Wie Bremerhaven vom Tourismus profitiert

Das Kreuzfahrtgeschäft an Land

In Bremerhaven boomt die Kreuzfahrt. Wie die Wirtschaft der Seestadt von immer mehr Schiffsanläufen und wachsenden Passagierzahlen profitiert.
29.04.2019, 18:05
Lesedauer: 4 Min
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Das Kreuzfahrtgeschäft an Land
Von Peter Hanuschke
Das Kreuzfahrtgeschäft an Land

Die "Mein Schiff 3" aus der Tui-Flotte an der Columbuskaje in Bremerhaven.

Christian Eckardt

Viele kommen mit dem Zug und fahren mit dem Taxi weiter zum Columbus Cruise Center Bremerhaven (CCCB). Der Großteil nimmt das eigene Auto und stellt sein Fahrzeug direkt am CCCB ab. Andere reisen schon einen Tag vorher an, übernachten in der Seestadt und checken dann auf ihrem Kreuzfahrtschiff ein. Trotz der unterschiedlichen Anfahrten gibt es Gemeinsamkeiten: Jeder Kreuzfahrtgast gibt zwangsläufig Geld in Bremerhaven aus. Doch wie hoch ist die Wertschöpfung tatsächlich? Passagierbezogen liegt diese Summe laut einer aktuellen Studie bei durchschnittlich 16 Euro.

Das klingt zunächst einmal nicht viel, aber bei 230 000 Kreuzfahrtpassagieren kam im vergangenen Jahr so eine Wertschöpfung von 3,7 Millionen Euro in Bremerhaven zusammen, der Umsatz lag bei sechs Millionen Euro. Hinzu kommen die Ausgaben der Reedereien im Zusammenhang mit den Schiffsanläufen, etwa fürs Hafenentgelt oder die Ver- und Entsorgung. Sie lagen geschätzt bei 70 000 Euro pro Schiff, was insgesamt einen Umsatz von 7,8 Millionen Euro ausmacht. Daraus lässt sich eine Wertschöpfung von etwa 5,1 Millionen Euro ableiten.

Umsatz und Wertschöpfung im Mittelpunkt

„Der Magistrat der Stadt Bremerhaven hat früh die enormen Potenziale für die touristische Entwicklung erkannt, die der Kreuzfahrttourismus für Bremerhaven besitzt“, so Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD). Der Magistrat von Bremerhaven ist neben der stadtbremischen Hafengesellschaft Bremenports und der Handelskammer Bremen - IHK für Bremen und Bremerhaven Auftraggeber der Studie. Auftragnehmer ist das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL). Grantz: „Mit der jetzt vorliegenden Studie liegen nun solide Grundlagen vor, auf deren Basis dieser wachsende Markt für Bremerhaven nutzbar gemacht werden kann.“

Dass bei der Studie der Umsatz und die Wertschöpfung im Mittelpunkt steht, hat einen Grund: Seit 2015 ist das Passagieraufkommen am CCCB enorm gestiegen – damals lag die Zahl nur bei 66 000 im Jahr. In der diesjährigen Kreuzfahrtsaison wird mit 260 000 Passagieren kalkuliert, und in den nächsten Jahren wird mit weiteren Steigerungen gerechnet. Bei solchen Zuwächsen stößt die vorhandene Hafeninfrastrukturen an ihre Grenzen, und deshalb wird über mögliche Modernisierungs- oder Erweiterungsmaßnahmen nachgedacht. Allerdings wollen die Auftraggeber der Studie eben auch wissen, inwieweit sich das boomende Kreuzfahrtgeschäft überhaupt auf die regionale Wirtschaft positiv auswirkt.

