Windanlagen

Cuxhaven eröffnet neuen Offshore-Terminal

In Cuxhaven wurde am Mittwoch ein neues Offshore-Terminal eröffnet. Das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum führenden Offshore-Windanlagen-Standort in Deutschland.
19.09.2018, 22:45
Lesedauer: 3 Min
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Cuxhaven eröffnet neuen Offshore-Terminal
Von Peter Hanuschke
Cuxhaven eröffnet neuen Offshore-Terminal

Bereits vor der Eröffnung wurden Ende August Monopiles für den Windpark Deutsche Bucht auf das Errichterschiff "Seajacks Scylla" verladen.

SCHEER

Eine moderne Produktionsstätte, neue Kaianlagen speziell für den Umschlag für Offshore-Windanlagen und andere Schwergüter – nein, die Rede ist nicht von Bremerhaven, der Stadt, die über mehrere Jahre führend war als Entwicklungs- und Produktionsstandort für Offshore-Windanlagenmodule in Deutschland. Es geht um Cuxhaven. Dort wurde am Mittwoch der Liegeplatz 4 eingeweiht: ein weiterer Schritt auf dem Weg zum führenden Offshore-Windanlagen-Standort. Mit dem Liegeplatz 4 haben sich die Kapazitäten des Mehrzweckterminals um ein Drittel erweitert.

„Mit dem Liegeplatz 4 stehen dem Standort Cuxhaven mehr Kapazitäten für Umschlagswachstum zur Verfügung“, sagt Holger Banik, Geschäftsführer der Niedersachsen Ports GmbH, die etwa 36 Millionen Euro in das Projekt investiert hat. Etwa zwei Jahre Bauzeit hat der Liegeplatz 4 am Cuxport-Terminal benötigt. Er hat eine Größe von 8,5 Hektar und ist mit einer 240 Meter langen schwerlastfähigen Kaikante versehen. Schiffe können dort mit einem Tiefgang von bis zu 14,30 Meter anlegen.

Auch Bremerhaven hatte sich um Siemens bemüht

Betreiber der multifunktionalen Terminals ist Cuxport. Das Unternehmen – ein Joint Venture zwischen dem international tätigen Logistikunternehmen Rhenus und der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) – hat seit Anfang dieses Jahres für die Suprainfrastruktur gesorgt. Aber auch ohne diesen neuen Liegeplatz hatte sich Cuxhaven mit dem Aufkommen der Offshore-Windindustrie bereits zu einem Basishafen für die Branche entwickelt: Es siedelten sich verschiedene Bau- und Stahlbauunternehmen an der Unterelbe an. Zunächst entwickelte sich die Stadt jedoch immer ein bisschen im Schatten von Bremerhaven.

Das hat sich spätestens geändert, seit sich der Siemens-Konzern 2015 dazu entschloss, 200 Millionen Euro in seine erste deutsche Produktionsstätte für Offshore-Windturbinen zu investieren. Dort ist im vergangenen Jahr die Produktion angelaufen. Auch Bremerhaven hatte sich um Siemens, dem Weltmarktführer bei Offshore-Windanlagen, bemüht. Der Münchner Konzern wäre auch in die Seestadt gekommen, aber bekanntlich existiert der Offshore Terminal Bremerhaven (OTB) nur auf dem Papier.

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Ob er irgendwann überhaupt noch gebaut werden kann, damit beschäftigen sich die Gerichte. Siemens hatte sich schließlich für Cuxhaven entschieden, weil dort die Infrastruktur bereits vorhanden war: Eigentlich war sie mal für den österreichischen Konzern Strabag vorgesehen, doch der verwarf seine Pläne, dort Windkraftfundamente zu bauen. Übrig blieb nicht nur die Fläche, sondern auch eine schwerlastfähige bereits fertige Kaikante.

Mit der Ansiedlung von Siemens in Cuxhaven habe sich der Hafenstandort gegen zahlreiche europäische Hafenplätze durchsetzen können, sagte Banik. „Dank der exzellenten Infrastruktur des Deutschen Offshore-Industrie-Zentrums hat sich Cuxhaven mit der Errichtung und Versorgung von Windparks auf hoher See einen zukunftsträchtigen Markt gesichert.“

Lage spielt eine besondere Rolle

Auch in Bremerhaven findet noch Produktion und Entwicklung im Offshore-Geschäft statt: Es gibt Hersteller und Dienstleister wie etwa Senvion, BLG Logistics, Eurogate und das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik. Aber der Standort hat von seiner einstigen Strahlkraft viel verloren: Mehrere Offshore-Unternehmen meldeten Insolvenz an, und die Chancen, dass sich ein neuer großer Anlagenhersteller mittelfristig in der Seestadt niederlässt, sehen nicht unbedingt gut: Die Branche konsolidiert sich momentan, und eher unwahrscheinlich ist derzeit, dass in einer solchen Phase ein Hersteller einen neuen Standort sucht.

Auch unter diesen veränderten Bedingungen hält Bremens Senat weiterhin am OTB fest. „Die Entwicklung in Cuxhaven ist positiv für die Region und den gesamten Arbeitsmarkt im Nordwesten", sagt Bremens Wirtschafts- und Häfensenator Martin Günthner (SPD). Davon profitiere auch Bremerhaven. Und davon unabhängig sei der OTB für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Bremerhavens erforderlich. "Auf der Luneplate setzen wir künftig mehr als 200 Hektar Gewerbeflächen, auf denen vor allem das Thema Green Economy eine wesentliche Rolle spielen wird, durch die Anbindung an das seeschifftiefe Wasser in Wert." Außerdem werde die Energiewende nur gelingen, wenn das Thema Offshore-Windenergie künftig eine noch stärkere Rolle spiele.

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Was Cuxhaven angeht, spielt für Banik vor allem auch die Lage eine besondere Rolle: „Cuxhaven liegt am Eingang zur Nordsee, direkt an der seeschifftiefen Elbmündung und gegenüber der Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal und ist damit ein idealer Ausgangspunkt für die Verkehre nach Großbritannien, Skandinavien und in den Ostseeraum.“ Und der Ausbau könnte in Cuxhaven bald weitergehen. „Nach unserer Zählweise könnten wir mit den Liegeplätzen 5 bis 7 einen Lückenschluss bauen und somit insgesamt rund vier Kilometer Kaikante bieten“, so der Geschäftsführer. Um schnell handlungsfähig zu sein, werde deshalb momentan die Planfeststellung für diese Liegeplätze vorbereitet.

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