Vorsicht bei Vermittlerangeboten

Das Geschäft mit der Betriebsrente

Bremen. Arbeitnehmer können auf einen Teil ihres Gehalts verzichten und vom Arbeitgeber in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen lassen. Das rechnet sich in der Regel für den Arbeitgeber, der entsprechende Sozialversicherungsbeiträge spart.
08.09.2014, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Thomas Mai

Arbeitnehmer können auf einen Teil ihres Gehalts verzichten und vom Arbeitgeber in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen lassen. Das rechnet sich in der Regel für den Arbeitgeber, der entsprechende Sozialversicherungsbeiträge spart. Private Anbieter von Betriebsrenten profitieren von dem frischen Geld und Vermittler freuen sich über jeden Neuabschluss, der eine Provision einbringt.

Ob der Arbeitnehmer langfristig davon profitiert, hängt aber von sehr vielen Details ab. Anbieter aus der Versicherungsbranche buhlen um die Gunst der Betriebe. Wie die Arbeitgeber die Anbieter, Tarife und Konditionen auswählen, bleibt meist im Verborgenen. Die Kosten und Qualität des konkreten Produkts und der Beratung bleiben dabei nicht selten auf der Strecke. Dabei trägt der Arbeitgeber immerhin eine Fürsorgepflicht dem einzelnen Arbeitnehmer gegenüber.

In unserem Fall kommt der Vertreter der Versicherung direkt in die Filiale eines Bremer Geschäfts, bei dem die 17-jährige N. kürzlich ihre Ausbildung begann. Mit der ersten Gehaltsabrechnung bekam sie den Hinweis auf die Vorzüge der Betriebsrente. Ein Angebot war auch schnell gemacht. Doch ihre Mutter wurde stutzig. Rechnet sich der Vertrag überhaupt? Der Beitrag von 25 Euro klingt auf den ersten Blick nicht viel, aber N. verdient keine 500 Euro brutto im Monat.

Was aus den Unterlagen nicht hervorgeht: Scheidet die Auszubildende vorzeitig oder zum Ende der Ausbildung aus, wäre mehr als ein Drittel des Geldes verloren, wenn ein nachfolgender Arbeitgeber den Vertrag nicht übernimmt. Durch die lange Laufzeit von 50 Jahren beträgt zu Beginn allein der Abzug der Vertreterprovision mehr als 1200 Euro. Zudem kommen andere Anbieter bei gleicher Einzahlung auf deutlich mehr Rente. Der Vertrag könne sich daher allenfalls rechnen, wenn er und der gewährte Arbeitgeberzuschuss über viele Jahre erhalten blieben. Ein neuer Arbeitgeber muss ihn aber nicht übernehmen. Dann kommt es zum Verlust, über der Arbeitnehmer besser schon bei Abschluss informiert werden sollte.

An dieser Stelle berichten Experten der

Verbraucherzentrale Bremen über Themen aus der Finanz- und Versicherungswelt.

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