Österreichischer Unternehmer erstellte Großteil der Olympia-Bauten Der Baumeister von Sotschi

Wien. Riesige Bagger, starke Männer, fette Großbuchstaben im Logo: Die Strabag, fünftgrößter Baukonzern des Kontinents und Marktführer in Osteuropa, strahlt Macht und Kraft aus. Aber Hans Peter Haselsteiner, Gründer, Miteigentümer und bis zum Vorjahr unumschränkter Herr des Konzerns, präsentiert sich in seinem Heimatland Österreich als das krasse Gegenteil des ruppigen Baulöwen mit den Notenbündeln in der Hosentasche.
06.02.2014, 00:00
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Von Norbert Mappes-Niediek

Riesige Bagger, starke Männer, fette Großbuchstaben im Logo: Die Strabag, fünftgrößter Baukonzern des Kontinents und Marktführer in Osteuropa, strahlt Macht und Kraft aus. Aber Hans Peter Haselsteiner, Gründer, Miteigentümer und bis zum Vorjahr unumschränkter Herr des Konzerns, präsentiert sich in seinem Heimatland Österreich als das krasse Gegenteil des ruppigen Baulöwen mit den Notenbündeln in der Hosentasche. Im Bewusstsein der Österreicher ist der 70-jährige Tiroler sensibler Kunstliebhaber, weitblickender Intellektueller, großzügiger Spender, aufgeklärter Sozialkritiker und liberaler Politiker. Dass seine Firma dick ins Russland-Geschäft kam und in Sotschi den Flughafen und das Olympische Dorf bauen durfte, will in das Image nicht recht passen.

Dabei war Haselsteiners Heimat ein gutes Trainingscamp für den Markt in Russland. Als der promovierte Steuerberater 1972 in die Baufirma seines Schwiegervaters einstieg, wurden in Österreich öffentliche Aufträge, wenn überhaupt, nur pro forma ausgeschrieben und ausschließlich an parteinahe Baufirmen vergeben. Nur im bäuerlich-antiklerikalen Kärnten, wo Haselsteiner eingeheiratet hatte, funktionierte der Proporz der Großparteien SPÖ und ÖVP nicht ganz so glatt. Marktöffnung und Liberalität wurden die Parolen der Achtziger- und Neunzigerjahre, als Unternehmen privatisiert wurden und Österreich mit dem EU-Beitritt Abschied vom Protektionismus nehmen musste.

Ein freies Großunternehmen kam da recht. Haselsteiner positionierte sich und seine Firma nicht außerhalb des Systems, aber am Rande. So wie die Strabag keine Parteifirma war, sich aber politisch stets gut vernetzte, so hielt es auch das „Liberale Forum“, die Kleinpartei, der sich der inzwischen steinreiche Unternehmer anschloss: Die Partei trat als Partner der Großparteien auf, nicht als deren Konkurrent. Im vergangenen Herbst unterstützte Haselsteiner die Nachfolgepartei „Neos“ mit gutem Rat, Tat und knapp 700000 Euro. Die Partei zog aus dem Stand ins Parlament ein.

In Österreichs politischem Netzwerk mit seinen engen Banden nach Osten steht Haselsteiner ganz und gar nicht am Rande. Als Aufsichtsratsvorsitzenden und Chef seiner Familien-Holding holte er sich den geschäftstüchtigen Ex-SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer, als Partner die ÖVP-nahe Raiffeisen-Gruppe und den russischen Oligarchen Oleg Deripaska. Korruptionsprozesse muss die Strabag bisher nur in Ungarn und Kroatien fürchten – Ländern, deren Eliten anders vernetzt sind. Im vergangenen Herbst entschied ein Gericht in Wien, dass 15 Millionen Euro Schmiergeld von der Firma an ungarische Amtsträger nicht strafbar waren: Der Vorteil, den die Strabag davon gehabt habe, sei „nicht unbillig“ gewesen, urteilten die Richter.

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