Elbferry-Chef Ahlers im Porträt Die erste Fähre gab’s mit zehn

Heinrich Ahlers blickt auf jahrzehntelange Erfahrung als maritimer Manager zurück. Anstatt den Ruhestand zu genießen will er nun mit Elbferry die Verbindung zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel wiederbeleben.
17.03.2019, 06:00
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Die erste Fähre gab’s mit zehn
Von Peter Hanuschke

Mit Fähren hat sich Heinrich Ahlers schon früh beschäftigt – lange bevor er Geschäftsführer der neuen Elbferry GmbH wurde, die in den nächsten Wochen die Fährverbindung zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel wiederbeleben will: Schon mit zehn Jahren hatte der heute 68-jährige Ahlers seine erste Fähre. Es war sogar eine Fähre, die Autos laden konnte, genauso wie die etwa 130 Meter lange und fast 20 Meter breite „Fanafjord“, die Elbferry künftig einsetzen will.

Neben 212 Pkw hat die „Fanafjord“, die unter deutscher Flagge und dem neuen Namen „Elbeexpress“ ihren Dienst aufnehmen soll, außerdem Platz für 28 Lkw und 590 Passagiere – deutlich mehr als Ahlers' erste Fähre: Sie war nur sechzig Zentimeter lang und aus Plastik. „Die durfte ich mir von den ersten West-Mark kaufen, die mein Vater 1961 bekam. Wir waren kurz vor dem Mauerbau aus der DDR abgehauen.“

Warum es unbedingt die Fähre sein musste, „das weiß ich heute gar nicht mehr, aber ich hatte schon immer eine maritime Affinität, obwohl wir weit entfernt von der Küste gelebt haben, weil mein Vater Vorstandsmitglied der Südzucker AG war“. Vielleicht sei aber gerade das der Grund gewesen, sich der maritimen Berufswelt zu widmen. Manchmal reize ja gerade das Unbekannte.

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Ernst wurde es mit der maritimen Karriere, als es aufs Abitur zuging und „sich abzeichnete, dass ich es nicht bestehen werde“. Als er zu der Zeit auch noch in der Zeitung eine Anzeige des Deutschen Reedervereins mit dem Werbespruch „Mann fährt zur See“ las, war für ihn die Entscheidung klar. „Ich bewarb mich bei Hapag und fuhr zur See.“ Aus Hapag (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft) wurde bekanntlich 1970 durch den Zusammenschluss mit dem Norddeutschen Lloyd aus Bremen Hapag-Lloyd. Und auch Ahlers machte sich daran, sich zu verändern: „Ich holte mein Abitur nach und studierte Nautik in Elsfleth.“

1978 hatte Ahlers sein Kapitänspatent – insgesamt blieb er 23 Jahre bei Hapag-Lloyd, allerdings war er seit 1981 nur noch an Land tätig, der Beginn seiner maritimen Managerkarriere: Schon bei Hapag-Lloyd trug er Verantwortung auf Führungspositionen, so war Ahrens unter anderem für ein paar Jahre in London tätig und Fahrtenleiter für Ost-Asien, später für Südamerika.

Es folgten unterschiedliche Tätigkeiten in der maritimen Branche. Sie hatten alle eines gemeinsam: Ahlers bekleidete immer Positionen auf der Führungsebene, ob als Geschäftsführer, Direktor oder als geschäftsführender Vorstand. Er gehörte zu den Köpfen, die das Unternehmen lenkten, ihnen neue Strukturen gaben oder neue Geschäftsaktivitäten entwickelten. So war Ahlers unter anderem für die frühere Poseidon-Reederei tätig oder für Scandlines, wo „ich so richtig das Fährgeschäft kennen gelernt habe“.

Beratungsfirma gegründet

Zuletzt war Ahlers sieben Jahre geschäftsführender Vorstand von Buss Port Logistics in Hamburg. Dort wurde er 2016 in den Ruhestand verabschiedet. „Ich hatte dann mehr Zeit für mein Segelboot“, so Ahlers, der in Marne lebt. Es war aber von vornherein klar, dass diese Auszeit nur sechs Monate dauern würde. Ahlers gründete eine Beratungsfirma, und die war letztlich auch der Grund dafür, weshalb er heute mit der Elbfähre zu tun hat. „Im Rahmen meiner Beratertätigkeit bat mich eine Spedition aus Brunsbüttel darum zu prüfen, ob es sinnvoll sei, in die damals angeschlagene Elb-Link Fährgesellschaft zu investieren. Das konnte ich nur verneinen, aber seitdem hatte ich mich intensiv mit der Fährverbindung beschäftigt und konnte auch andere davon überzeugen, dass sich diese Strecke wirtschaftlich betreiben lässt.“

Ob hinter all seinen beruflichen Aktivitäten ein besonderer Ehrgeiz steckt, das „kann ich gar nicht sagen. Ich wollte immer ordentliches Geld verdienen, und das war auf diesen Positionen am einfachsten“. Die Titel wie Geschäftsführer oder Vorstand hätten ihn dabei gar nicht interessiert. „Hilfreich war sicherlich, dass ich auch immer Spaß an meiner Arbeit hatte und mit viel Engagement an die Aufgaben herangegangen bin.“

Mit Spaß bei der Sache

Der erfahrene Manager ist fest davon überzeugt, dass ein kooperativer Führungsstil zum Ziel führt. „Das ist aus meiner Sicht der erfolgreichste Weg“, sagt Ahlers. Dass er gut funktioniere, habe er vor allem während seiner Zeit bei Scandlines erfahren können. „Die Dänen waren damals schon weiter und haben kaum in Hierarchien gedacht, wie es für viele deutsche Unternehmen typisch war und häufig noch ist. Da hat man sich mit den richtigen Leuten zusammen gesetzt, um Probleme zu lösen – unabhängig ob man eine Leitungsfunktion hatte oder normaler Angestellter war.“

Als reizvollste Aufgabe seines Berufslebens bezeichnet Ahlers seine Position in Cuxhaven, als er für die Rhenus Midgard GmbH von 2001 bis 2009 Chef von Cuxport war. „Als ich da anfing, war der Hafen zwar schon seit 1997 da, aber mehr nicht. Ich hatte das seinerzeit als einen leeren Anleger und dahinter eine grünen Wiese mit poppenden Hasen beschrieben.“ Dort einen richtigen Hafen zu entwickeln, „das hat einfach besonders viel Spaß gemacht.“

Mit so viel Spaß geht er auch an das aktuelle Projekt. Was noch fehlt, ist allerdings die Fähre. Noch werde am Kaufvertrag ein wenig feinjustiert. „Ich denke, dass in der kommenden Woche alles final sein wird.“

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