Brexit-Diskussion in Ratsdiele Die Queen hat das letzte Wort

Worpswede. Der Schock sitzt tief, aber ob der Brexit tatsächlich so stattfindet, wie jetzt per Referendum beschlossen wurde, und welche Folgen er dann global wie regional haben wird, lasse sich überhaupt noch nicht sagen. Das jedenfalls ist das Fazit einer Diskussionsrunde des Worpsweder CDU-Ortsverbands in der Ratsdiele.
06.07.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

Worpswede. Der Schock sitzt tief, aber ob der Brexit tatsächlich so stattfindet, wie jetzt per Referendum beschlossen wurde, und welche Folgen er dann global wie regional haben wird, lasse sich überhaupt noch nicht sagen. Das jedenfalls ist das Fazit einer Diskussionsrunde des Worpsweder CDU-Ortsverbands in der Ratsdiele. Gerrit Reichert moderierte die Runde im Rahmen der Reihe „Miteinander reden“, zu der Initiator Hans von Helldorff Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, die in Worpswede lebenden britischen Musiker Blue Weaver und Brian Parrish sowie den Unternehmer Thomas Gellweiler eingeladen hatte.

Während die beiden Künstler vor allem Stimmungsbilder ihrer eigenen Situation, die beispielsweise durch das einbrechende britische Pfund von erheblichen Einnahmeverlusten gekennzeichnet ist, gaben, bemühten sich die Wirtschaftsfachleute in der Ratsdiele darum, die Situation vor allem sachlich zu bewerten.

Gellweiler, der als Geschäftsführer des Osterholzer Ritag Armaturenwerks zahlreiche Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien unterhält, vermutete, dass sich weltweit Handelsbeziehungen verändern, weil bislang englisches Recht meist als Orientierungshilfe für internationale Verträge angewendet wurde. Diese Vorreiterrolle werde es künftig, wenn der Brexit vollzogen ist, nicht mehr geben.

Folker Hellmeyer rechnet damit, dass der Brexit in der jetzt beschlossenen Form gar nicht erst umgesetzt werde. Er begreift den Ausgang des Referendums allerdings als einen Warnschuss, die europäische Politik zu überdenken. Das sei die Chance, die mit dem großen Schock einhergehe. „Das Thema ist relevant, aber nicht jetzt“, sagte Folker Hellmeyer.

Je deutlicher werde, was ein Austritt aus der Europäischen Union für England bedeute, umso weniger Menschen würden die Entscheidung auf der Insel mittragen wollen, so die These des Finanzfachmanns. Für die deutsche Wirtschaft befürchtet Folker Hellmeyer Einbußen in einem Bereich von zwei bis drei Prozent und so warb er um Beruhigung: „Es gibt keinen Grund zur Panik, wenn man das Risiko erkennt.“

Auch für von Hans von Helldorff kam das Votum für den Brexit nicht gerade überraschend, die Fragen nach den konkreten Folgen konnte aber auch er nicht wirklich absehen. Er sieht dafür Worpswede in seiner Position innerhalb der europäischen Künstlerkolonien als ein großes Vorbild für ein gemeinsames Miteinander in Europa. Solche positiven Seiten der Europäischen Union stärker in den Vordergrund zu stellen, habe man versäumt.

Europa, so Gerrit Reichert, vermarkte sich viel zu schlecht. Einen Hoffnungsträger im Brexit-Chaos hat zudem Musiker Blue Weaver ausgemacht: die Queen. Letztendlich sei das Referendum rechtlich nicht bindend, und selbst wenn das Parlament in Westminster diese Entscheidung überhaupt bestätige, habe die Königin noch immer das Recht, diesen Beschluss zu überstimmen.

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