Start-ups in Bremen

Die Kraft des Scheiterns

Jan Wessels ist ein Wegbereiter der Bremer Start-up-Szene und ermutigt junge Gründer, auch mal das Risiko zu wagen.
15.10.2017, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Patrick Reichelt
Die Kraft des Scheiterns

Bringt gern Menschen zusammen: Jan Wessels organisiert mehrere Veranstaltung rund um das Thema Start-up in Bremen.

Christina Kuhaupt

Jan Wessels war gescheitert. Anfang 2013 gründete er mit zwei Mitstreitern das Start-up Solvertec, ein Tech-Unternehmen, das eine Software zur Fehlererkennung bei komplexen Mikrochips entwickelte. Die Euphorie war groß, man gewann den „Embedded Award“ der Universität Bremen und stellte bereits Kontakt zu einem großen Halbleiterhersteller in den USA her. „Ende 2014 mussten wir das Projekt dann für gescheitert erklären“, sagt Wessels. „Ein paar Annahmen, die wir hatten, haben sich leider nicht eingestellt.“ Wessels und sein Team mussten umdenken, einige Dinge im Businessplan ändern. Ein Investor stellte die Zahlungen daraufhin ein. Begründung: „zu hohes Risiko“. „Da war es ganz schnell zappenduster“, sagt Wessels.

Dabei war er eigentlich gut vorbereitet. Wessels studierte Betriebswirtschaftslehre an der Uni Bremen und war dann einige Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Existenzgründung & Entrepreneurship. "Ich habe mich mit dem Thema Start-up schon während des Studiums beschäftigt und mich gefragt, wie man auch Nicht-BWLer für das Thema begeistern könnte."

Schnell war klar, dass in Bremen ein Ort fehlte, an dem Studenten, Gründer und Investoren aufeinandertreffen. „Es war einfach verdammt wenig los. Es gab keinen Gründerstammtisch, kaum Vernetzung. Ich musste oft in andere Städte fahren, um die Start-up-Szene zu treffen“, sagt Wessels. „Da habe ich mir gedacht, dass das auch in Bremen möglich sein muss.“

Neben seiner Arbeit an der Universität begann Wessels einen Kalender für Start-up-Events in Bremen zu erstellen. 2015 wurde daraus dann bremen-startups.de. Die Plattform bündelt alle Informationen zu Veranstaltungen, Jobs und Partnern der Bremer Start-up-Szene. „Es ist wichtig, dass die Leute sehen: Hier ist auch was los.“

Und dank der Mithilfe Wessels ist das auch der Fall. Der Bremer war maßgeblich an der Organisation des Start-up-Weekend 2016 und 2017 beteiligt. In nur 54 Stunden lernen die Teilnehmer dabei eine noch formbare Idee zur Start-up-Reife zu bringen. Unterstützt werden sie von Experten und Coaches.

Dass auch das Scheitern dazugehört, weiß Wessels bekanntlich aus eigener Erfahrung. „Ich finde es wichtig, dass man sich nicht nur auf die Bühne stellt, und sagt: 'Gründung ist toll'.“ Man müsse die Leute auch dafür sensibilisieren, dass Scheitern der Regelfall und nicht die Ausnahme sei. Das war auch einer der Gründe, warum Wessels die zweite Ausgabe der Bremer Fuck-up-Night mitorganisiert hat. Am 17. Oktober erzählen in der Schwankhalle vier Unternehmer ihre ganz persönlichen Geschichten des Scheiterns. Das Ziel ist klar: „Man muss sich wieder trauen können“, sagt Wessels.

Der 38-Jährige hat sich getraut und die Start-up-Szene in Bremen damit vorangebracht. „Beim Newsletter sind jetzt mehr als 700 Leute angemeldet. Vor zwei Jahren hätte ich nie gedacht, dass sich so viele Menschen in Bremen für Start-ups interessieren“. Einen Traum hat er aber noch: Einen Investor finden, der seine Plattform bremen-startups.de finanziell unterstützt. Bislang organisiert es alles noch ehrenamtlich. „Ich bin gespannt, wo die Reise hingeht.“

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