Internationaler Handel im Umbruch Deutscher Außenwirtschaftstag in Bremen eröffnet

Digitalisierung und Protektionismus verändern derzeit den Welthandel. Auf dem Deutschen Außenwirtschaftstag in Bremen geht es um diese Themen. Am Donnerstagmorgen war der Auftakt zur Veranstaltung.
19.04.2018, 12:36
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Deutscher Außenwirtschaftstag in Bremen eröffnet
Von Florian Schwiegershausen

Es ist eigentlich eher wie eine Beiläufigkeit dahergekommen am Donnerstagmorgen in Bremen auf dem Deutschen Außenwirtschaftstag in Bremen, was Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Woche vorhat beim Treffen mit dem US-Präsidenten Donald Trump. So soll sie im Gepäck einen Vorschlag haben für einen neuen Handelsvertrag zwischen der Europäischen Union und den USA – ein „TTIP light“. Das berichtete der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Martin Wansleben, als er im Bremer Rathaus die Auftaktdiskussion zwischen dem stellvertretenden Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO, Karl Brauner und dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, moderierte.

Handelsvertrag statt Importquoten

Danach zog sich dieser mögliche Vorstoß den Tag über durch die Diskussionen unter dem Leitmotto „Außenwirtschaft im Umbruch“, zu der mehr als 300 Gäste gekommen waren. Offiziell soll es bei dem Treffen zwischen Merkel und Trump am kommenden Freitag um diebilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sowie um Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik gehen. Tatsächlich wurde diese Idee eines abgespeckten Außenhandelsabkommens auch aus Brüsseler Kreisen vermeldet. Geplant sei ein “strukturierter Dialog” über die Handelspolitik zwischen den USA und der EU über die Handelspolitik geplant. So will die EU Trumps Pläne zu Strafzöllen auf Importgüter vermeiden. Eine Alternative zu Strafzöllen könnten Importquoten bei bestimmten Handelsgütern sein. Auf diese Weise hofft US-Präsident Trump, die heimische Wirtschaft anzukurbeln und neue Jobs zu schaffen.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, mit seinem Unternehmen in Bremerhaven verwurzelt, sprach sich auf dem Deutschen Außenwirtschaftstag für einen abgespeckten Handelsvertrag „TTIP light“ aus: „Lieber hat man irgendein Vertragssystem als Basis, mit dem man arbeiten kann als gar nichts.“ Doch die Vizepräsidentin der DIHK-Vertretung in Washington, Freya Lemcke, ist der Ansicht, dass das nicht weiterhelfe: „Momentan ist nichts sicher, also auch nicht bestehende Abkommen.“ So habe Trump angedeutet, dass er auch existierende Handelsverträge infrage stellen könnte, wenn er sein Ziel nicht erreicht. „Was in einem Jahr noch Bestand hat, ist ungewiss“, so Lemcke. Momentan hätten die US-Amerikaner vor allem Interesse an den Zöllen, der Rest sei ihnen egal. Und bei Verhandlungen über die Zölle, würden die EU und damit auch Deutschland den Kürzeren ziehen.

Trumps Zölle allein sind nicht effizient

Kramer antwortete darauf: „Nur weil die Gefahr besteht, dass ein Vertrag gekündigt werden könnte, deshalb keinen Vertrag zu schließen, das ist eine Logik, die sich wirtschaftspolitisch noch nicht bewahrheitet hat.“ Der WTO-Vizedirektor Karl Brauner glaubt, dass für Trump die Zölle als Hebel allein nicht effizient wären: „Deshalb könnte man sich auch über ein Wirtschaftsabkommen einigen.“ Was Trump ansonsten mit einzelnen Zolllinien anstelle, ist nach Ansicht Brauners „Rosinenpickerei“. Man müsse den gesamten Warenkorb betrachten, bei dem es insgesamt 6000 Zolllinien gibt. Da dann die Importzölle für Autos anzuprangern, die in der EU höher liegen als in den USA, sei einfach „Gutdünken.“

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Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, sprach auf dem Außenwirtschaftstag einen anderen Punkt Deutschlands an, den Trump kritisiert: „Wo wir uns stellen müssen, ist die unausgeglichene Handelsbilanz.“ Laut Statistischem Bundesamt exportierte Deutschland 2017 Waren im Wert von 1279,4 Milliarden Euro – ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig importierte Deutschland Waren im Wert von 1034,6 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2016. Zumindest sank der Handelsüberschuss gegenüber dem Vorjahr um gut vier Milliarden Euro auf knapp 245 Milliarden Euro.

Hoffmann erhielt für seinen Einwand bereits am Morgen Unterstützung von Marcel Fratzscher. Der DIW-Präsident gibt zu bedenken, dass damit auch massiv Investitionen der deutschen Unternehmen ins Ausland fließen. Das bedeute gleichzeitig Investitionslücken für Deutschland. Daher fordert er: „Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, um die Investitionen in unserem Land zu steigern.“

Globalisierung kritisch gegenüberstehen

Holger Bingmann, der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), verteidigte jedoch bereits in seiner Eröffnungsrede die deutsche Handelsbilanz: „Ich bin stolz auf den deutschen Exportüberschuss. Das zeigt doch, dass wir Deutschen gute Produkte herstellen, die weltweit gefragt sind.“ Gleichzeitig forderte Bingmann, die Menschen an die Hand zu nehmen, die Europa und der Globalisierung kritisch gegenüberstehen: „Was die Engländer getan haben mit dem Brexit, ist keine Zukunftsförderung.“

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In weiteren Foren ging es tagsüber auch um die Chancen der Globalisierung. Dies verdeutlichte der Blogger und Autor Sascha Lobo unterhaltsam in seinem Vortrag: „Der Erfolg der deutsche Wirtschaft reduziert den Druck, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.“ Die Zukunft gehöre Plattformen, die über die meisten Daten verfügen.

Schließlich wurde noch im Bremer Rathaus ein Unternehmen aus Bayern ausgezeichnet: Der Preis der deutschen Außenwirtschaft ging an das Unternehmen Kristallturm aus Lenggries. Die Firma plant und montiert weltweit Hochseilgärten. Den Preis überreichte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer. Der zweite Platz ging an den Biogasanlagenhersteller Weltec Biopower aus Vechta, der dritte Platz an Krückemeyer aus Nordrhein-Westfalen, einem Spezialisten für Schleifmittel und Klebesysteme.

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