Brauereien steigern Absatz im Ausland

Deutsche trinken so wenig Bier wie nie

Noch nie wurde in Deutschland so wenig Bier getrunken wie 2015. Den deutschen Brauereien macht das aber nichts aus: Das Exportgeschäft boomt. Der Absatz im Ausland konnte erneut gesteigert werden.
30.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Deutsche trinken so wenig Bier wie nie
Von Stefan Lakeband

Noch nie wurde in Deutschland so wenig Bier getrunken wie 2015. Den deutschen Brauereien macht das aber nichts aus: Das Exportgeschäft boomt. Der Absatz im Ausland konnte erneut gesteigert werden.

Die deutsche Bierwelt scheint auf den ersten Blick in Ordnung zu sein: Mit 95,7 Millionen Hektolitern haben die mehr als 1350 deutschen Brauereien im Jahr 2015 ihre Absatzmenge aus dem fußballverrückten Vorjahr leicht gesteigert. Aber schon der zweite Blick zeigt: Die Steigerungen kommen ausschließlich aus dem Exportgeschäft vor allem nach Übersee, während im Inland noch nie so wenig Bier getrunken worden ist wie im vergangenen Jahr. Die Gründe für den schwindenden Bierdurst der Deutschen sind altbekannt: Die zunehmend ungünstigere Altersstruktur der Bevölkerung, der allgemein zurückhaltendere Umgang mit alkoholischen Getränken und häufig auch das launische Wetter machen den Brauern das Geschäft schwer.

Unter Druck stehen in Europas absatzstärkstem Bierland insbesondere die nationalen Marken, die mit aufwendiger Werbung und immer wiederkehrenden Sonderangeboten in den Supermarktregalen um die Marktanteile rangeln. Zu den Verlierern der letzten Jahre zählen die westfälische Privatbrauerei Warsteiner und die Marke Hasseröder des weltgrößten Brau-Konzerns AB Inbev, dessen Deutschlandsitz in Bremen ist. Unternehmenssprecher Oliver Bartelt führt das vor allem auf zwei Preiserhöhungen in den vergangenen Jahren zurück. 2015 seien die Mengenverluste aber „deutlich geringer als noch im Vorjahr“ gewesen.

Krombacher überholt Oettinger

Nach jüngsten Zahlen des Fachmagazins „Inside-Getränke“ hat auf der anderen Seite die Sauerland-Marke Krombacher mit einem Ausstoß von 5,49 Millionen Hektolitern die nationale Krone übernommen. Grund war nicht das eigene, bescheidene Wachstum von 0,3 Prozent, sondern die Schwäche des Konkurrenten Oettinger, der vier Prozent weniger Bier braute und auf den zweiten Platz zurückfiel.

Die Marke Beck’s entwickelte sich nach Angaben von AB Inbev im vergangenen Jahr stabil. Die Preiserhöhungen der vergangenen Jahre hätten nicht zu Absatzverlusten geführt. Genaue Zahlen konnte Bartelt aber noch nicht nennen. Nach wie vor ist für das Bier mit dem spiegelverkehrten Bremer Wappen der Export ein wichtiges Geschäft. Jährlich werden unter der Marke mehr als sechs Millionen Hektoliter verkauft, mehr als die Hälfte gehe ins Ausland. „Das sind umgerechnet jede Minute 3000 Flaschen Beck’s, die weltweit geöffnet werden“, sagte Bartelt.

Bierbrauer suchen neue Marketing-Wege

Der Trend zu milderen Bieren süddeutscher Machart hat viele regionale Brauereien dazu gebracht, eigene Helle, Weizen oder ungefilterte Kellerbiere zu kreieren. Das 500. Jubiläum des Reinheitsgebots soll gemeinsam mit der Fußball-EM 2016 zusätzlichen Schub bringen. Inzwischen gebe es in Deutschland mehr als 5500 Biermarken, teilt der Brauerbund mit. Jede Woche komme ein neues Bier auf den Markt. Dabei noch gar nicht berücksichtigt sind die vielen handwerklichen Craft-Brauereien, die mit exotisch anmutenden Sorten vor allem in Großstädten auf zahlungskräftige Bier-Feinschmecker hoffen.

Die großen Bierbrauer suchen zusätzlich nach neuen Marketing-Wegen, wie ein Internet-Projekt der Bitburger Brauerei belegt. Die Braugruppe will perspektivisch möglichst viele der 70 000 von ihr belieferten Kneipen und Restaurants mit frei zugänglichem W-Lan ausrüsten. Bei einem Pilotprojekt in Frankfurt und Trier sollen ein Dutzend Gaststätten über Registrierungen an Daten ihrer Kunden kommen, die dann für künftige Werbeaktionen sowohl der Gaststätten als auch der Brauerei genutzt werden können.

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