Digitaler Arbeitsplatz Das Geschäft mit der Datenwolke

In Zeiten von Cloud-Computing stehen Unternehmen vor der Herausforderung, ihre IT-Infrastruktur fit für die Zukunft zu machen. Zu diesem Thema veranstaltet die Bremer IT-Firma Igel einen Fachkongress.
17.01.2018, 19:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Das Geschäft mit der Datenwolke
Von Peter Hanuschke

Bremen. Sie sind kleine leistungsfähige Computer, obwohl sie keine eigene Festplatte wie klassische PCs haben. Die sogenannten Thin Clients kommen vor allem in Unternehmensnetzwerken zum Einsatz. Europaweiter Marktführer in diesem Technologiebereich ist das Bremer Unternehmen Igel, das seit 2001 als eigenständige GmbH des Handelshauses Melchers fungiert.

Auch wenn zahlreiche Unternehmen auf Thin Clients setzen, werden neue Technologien die Zukunft des digitalen Arbeitens nachhaltig beeinflussen – etwa durch Anwendungen in Datenwolken, sogenannten Clouds. Genau damit beschäftigt sich der Hidden Champion und veranstaltet bis ­Freitag an drei Tagen im Bremer Steigenberger Hotel das erste Forum für „Enduser Computing“, wie es in der Fachsprache heißt.

Die Thin-Client-Technologie – alle Programme dieser Geräte werden nicht lokal, sondern in einem Rechenzentrum ausgeführt – werde es auch weiterhin geben, so Heiko Gloge, Geschäftsführer von Igel, das für Intelligente Gesamtlösung in der Mikro-Elektronik steht. Doch in Zeiten von Cloud-Computing, dem Internet der Dinge und der wachsenden Zahl mobiler Endgeräte stünden viele Unternehmen vor der Herausforderung, ihre IT-Infrastruktur und damit Tausende Computer-Arbeitsplätze fit für die Zukunft zu machen.

Software wird geleast

Was Cloud-Computing angehe, sei man schon mittendrin. Es werde aber mehr, so Gloge. Es gehe zunehmend in die Cloud beziehungsweise kämen die Anwendungen von dort, was letztlich eben auch mit der Thin-Client-Technologie kompatibel sei. „Das ist das, was die IT zurzeit treibt.“ Das Cloud-Computing sei oftmals nicht nur günstiger, weil die Software am Ende gar nicht mehr gekauft, sondern geleast werde, sondern primär gehe es im Zusammenhang mit der Cloud auch um das Thema Sicherheit. Bedenkenträgern, die die Sicherheit von Clouds infrage stellen, weil das externe Rechenzentrum der Cloud ausfallen könnte und es damit keinen Zugriff mehr auf die Server gibt, muss Gloge in der Regel nur eine Frage stellen, um sie vom Gegenteil zu überzeugen: „Was macht ihr denn, wenn das Rechenzentrum des Unternehmens ausfällt?“ Es sei außerdem so, dass die externen Großrechenzentren eine Verfügbarkeit hätten, „die ich als mittelständisches Unternehmen niemals darstellen kann – kosten- und Know-how-mäßig nicht.“ So ein Rechenzentrum bestehe aus mehreren Rechenzentren, es gebe immer ein Back-up, sodass nahezu eine hundertprozentige Verfügbarkeit gewährleistet werde.

Und diese Datenwelt in der „Wolke“ wird aus Sicht von Gloge noch mehr Einfluss auf den digitalen Arbeitsplatz der Zukunft nehmen. „Wenn man die nächste Generation der Anwender sieht – die Millennium-Geborenen, dann sieht man die Veränderung“, sagt der 56-Jährige. „Ich gehöre zu den Konservativen. Ich habe noch Programmierung gelernt und damit IT-Verständnis, die nächsten Generationen haben das nicht mehr. Die wollen aber auch nichts von Programmiersprache wissen.“ Es gehe nur noch um die Anwendung. Apple verkaufe beispielsweise User-Experience – und das funktioniere. Der Konsum von IT werde ein völlig anderer. „Wenn man denjenigen, die künftig ihren Berufsweg gehen werden, erklären muss, dass sie die ganzen Apps und Anwendungen ihrer Smartphones nicht nutzen können, wenn sie im Büro sind, dann sind sie kein attraktiver Arbeitgeber.“

