2000 Konten betroffen

Cyberkriminelle erbeuten 1,5 Millionen Euro von OLB-Konten

Vergangene Woche ist es passiert: Cyberkriminelle haben von Konten der OLB einen Betrag von 1,5 Millionen Euro abgezogen. Die genauen Ursachen sind noch ungeklärt. Andere Banken sollen nicht betroffen sein.
28.08.2019, 19:35
Lesedauer: 3 Min
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Cyberkriminelle erbeuten 1,5 Millionen Euro von OLB-Konten
Von Lisa Boekhoff
Cyberkriminelle erbeuten 1,5 Millionen Euro von OLB-Konten

Von Brasilien aus sollen die Betrüger Geld von den Konten der Kunden der OLB gezogen haben – sehr wahrscheinlich mit Hilfe einer Software, um viele Transaktionen mit unterschiedlichen Nummern auszuprobieren.

Silas Stein/DPA

Die Oldenburgische Landesbank (OLB) und ihre Kunden sind Opfer von Betrügern geworden. Rund 1,5 Millionen Euro konnten Cyberkriminelle von mehr als 2000 Konten ergattern über den Missbrauch von Debit-Mastercards. Dabei sollen die Betrüger von Brasilien aus mit gefälschten Karten und gefälschten Terminals gearbeitet haben, um Zahlungen zu tätigen. Die Bank informierte die Betroffenen und überwies die abgeräumten Summen umgehend zurück. Die OLB betonte in einer Pressemitteilung: „Es lag ausdrücklich kein Datenschutzfall vor: Konto- oder Kartendaten sind weder bei der OLB noch bei einem Drittanbieter gehackt worden.“

Die Betrüger sollen laut Sprecher Timo ­Cy­riacks Kartennummern ausprobiert haben – aufgrund der Menge sehr wahrscheinlich mithilfe von Software. In ganz vielen Fällen sei die Abbuchung gescheitert, in mehr als 2000 Fällen aber erfolgreich gewesen. Der Betrug passierte Anfang der vergangenen Woche und fiel den Sicherheitssystemen am selben Tag auf. „Da waren leider schon 2000 Konten betroffen“, bedauerte Cyriacks. Mastercard teilt auf Anfrage mit, dass derzeit keine Erkenntnisse über weitere Fälle vorliegen. Neben der OLB scheint somit keine andere Bank betroffen zu sein.

2000 Konten getroffen

Auf welchem Weg das Geld von den Konten gestohlen wurde, das ist der OLB bekannt. Aus ermittlungstaktischen Gründen will sie sich dazu aber nicht näher äußern. Bei den Terminals könnte es sich zum Beispiel um Kartenlesegeräte in Geschäften handeln. Die OLB ist seit dem Vorfall zusammen mit den beteiligten Dienstleistern mit der Analyse beschäftigt, warum sich die Betrüger nach jetzigen Kenntnissen offenbar ausschließlich auf die OLB konzentriert haben. „Dabei geht es natürlich auch und insbesondere um die Frage, warum wir trotz höchster Sicherheitsstandards in rund 2000 Konten-Fällen getroffen worden sind“, sagte Cyriacks. Insgesamt sind am Produkt der OLB noch Mastercard, die Bank selbst als Vertreiber und der Bank-Verlag als Verwalter der Datenströme beteiligt.

Wie viele Kunden in Bremen und Bremerhaven betroffen waren, dazu gibt es keine Angaben von der OLB. Anders als zunächst in Berichten vermutet, stand aber nicht Ostfriesland im Fokus. „Es gab keinen regionalen Schwerpunkt“, konstatierte Cyriacks. Anfragen von OLB-Kunden dazu hat es bei der Verbraucherzentrale Bremen laut Finanzexperte Thomas Mai noch nicht gegeben. „Das ist eine ganze Menge. Das ist ein organisiertes Verbrechen“, sagte Mai zur Zahl der betroffenen Konten. „Ich erwarte, dass die Bank und die Dienstleister am Ende preisgeben, was passiert ist.“ Derzeit lasse sich der Betrug noch nicht klar beurteilen.

Auch dem Bundesverband der deutschen Banken liegen keine weiteren Informationen vor, ob noch weitere Institute ins Visier der Betrüger geraten sind. „So wie es aussieht, sind nur die Karten von der OLB betroffen“, sagte der Sprecher des Verbands, Thomas Schlüter. Für die Kunden entstehe aber in einem solchen Fall kein Schaden. Warum allein eine Bank betroffen ist, dazu lasse sich derzeit nur spekulieren. „Wir kennen momentan keine Details und möchten keine halb garen Vermutungen anstellen.“

Die „Emder Zeitung“ berichtete zuerst über den Fall der OLB. Dort war auch der Ortsbürgermeister Erich Harms (SPD) aus Riepe im Landkreis Aurich von dem Betrug betroffen. „Es wurden 2300 Euro von meinem Konto ohne meine Zustimmung abgebucht.“ Die Bank habe aber schnell reagiert und den Betrag bereits wieder gutgeschrieben, sagte Harms. Alle Debit-Mastercards sind vorsorglich von der OLB gesperrt worden. Die Kunden bekommen neue Karten zugeschickt. Das besondere an der Debit-Mastercard ist, dass die Beträge sofort vom Konto abgezogen werden und nicht wie bei einer Kreditkarte erst nach vier Wochen mit einer Gesamtrechnung. Pro Woche kann maximal über einen Betrag von 2500 Euro verfügt werden.

Datenleck bei Mastercard-Bonusprogramm Priceless Specials

Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass es beim deutschen Mastercard-Bonusprogramm Priceless Specials ein Datenleck gegeben hat. Listen mit Kartennummern gerieten in den Umlauf – allerdings ohne das Ablaufdatum der Karte und die Prüfnummer auf der Rückseite. Dadurch konnten die Nummern nicht zum Einkauf im Internet genutzt werden. Mastercard verwies darauf, dass ein Dienstleister, der das Bonusprogramm betrieb, „einen Sicherheitsvorfall erlitten“ habe.

Dieses Datenleck habe mit dem Betrug bei der OLB aber nichts zu tun, sagte Timo ­Cyriacks. Einen Fall von Cyberkriminalität habe es bisher in der Geschichte der Bank überhaupt noch nicht gegeben. Die Sicherheitssysteme der OLB sollen nun ausgebaut werden. „Die gute Nachricht ist, dass sie funktionieren. Aber wir lehnen uns jetzt nicht zurück. Für uns ist wichtig, dass die Kunden keinen Schaden haben“, teilte der Sprecher mit. Ob die Versicherung für den Betrug – immerhin geht es um 1,5 Millionen Euro – aufkommt, das hängt vom Ergebnis der Untersuchungen ab.

Der Fall aus der vergangenen Woche wird die neue Spitze der OLB, Wolfgang Klein, sicher noch beschäftigen. Im Oktober übernimmt Klein, der bisherige Stellvertreter des Vorstandsvorsitzenden Axel Bartsch, dessen Posten. Bartsch wird Chef des Aufsichtsrats der Bank mit Sitz in Oldenburg. Im vergangenen Sommer war die OLB mit der bisher von Bartsch geführten Bremer Kreditbank (BKB) verschmolzen, nachdem die BKB die Regionalbank übernommen hatte.

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