Corona-Pandemie

Welche Firmen und Branchen gerade viel zu tun haben

Viele Geschäfte haben wegen der Corona-Krise geschlossen, die Wirtschaft leidet. Manche Firmen und Branche haben gerade aber allerhand zu tun. Vom Lieferdienst bis zum Sexspielzeug-Hersteller.
28.03.2020, 08:20
Lesedauer: 4 Min
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Welche Firmen und Branchen gerade viel zu tun haben
Von Stefan Lakeband
Welche Firmen und Branchen gerade viel zu tun haben

Mit Handschuhen und Schutzfolie: ­Valesca von Aderkas hat in der Raths-Apotheke ­besondere Schutzvorkehrungen ­getroffen. Sie und ihre Kollegen haben aktuell viel zu tun.

Christina Kuhaupt

Seit einigen Tagen arbeitet Valesca von Aderkas hinter einer Plastikfolie. Zum Schutz. Für Sie. Und für ihre Kunden. Von Aderkas ist Inhaberin der Ring-Apotheke in Schwachhausen. Und während zuletzt wegen der Corona-Pandemie fast alle Geschäfte schließen mussten, haben sie und ihre Mitarbeiter besonders viel zu tun. „Es kommen deutlich mehr Leute zu uns“, sagt sie.

Damit ist von Aderkas nicht allein. Auch wenn die Straße fast leer sind, Läden geschlossen und die Wirtschaft leidet, gibt es einzelne Unternehmen und Branchen, die jetzt durch den Corona-Virus mehr Arbeit denn je haben. Apotheken wie die Ring-Apotheke gehören dazu. Denn trotz der Corona-Krise benötigen die Menschen Medikamente. Damit sie weiterhin versorgt werden können, hat von Aderkas einige Vorkehrungen getroffen. Die Plastikfolie über dem Verkaufstresen soll Kunden und Mitarbeiter vor einer Infektion durch Tröpfchen schützen. Außerdem sind Kunden angehalten, beim Betreten der Apotheke ihre Hände zu desinfizieren.

Angst vor Versorgungsengpässen ist unbegründet

„Anfangs wollten viele Kunden nur ihre Hausapotheke auf den neusten Stand bringen“, sagt die Apothekerin. Jetzt würden sich viele einen richtigen Vorrat anlegen – gerade bei Medikamenten, die sie regelmäßig nehmen müssten. „Die Angst vor Versorgungsengpässen ist da“, sagt von Aderkas, doch sie sei unbegründet.

Um gerade ältere Menschen vor den Gefahren einer Ansteckung zu schützen, hat die Ring-Apotheke ihren Botendienst ausgebaut. Den habe es schon vor der Corona-Krise gegeben, seit einigen Tagen würden die Zusteller aber früher anfangen, um mehr Kunden beliefern zu können.

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In Zeiten, in denen Menschen das Haus nicht mehr verlassen sollen, scheint die Stunde der Lieferdienste zu schlagen. So nimmt es jedenfalls das Unternehmen Flaschenpost wahr. Seit gut einem Jahr können Bremer online Getränke bei der Plattform bestellen und sich innerhalb kürzester Zeit nach Hause liefern lassen – auch in Corona-Zeiten. „Die Nachfrage nach unserem Lieferdienst ist aktuell stark angestiegen“, teilt Sprecherin Sabine Angelkorte auf Nachfrage mit. Das Unternehmen sehe sich als Grundversorger und liefert neben Wasser, Bier und Softdrinks mittlerweile auch Artikel wie Seife, Tampons und Toilettenpapier. Wegen der hohen Nachfrage könne das Versprechen, innhalb von 120 Minuten nach Bestellung zu liefern, derzeit aber nicht immer eingehalten werden.