Das liege daran, dass heute in vielen Bereichen rund um die Uhr von irgendwo gearbeitet werde. Es gebe nicht mehr die alte Zuordnung eines Acht-Stunden-Arbeitstags von montags bis freitags, so der Igel-Geschäftsführer. In der IT sei das anders. „Da kümmert es keinen, wenn es ein Samstag ist – man arbeitet, um seinen Job zu machen, egal zu welcher Zeit.“ Diese Arbeitsweise müsse nur in Balance mit der Freizeit gebracht werden. Und die hohe Verfügbarkeit an IT, die heute beansprucht wird, könne man als Unternehmer gar nicht mehr darstellen. „Deshalb brauche ich eine Cloud und einen Provider, der einen hohen Grad an Rechenleistung und Sicherheit zur Verfügung stellt.“

Möglich sei diese Entwicklung auch, weil die Endgeräte heute viel mehr Power hätten und viele der Programme nicht mehr über Windows liefen. Was die Programme betrifft, sei das so wie auf den Smartphones. Da spiele Windows keine Rolle mehr. Mobile Endgeräte setzten da auf Android- oder Apple-iOS. Dadurch seien diese Systeme wesentlich schlanker.

Höhere Rechenleistung

Und was gerne behauptet wird, nämlich dass sie anfälliger sind, stimme nicht, sagt Gloge. Im Prinzip sei die Rechenleistung auf den Smartphones inzwischen höher als auf den Thin Clients – nur werde sie in der Regel nicht genutzt. Dort seien alle wichtigen Programme drauf, nur mache es wenig Spaß, auf so einem Gerät zu arbeiten. Aber auf einer Docking-Station, verbunden mit einem Bildschirm, werde daraus ein kompletter Arbeitsplatz. Das sei ein Ansatz für künftiges Arbeiten. Die Technik sei da. Es gehe nur darum, wie komplex heute IT-Unternehmensstrukturen seien und wie diese an die neuen Entwicklungen angepasst werden können. Da liefen manchmal Mainframes, also Großrechner, die nicht einfach abgeklemmt werden könnten. „Ich war vor Jahren einmal bei Mercedes, da standen in einer Ecke hinter Absperrband noch historisch anmutende Großrechner. Die konnten nicht abgeschaltet werden, weil dort wichtige Applikationen drauf liefen.“ Es gehe dann darum, wie man den Zugang für solche Altsysteme mit einbindet, für eine Technik, für die es gar keine Apps gebe. „Da kommen unterschiedliche Welten zusammen und die zu integrieren, ist dann Aufgabe von uns und unseren Partnern, die Systemintegratoren sind.“ Da könne man nicht einfach ein Standardprodukt hinstellen.

Und für einen reibungslosen Übergang ist nach wie vor das Thin-Client-System sehr gut geeignet. „Wir haben beim Logistiker Dachser einmal 14 000 Arbeitsplätze weltweit umgerüstet.“ Dafür werde die Technik dahinter adaptiert, damit sie möglichst automatisiert aus der Umgebung der alten Arbeitsplätze auf die neuen umgestellt werden können.

Der Gedanke dahinter sei, möglichst wenig Techniker vor Ort einsetzen zu müssen. „Das Konzept der Thin Clients basiert darauf, dass ich das Gerät wegnehmen kann, ein anderes hinstelle, und es arbeitet mit ihrem Profil, weil es immer damit kombiniert ist", so Gloge.“ Es gehe also darum, eine Vielzahl von Rechnern zentral aus einem Rechenzentrum heraus zu verwalten, sprich sie zu managen, ohne dass ein Techniker raus muss.

Igel beschäftigt am Bremer Hauptsitz 150 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat insgesamt 300 Beschäftigte, verfügt über zehn Niederlassungen weltweit und ist mit Partnern in über 50 Ländern vertreten. Entsprechend international ist das Fachforum ausgerichtet, zu dem etwa 250 Teilnehmer erwartet werden: Darunter finden sich Vertreter von Branchengrößen wie dem Thin-Client-Pionier Citrix, Intel, Microsoft oder auch dem US-Marktforschungsunternehmen Gartner.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+