Prozess gegen Helge Achenbach wegen Betrugs wirft ein Schlaglicht auf den bizarren Kunstmarkt Der Kunstberater und die Millionen

Eine der spektakulärsten Affären der Kunstszene wird vor Gericht verhandelt. Auf der Anklagebank sitzt der prominente Kunstberater Helge Achenbach: Er soll laut Anklage schwer reiche Kunden, wie den Aldi-Erben Berthold Albrecht, bei Geschäften mit Kunst und Oldtimern um Millionen betrogen haben. Der Prozess wirft bereits zu Beginn ein Schlaglicht auf den immer bizarrer werdenden Kunsthandel.
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Der Kunstberater und die Millionen
Von Uwe Dammann

Eine der spektakulärsten Affären der Kunstszene wird vor Gericht verhandelt. Auf der Anklagebank sitzt der prominente Kunstberater Helge Achenbach: Er soll laut Anklage schwer reiche Kunden, wie den Aldi-Erben Berthold Albrecht, bei Geschäften mit Kunst und Oldtimern um Millionen betrogen haben. Der Prozess wirft bereits zu Beginn ein Schlaglicht auf den immer bizarrer werdenden Kunsthandel.

Es ist noch keine sechs Monate her, da war der Kunsthändler Helge Achenbach ein weithin geachteter Mann mit besten Kontakten zur Kunstzene und gleichzeitig finanzstarken Geldgebern, die sich diese Kunst auch leisten können. Noch bei der WM in Brasilien hatte er im Auftrag von Manager Oliver Bierhoff den Aufenthaltsraum der deutschen Nationalmannschaft im Hotel im Trainingscamp von Bahia mit Kunst ausstatten dürfen. Doch von den Tagen in Brasilien kann Achenbach mittlerweile nur noch träumen. Der 62-Jährige steckt tief im Gerichtsschlamassel fest und sitzt seit fünf Monaten in U-Haft. Der Prozess gegen ihn hat vor zwei Wochen begonnen und wird im neuen Jahr fortgesetzt werden. Die Verhandlung wirft ein bizarres Licht auf die Kunstzene, in der mit unfassbar hohen Millionensummen gehandelt wird.

Sein schillerndes Leben mit den schönen Künsten und den Reichen beschrieb Achenbach 2013 ausführlich in seiner Autobiografie „Der Kunstanstifter – vom Sammeln und Jagen“. Nun wird ihm vom Gericht vorgeworfen, dem schwer reichen Aldi-Erben Berthold Albrecht 21 Kunstwerke und elf Oldtimer zu überhöhten Preisen verkauft zu haben. Unter den Kunstwerken waren Gemälde von Gerhard Richter, Pablo Picasso oder Roy Lichtenstein. Unter den Autos Ferraris, Bentleys, Jaguars.

Mit Babette Albrecht, der Ehefrau des vor wenigen Jahren verstorbenen Berthold Albrecht, sowie Christian Boehringen hat das Landgericht Essen zwei prominente Vertreter des Geldadels als Zeugen zum Prozess geladen, die im neuen Jahr aussagen wollen. Babette Albrecht ist die Witwe des 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, der nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Essen von Achenbach um 22,5 Millionen Euro betrogen wurde. Babette Albrecht hatte im April die Ermittlungen gegen Achenbach mit einer Strafanzeige in Gang gebracht. Christian Boehringer ist Vorsitzender des Gesellschafterausschusses des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim, ein weiterer großer Familienkonzern wie Aldi. Der Milliardär Boehringer hatte über Achenbach einen Kunstkauf von rund 1,2 Millionen Euro getätigt, bei dem er das Geld nach viel Streit um einen Betrugsverdacht zurückerhielt.

Weil Babette Albrecht von diesem Streit erfuhr, ließ sie dann auch die Käufe ihres Mannes prüfen und stellte Strafanzeige. Dabei wurden in der vergangenen Woche erstmals Details zu den Ermittlungen gegen den bekanntesten Kunstberater Deutschlands bekannt. Der Kriminalhauptkommissar, der die Ermittlungen führt, berichtete vor Gericht als Zeuge über die Durchsuchungen in Achenbachs Firmensitz in Düsseldorf. Die Büroräume seien parallel zur Festnahme am 10. Juni durchsucht worden. Überraschend sei in den Büros bereits ein Anwalt Achenbachs gewesen und habe den Beamten einen Ordner mit der Aufschrift „Albrecht“ übergeben, sagte der Kommissar. Der Ordner habe Unterlagen zu den Kunst- und Oldtimerverkäufen enthalten. Wer den Anwalt so schnell informiert habe, sei unklar.

Achenbach war nach der Rückkehr aus dem Quartier der Nationalelf in Brasilien am Düsseldorfer Flughafen festgenommen und direkt ins Untersuchungsgefängnis gebracht worden. Dort sitzt er seit inzwischen seit über einem halben Jahr ein. Rätsel gibt auch ein undatierter und nicht unterschriebener Brief Achenbachs an den Aldi-Erben auf, der in dem „Albrecht-Ordner“ gefunden wurde. In dem vor Gericht verlesenen Brief mit der Anrede „Lieber Berthold“ unterteilt Achenbach seine Kunstverkäufe an den Milliardär in Geschäfte mit Preisaufschlägen und siebenjähriger Rücknahmegarantie sowie in einfache Geschäfte nur auf Provisionsbasis. Achenbach hatte in seiner Einlassung am vergangenen Montag erklärt, er habe seine Geschäfte mit Albrecht mündlich vereinbart. Den Brief habe er aufgesetzt, als die „Sache mit Boehringer“ aufgeflogen sei. Das Papier sei nicht für Dritte gedacht gewesen. Nach Angaben seines Anwalts hatte Albrechts Witwe den Kunstberater gebeten, ihr nähere Informationen über seine Einkäufe und die Geschäftsbeziehungen zu ihrem Mann zu geben.

Kunstberater werden von Sammlern nicht nur aus Anonymitätsgründen, sondern vor allem auch deshalb eingeschaltet, um einen möglichst niedrigen Preis mit den Galeristen auszuhandeln. Achenbach kaufte Kunst für seine Kunden, erstand aber auch bedeutende Sammlungen, die er teilweise weitervermittelte oder mit denen er ein eigenes Kunstlager aufbaute. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet in diesem Fall aber, dass Achenbach weitaus höhere Einkaufspreise in Rechnung gestellt, als er selbst bei den Galerien und Auktionshäusern gezahlt habe. Rechnungen sollen manipuliert worden sein, es wird nicht nur wegen Betrugs, sondern auch wegen Urkundenfälschung ermittelt. Beim Kauf eines Gemäldes von Picasso etwa soll er zusätzlich zur Provision fast zwei Millionen Euro auf den Einkaufspreis aufgeschlagen und somit auch eine höhere Provision und eine höhere Mehrwertsteuer kassiert haben. Insgesamt vermittelte der Händler zwischen 2009 und 2011 Kunstwerke und Autos im Wert von gut 120 Millionen Euro an Albrecht.

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