Start der Rakete "Falcon Heavy"

Diese Milliardäre träumen vom Weltall

Am Dienstag startet die Riesen-Rakete „Falcon Heavy“ und nimmt Kurs auf den Mars. Milliardäre wie Elon Musk oder Mark Zuckerberg treiben die Weltraumforschung voran - mit großem Erfolg.
05.02.2018, 20:42
Lesedauer: 4 Min
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Von Annika Leister
Diese Milliardäre träumen vom Weltall

Teststart einer SpaceX Falcon Heavy Rakete am 24.01.2018 auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral (USA).

dpa

Lange waren die Vereinigten Staaten von Amerika die Einzigen, die sich das Prestige eines Fähnleins auf dem Mond Milliarden Dollar kosten lassen konnten. Inzwischen lösen einzelne Superreiche die Nationen in der Weltraumforschung ab: Männer wie Tesla-Milliardär Elon Musk stecken ihr Vermögen in die Entwicklung von Raketen, die schon bald zu anderen Planeten fliegen sollen – und sind dabei extrem erfolgreich.

Viele von ihnen verfolgen dabei ganz eigene Visionen, zum Beispiel vom Leben auf dem Mars. Zugleich erschließen sie das extrem luxuriöse Geschäftsfeld des Weltraumtourismus, wo ein Ticket Hunderttausende Euro kosten wird. Ein Überblick über die ambitioniertesten Projekte der Space-Milliardäre:

Elon Musk

Mehr Power als jede Apollo-Rakete: Tesla-Besitzer Elon Musk schickt an diesem Dienstag mit der „Falcon Heavy“ das bisher leistungsstärkste Fluggerät überhaupt ins All – angeblich fliegt es bis zur Mars-Umlaufbahn. Als Testgewicht mit an Bord: ein roter Roadster Tesla. Fans feiern den 46-Jährigen als Visionär. Kritiker werfen ihm vor, bloß seine beiden Marken Tesla und SpaceX in der aufsehenerregendsten Werbeaktion der Welt miteinander zu verbinden. Musk selbst hofft darauf, dass Aliens im All irgendwann auf seinen Sportwagen stoßen, während aus dem Radio „Space Oddity“ von David Bowie erklingt.

Elon Musk

Elon Musk

Foto: dpa

Musks wichtigstes Ziel: Er will die Raumfahrt kostengünstiger machen. Erreichen will er das vor allem mit wiederverwendbaren Raketen. Die Antriebe der „Falcon Heavy“ zum Beispiel sollen sich nach dem Start abkoppeln und, haben sie die Rakete mit dem Tesla erst auf die erforderliche Höhe katapultiert, sicher wieder auf der Erde landen. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa unterstützt Musk bei vielen seiner Projekte. Bereits jetzt fliegt SpaceX im Auftrag der Nasa Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS.

Ein Startplatz auf dem Kennedy Space Center ist ihm für die nächsten 20 Jahre vertraglich zugesichert – sehr zum Ärger von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der vor Gericht den Kürzeren im Kampf um den begehrten Platz zog. Bis zum Ende des Jahres 2018 will Musk außerdem zwei zahlende Passagiere auf einen Trip einmal um den Mond schicken – er wäre der Erste, dem das mit Laien gelingt. Wie viel die beiden bisher namentlich noch nicht genannten Auserkorenen dafür gezahlt haben, ist nicht bekannt.

Jeff Bezos

Mit seiner Firma „Blue Origin“ liefert sich Amazon-Gründer Jeff Bezos, reichster Mann der Welt, ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Elon Musk. Bezos' Problem: Ob bei der Ankündigung von bemannten Flügen oder bei der Entwicklung von wiederverwertbaren Antrieben – Musk war immer schon ein bisschen früher da. Die Raketen des Autoherstellers fliegen höher und tragen größeres Gewicht als Bezos' Entwürfe.

Jeff Bezos

Jeff Bezos

Foto: dpa

Bezos gibt aber nicht auf, ganz im Gegenteil: Er hat angekündigt, in Zukunft Amazon-Aktien im Wert von mindestens einer Milliarde Dollar pro Jahr in Forschung und Entwicklung bei „Blue Origin“ zu stecken. In der Nähe des Kennedy Space Centers hat er gerade eine Halle gebaut, in der 300 Mitarbeiter an neuen Raketenteilen basteln.