Ähnlich geht es der Firma Bofrost, die Kunden mit Tiefkühlware beliefert. Auch der Lebensmittelhändler Rewe verzeichnet nicht nur mehr Geschäft in den Filialen, ­sondern auch in seinem Onlineshop. Hier ­können Kunden Produkte auswählen und sich entweder bis an die Haustür liefern lassen oder an einem Markt abholen. Allerdings kommt es aktuell zu Engpässen. In manchen Bremer Stadtteilen sind in den kommenden zwei ­Woche keine Liefertermine mehr ver­fügbar.

Kontaktlose Essenslieferung

Lieferdienst ist aber nicht Lieferdienst: Während Unternehmen, die haltbaren Lebensmittel und Hygieneprodukte an die Haustür bringen, mehr Aufträge verbuchen, spüren Essensboten keinen großen Unterschied. Weder die Plattform Lieferando, auf der etliche Bringdienste Burger, Pizzen oder asiatisches Essen anbieten, noch die Pizza-Lieferkette Dominos berichten von einer erhöhten Nachfrage in Bremen. Trotzdem haben sie sich auf die aktuelle Situation eingestellt: Die Boten überbringen das Essen ohne direkten Kontakt mit dem Kunden.

Deutschlands größte Molkereigenossenschaft, das DMK mit Verwaltungssitz in Bremen, spürt aktuell auch eine erhöhte Nachfrage. „Die Aufträge seitens des Lebensmitteleinzelhandels sind aktuell doppelt so hoch wie in einer normalen Woche um diese Zeit“, sagt Sprecher Oliver Bartelt. Die Kunden kaufen demnach vor allem haltbare Milch und Sahne sowie Butter und Käse. Die aktuelle Liefermenge bei DMK liegt demnach derzeit 40 Prozent über Durchschnitt.

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Vorsichtig sind viele Menschen auch in Sachen Mobilität geworden. Gerade in überfüllten Bussen und Bahnen kann ein Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden – das gibt offenbar vielen zu denken. So spürt Autovermieter Sixt eine gestiegene Nachfrage: Viele Kunden würden sich für das Carsharing, das das Unternehmen in einigen Städten anbietet, interessieren, aber auch für Langzeitmieten. Damit, so teilt das Unternehmen mit, könne der starke Rückgang des Geschäfts an Flughäfen ausgeglichen werden. Denn der Autovermieter leidet darunter, dass so gut wie keine Geschäftsreisen und Urlaube mehr stattfinden. Trotzdem schickt Deutschlands größter Autovermieter seine Beschäftigten nun für drei Monate in Kurzarbeit. Der Bremer Carsharing-Anbieter Cambio spürt hingegen keine gestiegene Nachfrage, das Gegenteil sei der Fall, sagt eine Sprecherin.

Sexshops profitieren

Eine Branche profitiert vom social distancing momentan aber besonders – obwohl sie aufs Miteinander setzt: Hersteller und Onlineshops, die Sexspielzeug und Verhütungsmittel vertreiben. Das Bremer Unternehmen Fun Factory, das im Hohentorshafen unter anderem Vibratoren herstellt und über den stationären Handel und das Internet verkauft, hat nach eigenen Angaben im März knapp zehn Prozent mehr Umsatz als im Monat zuvor. Auch die Bestellzahlen beim Online-Erotikshop Eis.de haben sich eigenen Angaben zufolge parallel zum Auftauchen des Coronavirus verdoppelt.

Liebe, Sex und Zärtlichkeit in Zeiten der Krise? Kristy Stahlberg, Sprecherin der Fun Factory, hat eine Vermutung, warum ausgerechnet das gerade so gefragt ist: „Wenn man mit seinem Partner viel zu Hause ist, wollen die Menschen vielleicht einfach mal etwas Neues ausprobieren.“ Gleiches könnte laut Stahlberg auch für Singles gelten. Sie geht davon aus, dass die Nachfrage noch steigen wird. „Die Leute“, sagt sie, „werden sich in nächster Zeit wohl mehr mit sich selbst beschäftigen.“

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