Edelmetall ist als Geldanlage wieder gefragt / Schwacher Euro könnte den Preis in die Höhe treiben Die neue Flucht ins Gold

Bremen. Als die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs des Franken aufgehoben hat, stieg der Goldpreis innerhalb von 24 Stunden um 30 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Im Januar stieg der Goldkurs um gut 100 Dollar auf 1300 Dollar je Feinunze.
16.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl

Als die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs des Franken aufgehoben hat, stieg der Goldpreis innerhalb von 24 Stunden um 30 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Im Januar stieg der Goldkurs um gut 100 Dollar auf 1300 Dollar je Feinunze. „In Euro gerechnet gab es sogar einen Zuwachs um rund 16 Prozent“, sagt der Edelmetallexperte Martin Siegel. Denn der Euro hat gegenüber dem Dollar deutlich an Wert verloren, das Edelmetall notiert aber in Dollar. Allein die Goldfonds (ETFs) verzeichneten im ersten Monat des Jahres Netto-Zuflüsse von 65 Tonnen. Auch der Linksruck in Griechenland ließ die Verkaufszahlen bei den Goldhändlern ansteigen. Denn die Griechen plünderten aus Angst vor einem Ausscheiden aus der Eurozone (Grexit) ihre Konten und legten das Geld zum Teil in Gold an.

Beim Frankfurter Internet-Händler Coin-invest verzehnfachte sich der Tagesumsatz mit griechischen Kunden nach dem Wahlsieg der Linken. „Angesichts der anhaltenden Verunsicherung wollen griechische Anleger ihr Geld in Sicherheit bringen, und da ist Gold als Krisenwährung häufig erste Wahl“, sagt Coininvest-Direktor Daniel Marburger.

„Das Gold brachte sich wieder als Währungsersatz in Erinnerung, weil das allgemeine Vertrauen in die Gestaltungsmacht der Zentralbanken offenbar beeinträchtigt wurde“, sagt Nico Baumbach von der Fondsgesellschaft Hansainvest, die auch einen Goldfonds aufgelegt hat. Ungewöhnlich sei, dass der Goldkurs zulegte, obwohl sich das Öl stark verbilligte und der US-Dollar weiter anzog. Denn beides war einem steigenden Goldpreis in der Vergangenheit eher abträglich.

Inzwischen notiert die Feinunze bei 1150 Dollar und damit wieder auf dem Niveau von Ende November. Für Euro-Anleger sieht die Entwicklung aber deutlich besser aus. Mit knapp 1100 Euro pro Feinunze notiert der Preis zwar 50 Euro unter dem im Januar erreichten Hoch, aber immer noch so hoch wie seit rund zwei Jahren nicht mehr. Der Grund ist die Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar. Eine Änderung des Verfalls der Gemeinschaftswährung – ein Euro kostet 1,05 Dollar – ist nicht abzusehen. Innerhalb eines Jahres hat der Euro gegenüber dem Dollar 20 Prozent an Wert verloren. Experten erwarten zumindest die Parität zwischen den beiden Währungen.

Inzwischen kauft die Europäische Zentralbank (EZB) am Markt monatlich Staatsanleihen im Umfang von 60 Milliarden Euro auf. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine Aufblähung der Bilanzsummen der Zentralbanken den Goldpreis nach oben treibt. Noch schneiden vor allem in Deutschland Aktien – und Rentenmarkt (festverzinsliche Wertpapiere) besser ab. Es steigen die Kurse der Aktien und der Anleihen. Letztere profitieren direkt vom Aufkaufprogramm der EZB. Hier übersteigt die Nachfrage das Angebot. Beispiel Frankreich: 53 Prozent aller französischen Staatsanleihen haben bereits negative Renditen.

Ein Signal zur Haushaltskonsolidierung ist das nicht, wenn der Staat an seinen Schulden verdient. Denn mit negativen Renditen bezahlen die Anleger Geld, damit sie dem Staat ihr Kapital leihen können. Parken Banken bei der EZB Geld, müssen sie dafür einen Strafzins von 0,2 Prozent bezahlen.

Robert Michele von JP Morgan erwartet, dass dieser Negativzins auf minus drei Prozent sinken könnte. Dann würden wohl auch Sparer nicht mehr von Negativzinsen verschont bleiben. Mag sein, dass dieses Aufkaufprogramm noch nicht für eine solche dramatische Entwicklung ausreicht, aber Experten spekulieren, dass in einem weiteren Schritt auch Unternehmensanleihen aufgekauft werden können, wenn die EZB mit dem jetzigen Programm das gewünschte Inflationsziel von knapp zwei Prozent nicht erreicht.

Gold bringt keine Zinsen und verursacht für eine sichere Lagerung Kosten. Auch dieses Argument gegen Gold sticht nicht mehr. Noch brauchen Goldanleger viel Geduld, aber die Aussichten für das Edelmetall haben sich verbessert. „Als Versicherung gegen Finanzmarktkrisen gehört es mit einem Anteil von fünf bis zehn Prozent in jedes Anlegerdepot“, sagt Baumbach.

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