Minus von 295 Millionen Euro

Commerzbank mit Verlust zum Jahresauftakt

Das überrascht auch die Analysten. Infolge der Corona-Krise schneidet die Commerzbank im ersten Quartal noch schlechter ab als erwartet.
13.05.2020, 07:37
Lesedauer: 3 Min
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Commerzbank mit Verlust zum Jahresauftakt

In den ersten drei Monaten steht bei der Commerzbank ein Minus von 295 Millionen Euro in den Büchern. Foto: Andreas Arnold/dpa

Andreas Arnold / dpa

Die Verwerfungen der Corona-Pandemie haben die Commerzbank zum Jahresauftakt in die roten Zahlen gedrückt. Trotz guter Geschäfte vor allem mit Privat- und Unternehmerkunden stand zum Ende des ersten Quartals unter dem Strich ein Minus von 295 Millionen Euro in den Büchern, wie der Frankfurter MDax-Konzern am Mittwoch mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte das Geldhaus 122 Millionen Euro Überschuss ausgewiesen.

Vor allem die Furcht vor vielen Kreditausfällen drückte das Ergebnis: Die Bank vervierfachte ihre Risikovorsorge von 78 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 326 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2020 erwartet die Bank eine Risikovorsorge von 1,0 Milliarden bis 1,4 Milliarden Euro - nach 620 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

„Dank der sehr weitreichenden Maßnahmen der Bundesregierung rechnen wir damit, dass deutsche Unternehmen, die einen Großteil unseres Geschäfts ausmachen, vergleichsweise gut durch die Krise kommen werden“, erklärte Finanzchefin Bettina Orlopp. „Wir haben ein gesundes Kreditbuch und der Anteil gefährdeter Kredite liegt seit Jahren unter dem deutschen und europäischen Durchschnitt. So können wir auch weitere Auswirkungen der Pandemie abfedern.“

Konzernchef Martin Zielke betonte die „komfortable Kapitalsituation“ der Bank. Finanzinstitute profitieren zusätzlich von vorübergehenden Lockerungen der Anforderungen durch die Regulierer in der aktuellen Krise. Ende März lag die Kernkapitalquote der Commerzbank bei 13,2 Prozent. Kernkapital gilt als Puffer für Krisenzeiten.

Vorstand lotet weitere Einsparungen aus

Der Vorstand des seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut lotet jedoch seit Wochen auch aus, wo noch gespart werden kann. Die Bank werde ihr „Kostenmanagement in diesem Jahr intensivieren“, bekräftigte Orlopp. „Denn Kosteneffizienz und leistungsfähige digitale Strukturen sind gerade in diesen Zeiten essenziell.“

Spekuliert wurde zuletzt in Presseberichten über eine deutliche Ausdünnung des Filialnetzes von 1000 Standorten auf 400 bis 500 Geschäftsstellen. Bei der Bilanzvorlage Mitte Februar hatte Orlopp angekündigt, die Bank werde spätestens zur Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal Anfang August Details zu den Sparbemühungen nennen.

Im September hatte der Vorstand unter anderem angekündigt, bis 2023 weitere 2300 Stellen abzubauen. Ende des ersten Quartals 2020 hatte die Bank auf Vollzeitbasis etwa 39.800 Mitarbeiter, im laufenden Jahr soll die Zahl nach letzten Angaben auf knapp 39.000 sinken. Beschlossen ist zudem bereits die Schließung jeder fünften Filiale.

Digitalisierung stärken

Um in Sachen Digitalisierung noch schlagkräftiger zu werden, integriert die Commerzbank ihre Online-Tochter Comdirect. Die verbliebenen Minderheitsaktionäre des Instituts mit Sitz im schleswig-holsteinischen Quickborn kann die Commerzbank nach einem Beschluss der Comdirect-Hauptversammlung aus der vergangenen Woche per Barabfindung aus dem Unternehmen drängen („Squeeze-out“).

Abgeblasen ist dagegen der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung von 69,3 Prozent an der polnischen mBank. Im von der Corona-Krise geprägten Umfeld sei ein solches Geschäft zu attraktiven Bedingungen nicht erreichbar, hatte die Bank Anfang dieser Woche mitgeteilt.

Ab Mittwochmittag wird der Commerzbank-Vorstand den Aktionären unter anderem erklären, warum selbst die zunächst angekündigte magere Dividende für das vergangene Geschäftsjahr nicht gezahlt wird. Die Hauptversammlung wird wegen der Coronavirus-Pandemie in diesem Jahr komplett als Online-Veranstaltung ausgerichtet.

Für das Gesamtjahr 2020 plant der Vorstand „angesichts der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie“ äußerst vorsichtig: Zumindest im Geschäft mit Kunden, das die Bank selbst beeinflussen kann, hofft die Bank, dass sie die Erträge „weitgehend stabil halten“ kann - so denn die Wirtschaft allmählich wieder hochfährt und es zu keinem zweiten Lockdown kommt.(dpa)

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