aus.

Lesen Sie auch

Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr dürfte der weitere Verlauf der Pandemie werden. Während Länder in aller Welt damit begonnen haben, mit dem Coronavirus zu leben, setzt Peking mehr denn je auf Abschottung. Landesweit wurden zuletzt täglich zwar nur rund 150 Fälle gemeldet – in einem Land mit 1,4 Milliarden Menschen. Doch abgesehen davon, dass es in China an unabhängiger Berichterstattung mangelt, bereitet die Verbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante der Regierung Sorgen. Die Variante war nach offiziellen Angaben vergangene Woche erstmals auch in China entdeckt worden.

Furcht vor Folgen möglicher Lockdowns

Experten fürchten, dass es für Chinas wirtschaftliche Entwicklung schwerwiegende Folgen haben könnte, falls es wegen der Omikron-Variante landesweit in vielen Regionen zu Lockdowns kommt, die Lieferketten unterbrechen und Fabriken lahmlegen würden. Die US-Investmentbank Goldman Sachs warnte, ein großer Omikron-Ausbruch könne in China schwerwiegende Folgen für die Konjunktur haben – und kürzte ihre Prognose für Chinas Wachstum vergangene Woche auf 4,3 Prozent im laufenden Jahr. Auch die Weltbank kürzte ihre Prognose zuletzt von 5,3 auf 5,1 Prozent.

Chinesische Ökonomen der Akademie der Sozialwissenschaften (CASS) hatten der Regierung im Dezember ein Wachstumsziel von „mehr als fünf Prozent“ für dieses Jahr vorgeschlagen.

„Das Gesamtwachstum für 2021 ist angesichts der niedrigen Basis des Vorjahres und durch starke Vor-Quartale mit 8,1 Prozent erwartbar solide ausgefallen“, kommentierte Jens Hildebrandt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsche Handelskammer in China, die Zahlen. Für das Jahr 2022 bestehe jedoch der Druck auf die chinesische Führung, die Geldpolitik weiter zu lockern, durch das Auftreten der Omikron-Variante die Null-Covid-Politik zu überdenken und den Konsum zu stärken. „Denn gerade dieser ist seit letztem Jahr kaum in Schwung gekommen. Rigorose Maßnahmen nach lokalen Ausbrüchen bringen den Konsum immer wieder ins Stocken“, sagte Hildebrandt.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+