Bis spätestens 2020 will er Ausrüstung für eine wissenschaftliche Station auf den Mond liefern, bemannte Flüge sollen schon vorher abheben. Mit seinen Weltraum-Projekten will Bezos übrigens die Basis legen für eine lebenswertere Erde: Ihm schwebt vor, die nötige Schwerindustrie und Energiegewinnung für die gesamte Menschheit von der Erde ins All zu verlegen. Der Blaue Planet soll so zu einem schadstofffreien Vergnügungspark werden.

Richard Branson

Richard Branson steht auf Abenteuer. Der britische Label- und Fluglinien-Besitzer hat den Ärmelkanal schon im Speedboot überquert und mehrfach versucht, die Welt im Heißluftballon zu umrunden. Kein Wunder also, dass er auch Raketen mag.

Richard Branson

Richard Branson

Foto: dpa

Seine 2004 gegründete Firma Virgin Galactic bewirbt Branson als weltweit erste „Spaceline“ – selbst wenn das Unternehmen Fluggäste in einer Rakete nur 50 bis 80 Kilometer hoch bringen will, wo ganz offiziell das Weltall noch gar nicht beginnt.

Bei Branson soll jeder abheben dürfen, der sich den stattlichen Preis von 250.000 Dollar pro Ticket leisten kann. Fraglich ist allerdings, wann Bransons Rakete zum ersten Mal mit zahlenden Gästen abheben kann. Denn der Milliardär hatte immer wieder Rückschläge zu verzeichnen: Der erste Jungfernflug war schon für 2007 angesagt, immer wieder wurde er verschoben.

Bei einem Testflug 2014 brach eines der Flugzeuge auseinander, der Pilot starb. Doch Branson lässt sich nicht beirren: Er will noch in diesem Jahr die ersten Touristen nah an den Rand des Weltalls fliegen, gab er zuletzt bekannt – und am liebsten bald selbst an Bord sitzen.

Mark Zuckerberg

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will keine Menschen ins All schießen, sondern sucht dort nach außerirdischem Leben. 2016 kündigte er an, dass Projekt „Breakthrough Starshot“ zu unterstützen, das der russische Milliardär Yuri Milner zusammen mit Physiker Stephen Hawking ins Leben rief.

Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg

Foto: dpa

Statt eines großen Raumschiffs wollen die Milliardäre Tausende winzige Flugkörper, angetrieben von Laserstrahlen und Solarsegeln, in das Doppelstern-System Alpha Centauri schicken. Die Planeten dort, von denen einige Experten annehmen, dass sie erdähnliche Zustände aufweisen, sollen nach den Plänen von Mark Zuckerberg fotografiert, Daten erhoben und zur Erde zurückgeschickt werden.

Konkurrenz für Bremen

Bremen gehört zu den wichtigsten Raumfahrtstädten in Europa – und steht auch international im Fokus. In der Hansestadt wird die Oberstufe der Ariane-Rakete gebaut. In diesem Jahr, das hat die Betreibergesellschaft Arianespace angekündigt, soll es so viele Starts der europäischen Trägerraketen geben wie noch nie. Bis zu 14 Starts sind geplant. Beim ersten Flug des Jahres 2018 kam es Ende Januar allerdings zu einer Panne: Kurz nach der Zündung der Oberstufe hatten die Bodenstationen keinen Kontakt zur Raketemehr. Zwei Satelliten wurden daher nicht korrekt ausgesetzt, sie traten an einer anderen Stelle in den Orbit ein, als es ursprünglich geplant war.

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SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, konnte im vergangenen Jahr bei der Zahl der Starts an Arianespace vorbeiziehen. Die Firma des Tesla-Chefs schickte 18 Raketen ins All. SpaceX und andere neue Anbieter haben den Wettbewerb auf dem Markt für den Transport ins All in den vergangenen Jahren erheblich angeheizt. Europa entwickelt deshalb das Nachfolgemodell Ariane 6, das Fracht billiger befördern soll. Die zum Großteil staatlich finanzierte Weiterentwicklung soll 2020 erstmals abheben. Auch hier soll die Oberstufe aus Bremen kommen.

Bis zur völligen Umstellung auf die neue Trägerrakete will die Ariane Group zehn weitere Ariane-5-Raketen herstellen. Sie sollen in den Jahren 2020 bis 2022 eingesetzt werden. Der Auftrag hat einen Gesamtwert von mehr als einer Milliarde Euro für die europäische Raumfahrtindustrie.

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