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„Damit Bremerhaven in Zukunft noch mehr vom Kreuzfahrttourismus profitieren kann, muss weiteres Wachstum sichergestellt werden", sagt Handelskammer-Präses Janina Maharens–Hashagen. Hierfür sei ein Kapazitätsausbau des Kreuzfahrtterminals unausweichlich. Die Bremerhavener Wirtschaft werde künftig noch nachhaltiger von den wachsenden Passierzahlen im Kreuzfahrttourismus partizipieren können, wenn es gelinge, den Terminal fuß- und fahrradläufig besser mit der Innenstadt zu verbinden.

Der Studie zufolge gibt es darüber hinaus Verkehrsengpässe am Hauptbahnhof sowie um das Terminal herum. Außerdem bestehe aufgrund des anhaltenden Kreuzfahrtbooms und der Flottexpansion – die Schiffe werden immer größer – die Gefahr, dass das CCCB-Terminal in seiner jetzigen Form an seine Kapazitätsgrenzen stoße. „Bereits heute ist bei den Anläufen von Schiffen mit Kapazitäten für mehr als 2500 Passagieren keine gleichzeitige Abfertigung von kleinen Schiffen mehr möglich oder wenn, dann nur unter für Passagiere unzumutbar scheinenden Bedingungen“, schreiben die Autoren.

Ausgaben belaufen sich auf 14,7 Millionen Euro

„Die Studie gibt die klare Empfehlung, die bestehende Terminalstruktur deutlich zu verbessern", sagt Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe. "Dies bestätigt unsere Planungen, mit einem neuen Multifunktionsbau die Bedingungen für das CCCB weiter zu verbessern und zugleich die Columbushalbinsel konzeptionell weiter zu entwickeln."

Bei den Passagieren wurde in Transitgäste und Turnaround-Gäste unterschieden. Letztere beginnen oder beenden ihre Reise in Bremerhaven und übernachten häufig vor Beginn der Kreuzfahrt in der Seestadt. Die Transitgäste gaben nach Angaben der Studie ohne gebuchte Touren an Bord durchschnittlich 11,59 Euro aus. Bei den Turnaround-Gästen als Tagesgäste waren es 15,73 Euro, und die Übernachtungsgäste ließen im Durchschnitt 103,16 Euro in Bremerhaven. In diesen Zahlen sind nur die Ausgaben berücksichtigt, die beim Besuch der Stadt angefallen sind, nicht die Zahlungen für Parkgebühren, Tankfüllungen, Bustickets oder Shuttle-Dienste. Die Studie geht von etwa 22 000 Übernachtungsgästen im Zusammenhang mit einer Kreuzfahrt im vergangenen Jahr aus.

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Aber sowohl hier als auch bei den Ausgaben der Tagesgäste bestünden noch deutliche Steigerungspotenziale, sind die Autoren vom ISL überzeugt. „Nicht übersehen werden darf dabei, dass der Betrieb des CCCB mittlerweile zu einer eigenen Attraktion der Stadt Bremerhaven geworden ist, die Besucher anzieht.“ In der Rubrik „gastbezogene Ausgaben“ schätzt das ISL, dass 2018 etwa 55 000 Gäste das Terminal besucht haben, um Passagiere zur Reise zu bringen oder abzuholen oder aus reinem Interesse an der Kreuzfahrt. Umsazt dort: 0,9 Millionen Euro.

Zusammengerechnet belaufen sich die Ausgaben der Reedereien, Passagiere und Gäste des Terminals auf 14,7 Millionen Euro (Wertschöpfung von 9,3 Millionen Euro). Das ISL geht davon aus, dass eine weiter gefasste Untersuchung beziehungsweise Fragestellung etwa nach der Bedeutung der Kreuzfahrt für Bremerhaven insgesamt voraussichtlich ein um ein vielfaches höheres Umsatz- und Wertschöpfungsvolumen ermitteln würde, das letztlich von Angestellten der Unternehmen erwirtschaftet wird. Nach einer groben Schätzung des ISL würde die Wertschöpfung dann in einer Größenordnung zwischen 40 und 50 Millionen Euro liegen.

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