Deutsche Bahn

Milliardenverlust und ein Streik in Aussicht

Die Bahn kommt nur langsam wieder in Fahrt. In der kommenden Woche entscheiden die Lokführer, ob sie bald streiken. Und das Unternehmen fährt große Verluste ein.
29.07.2021, 15:50
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Von Wolfgang Mulke
Milliardenverlust und ein Streik in Aussicht

Der Schriftzug mit Logo steht an der Zentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz.

Fabian Sommer/dpa

Die Pandemie reißt weiterhin tiefe Löcher in die Bilanz der Deutsche Bahn. Rund zwei Milliarden Euro Verlust werden es nach Schätzung des Unternehmens in diesem Jahr am Ende sein. In den ersten sechs Monaten summierte sich das Minus nach Zinsen und Steuern bereits auf 1,4 Milliarden Euro. Dennoch ist Bahnchef Richard Lutz optimistisch. Denn seit dem Frühjahr steigen im Fernverkehr die Fahrgastzahlen wieder an. "Wir sind gerüstet für mehr Reisende und Wachstum", versichert Lutz. 

Die Auslastung der Züge im Fernverkehr liegt inzwischen wieder bei rund 40 Prozent. In normalen Zeiten kann das Unternehmen mehr als jeden zweiten Sitzplatz verkaufen. Von dieser Normalität ist die Bahn also noch weit entfernt. Das macht sich auch in den Ergebnissen der einzelnen Konzernsparten bemerkbar. Im Güterverkehr steht zum wiederholten Mal ein dreistelliger Millionenbetrag an Verlusten in der Bilanz. Einen Lichtblick liefert nur die Spedition Schenker mit einem Rekordgewinn von 630 Millionen Euro. An einen Verkauf der Tochter, wie es einige Politiker fordern, denkt der Bahnchef nicht. 

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Ob das so bleibt, wird sich womöglich erst nach der Bundestagswahl zeigen. Denn die Bahn drückt eine wachsende Schuldenlast. Mit 32 Milliarden Euro stand der Konzern zur Jahresmitte in der Kreide. Noch gibt es bei der Verschuldung aber Spielraum nach oben. Der vom Bundestag auferlegte Deckel liegt bei 35 Milliarden Euro. Corona hat die Bahn hart getroffen. Finanzvorstand Levin Holle beziffert die erwarteten Schäden durch die Pandemie auf rund zehn Milliarden Euro. Die Hälfte davon übernimmt der Bund, die andere Hälfte soll die Bahn durch Einsparungen beitragen.

Dazu gehören auch bescheidende Lohnzuwächse der Beschäftigten. Ein entsprechender Abschluss mit der größeren Bahngewerkschaft EVG ist im vergangenen Herbst gelungen. Dagegen stellt sich die kleinere Lokführergewerkschaft GDL quer. Sie will sich nicht mit den 1,5 Prozent Lohnplus der EVG begnügen. Nachdem die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern kürzlich gescheitert sind, bereitet die GDL nun mit einer Urabstimmung einen Arbeitskampf vor. Am 9. August will die Gewerkschaft das Ergebnis des Votums bekannt geben. Kurz darauf könnten die Lokführer wie schon in vergangenen Jahren den Bahnverkehr lahmlegen. 

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Die Situation ist auch dadurch besonders angespannt, dass bei der Bahn ab diesem Jahr das Tarifeinheitsgesetz angewendet wird. Es sieht vor, dass in den rund 300 Bahnbetrieben immer nur der Tarifvertrag der größeren Gewerkschaft zu Anwendung kommt. Das ist – abgesehen von 18 Betrieben – stets die EVG. Die GDL befürchtet, dass die Arbeitgeber sie ganz aus dem Rennen drängen will. Ein Angebot der Bahn für eine Kooperation mit den Gewerkschaften wies die GDL nun als Trick und Täuschung zurück. Es stehen mitten in den Sommerferien also schwere Turbulenzen im Bahnverkehr ins Haus.

Auch die Flutkatastrophe erschwert die Rückkehr der Bahn in die Gewinnzone. Brücken und Schienenwege sind beschädigt worden. Auf 1,3 Milliarden Euro bezifferte das Unternehmen den Schaden in einer ersten Schätzung. "Das verheerende Hochwasser hat uns einmal mehr bewusst gemacht, wie gravierend die Folgen des Klimawandels bereits sind", betont Lutz. Der Konzern bereitet sich nun mit einer "Klimaresilienzstrategie" auf eine wachsende Zahl von Wetterextremen vor. Denn "nichts tun kostet auch Geld", sagt Lutz. 

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