Langzeit-Analyse der norddeutschen Statistikämter: Wachstum in Bremerhaven am stärksten Deutsche Häfen als Umschlags-Garanten

Die deutschen Seehäfen haben ihren Güterumschlag in den vergangenen 20 Jahren auf ungefähr 300 Millionen Tonnen verdoppelt. Maßgeblich für diese Entwicklung war vor allem das Umschlagswachstum der beiden deutschen Containerhäfen Hamburg und Bremerhaven. Das geht aus einer Langzeit-Analyse der fünf norddeutschen Statistikämter zur Seeschifffahrt und der Häfen hervor, die gestern vom Statistikamt Nord in Hamburg veröffentlicht wurde.
27.01.2015, 00:00
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Deutsche Häfen als Umschlags-Garanten
Von Peter Hanuschke

Die deutschen Seehäfen haben ihren Güterumschlag in den vergangenen 20 Jahren auf ungefähr 300 Millionen Tonnen verdoppelt. Maßgeblich für diese Entwicklung war vor allem das Umschlagswachstum der beiden deutschen Containerhäfen Hamburg und Bremerhaven. Das geht aus einer Langzeit-Analyse der fünf norddeutschen Statistikämter zur Seeschifffahrt und der Häfen hervor, die gestern vom Statistikamt Nord in Hamburg veröffentlicht wurde.

„Containerverkehr – eine Domäne Hamburgs und der bremischen Häfen“; „Bremische Häfen am konventionellen Stückgutumschlag stark beteiligt“ – allein die Überschriften der Langzeit-Analyse der fünf norddeutschen Statistikämter machen deutlich, dass neben den Hamburger Anlagen vor allem die bremischen Häfen eine bedeutende Rolle im Güterumschlag einnehmen. Im relativen Vergleich hat Bremerhaven sogar die Nase vorn: Zwischen 1995 und 2013 hat sich der Güterumschlag in Bremerhaven um 261 Prozent erhöht, im Hamburger Hafen waren es 83 Prozent. Und mit 7,8 Millionen Tonnen in 2013 werden die bremischen Häfen als „die größten Hafenplätze an der Küste“ für den Stückgutumschlag in der Statistik geführt.

Insgesamt heißt es zur seeseitigen Infrastruktur: Die norddeutschen Häfen sind „naturgemäß“ Drehscheibe für den seewärtigen deutschen Außenhandel und Knotenpunkte für Güterströme aber auch für den Reiseverkehr, der mit rund 30 Millionen Fahrgästen jährlich zwischen 2000 und 2013 relativ konstant ausfiel. Anders im Güterumschlag: Dort hatte die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, die 2008 begann, besonders 2009 tiefe Spuren in den Verkehrskennzahlen hinterlassen.

Bis zum Erfassungsjahr 2013 konnte das Niveau des Rekordjahres 2008 mit einem Seegüterumschlag von insgesamt 317,9 Millionen Tonnen in allen deutschen Seehäfen noch nicht wieder erreicht werden. Einzeln betrachtet, bilden aber die bremischen Häfen in diesem Zusammenhang, bezogen auf den Containerumschlag, die Ausnahme. Bis 2008 belief sich die Anzahl der umgeschlagenen Standardcontainer (TEU) auf etwa 5,5 Millionen. Mit sechs Millionen TEU wurde diese Marke bereits 2011 deutlich übertroffen. Und 2012 wurde mit 6,1 Millionen TEU sogar ein neuer Höchststand erzielt, der sich in den vergangenen zwei Jahren wieder auf ein Niveau von etwa 5,8 Millionen TEU verringert hat. Der Containerumschlag in Hamburg erreichte mit knapp unter zehn Millionen TEU erst im vergangenen Jahr wieder das Vorkrisen-Niveau.

Im Containerverkehr belegten Hamburg und Bremerhaven 2013 die Plätze zwei und vier in Europa. Beide Häfen stehen insbesondere im permanenten Wettbewerb mit Rotterdam (2013: 11,6 Millionen TEU, Platz eins) und Antwerpen (8,6 Millionen TEU, Platz drei). Und noch etwas haben Hamburg und Bremerhaven in der Bewertung der Statistikämter gemeinsam: Die zunehmend breiter und länger und vor allem mit mehr Tiefgang fahrenden Containerschiffe „erfordern Ausbaumaßnahmen von Elbe und Weser, um die Zufahrt zu den Häfen möglichst ohne größere Einschränkungen zu sichern“.

Die jetzt vorgelegte gemeinsame Statistik der norddeutschen Länder könne auch als ein Beitrag zu einer engen Kooperation im Hafenbereich gelesen werden, findet der Bremer Wirtschafts- und Häfensenator Martin Günthner (SPD). „Es ist deutlich, dass der Norden insgesamt von einer aktiven Hafenpolitik profitiert.“ Dies lasse sich besonders gut an der herausragenden Entwicklung in Bremerhaven ablesen. „Bremerhaven ist deshalb wachstumsstärkster Hafen, weil die Politik zielgerichtet und hartnäckig über Jahrzehnte in die Infrastruktur investiert hat.“

Die Zahlen belegten aber auch: Weltwirtschaftliche Ereignisse wie die Krise von 2009 schlagen sich über längere Zeiträume in der Statistik nieder. Gerade dies belege, dass Hafenpolitik einen langen Atem benötige und sich nicht von kurzfristigen Schwankungen abhängig machen dürfe, sagt Günthner. Für das Land Bremen Grund genug, die weitere Entwicklung der bremischen Häfen weiterhin intensiv zu verfolgen. „Nach dem Ausbau des Containerterminals und der Autoumschlagsanlagen steht jetzt mit dem Offshore-Terminal Bremerhaven ein weiteres Zukunftsprojekt oben auf der Tagesordnung. Außerdem brauchen wir vom Bund eine verlässliche Planung für den weiteren Ausbau der Hinterlandanbindungen.“

Wenn man speziell die stadtbremischen Häfen betrachtet, dann verdeutlicht die Statistik, dass sie sich zum klassischen Umschlagsort für massenhafte Rohstoffe, gleichzeitig aber auch für Schwergüter und hochkomplexe Projektladungen wie Maschinen und ganze Industrieanlagen entwickelt haben, stellt Werner Maywald, Geschäftsführer der Initiative Stadtbremische Häfen (ISH) fest. „Es ist auch ein Zeichen hoher Qualität und Kundennähe, dass sich die Bremer Logistikwirtschaft eine führende Marktposition mit steigenden Zuwachsraten und vor allem hoher Wertschöpfung erarbeitet hat.

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