Käufer wandern zur Konkurrenz ab

Discounter machen Blumenhändlern das Leben schwer

Sechsmal die Woche bietet Kai Krause an seinem Stand in der Bremer City Blumen an. Durch Discounter-Konkurrenz und behördliche Auflagen haben es Blumenhändler schwerer denn je - auch Krause spürt das.
12.02.2018, 19:31
Lesedauer: 4 Min
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Von Julia Kilian und Helge Hommers
Discounter machen Blumenhändlern das Leben schwer

Blumen stehen vor allem an Valentinstag hoch im Kurs. Manche Supermarkt-Ketten verkaufen sie inzwischen sogar im Abonnement.

dpa

Eigentlich hat der Bremer Blumenhändler Kai Krause am Donnerstag seinen freien Tag. Es ist der einzige Tag in der Woche, an dem er nicht an seinem Stand auf dem Blumenmarkt im Schatten der Unser-Lieben-Frauen-Kirche anzutreffen ist. Doch viel Freizeit hat er auch dann nicht: Krause fährt jeden Donnerstag mit seinem Laster in die Niederlande und kauft dort frische Blumen ein. Dass es die Blumenstände in der Bremer Innenstadt noch lange geben wird, bezweifeln manche Händler. Die Optimisten unter ihnen glauben, dass ihnen noch zehn Jahre bleiben. Die Pessimisten halten fünf Jahre für realistisch.

Blumen sind in Deutschland ein Milliardenmarkt. Private Haushalte gaben 2017 rund 1,9 Milliarden Euro für Schnittblumen aus, wie Anne Reifenhäuser von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft sagt. Das seien drei Prozent weniger gewesen als im Vorjahr, die Ausgaben schwankten über die Jahre immer mal. Die kleinen Fachgeschäfte bekommen beim Blumenhandel mehr Konkurrenz zu spüren.

Beim Discounter billiger? „Das ist nicht das Problem“

Denn unter anderem die Supermärkte bauen ihr Sortiment aus. Ein Bund Tulpen gibt es im Discounter für 1,99 Euro, aufbewahrt in einem Eimer vor dem Kassenband. Die Blumenläden nehmen oft mehr. Der Verbraucher habe oft nicht mehr so viel Zeit fürs Einkaufen, meint Marktanalystin Reifenhäuser. „Wenn er dann nach Feierabend einkaufen geht, nimmt er Blumen schnell mit.“ Ähnliches berichtet auch Krause: „Dass die Blumen dort billiger verkauft werden, ist nicht das Problem“, sagt er. Es seien vielmehr die Öffnungszeiten, deretwegen die Kunden zu Discountern abwandern. Krause und die anderen Händler auf dem Blumenmarkt haben ihre Stände von 7 bis 14 Uhr geöffnet; Discounter hingegen bis in die späten Abendstunden, was für den Blumenkäufer attraktiver ist.

Krause hält mit Qualität dagegen. Er bietet aber nicht nur hochwertige Ware an, weiterhin werden bei ihm Wünsche und Fragen des Kunden berücksichtigt. Das kann ein Discounter nicht leisten. Zudem nimmt sich Krause Zeit zum Sortieren der Ware. Wenn eine Blume nicht vollständig seinen Ansprüchen entspricht, bekommt der Kunde sie reduziert angeboten. Beim Discounter ist das nicht der Fall. Hier wird die Ware so, wie sie in den Laden kommt, ausgestellt. „Zu uns kommen die Kunden wegen der preiswerten Blumen in guter Qualität“, sagt Krause.

Finanzamt macht den Händlern das Leben schwer

Dass Käufer vermehrt zur Konkurrenz abwandern, macht sich aber auch bei ihm bemerkbar. Vor 30 Jahren habe der Stand, der damals noch seinem Vater gehörte, so viel erwirtschaftet wie das Einkommen von zwei leitenden Angestellten. Inzwischen verdient Krause so viel wie ein mittlerer Angestellter. Das ist aber auch den ungleichen Bedingungen geschuldet: Mit sogenannten Richtsatzaufschlägen macht das Finanzamt den Händlern das Leben schwer. Großbetriebe sind hiervon nicht betroffen, obwohl sie ihre Waren genauso einkaufen wie die Blumenhändler. Hinzu kommt die Abhängigkeit vom Wetter: Wenn es regnet, leidet das Geschäft. „Es ist die Masse von Faktoren, die uns trifft“, sagt Krause.

Von dem Geld, das Haushalte für frische Blumen ausgeben, bekommen Supermärkte und Discounter jedenfalls immer mehr ab. Sie steigerten ihren Anteil seit 2012 von 21 Prozent auf zuletzt 27 Prozent am Privatumsatz, wie Reifenhäuser sagt. Fachgeschäfte machen etwa 40 Prozent des Geschäfts. Dann folgen vor allem Gartencenter und Baumärkte. Mehrere Unternehmen bieten inzwischen Abo-Modelle für Blumen an. Das niederländische Start-up Bloomon zum Beispiel, die von Fleurop übernommene Marke Bloomy Days, sogar der Discounter Lidl.

Blumen-Abonnements im Trend

Hochkonjunktur herrscht in der Branche am Valentinstag, der in diesem Jahr auf den Aschermittwoch fällt, oder am Muttertag. Die Unternehmen versuchen, Blumen stärker online zu vermarkten. Dabei rüsten auch die bekannten Namen auf. Das Internetportal Miflora etwa gehört nun zu Blume 2000. Die Fleurop AG, die seit Jahrzehnten mit lokalen Floristen zusammenarbeitet, übernahm im Herbst die Marke Bloomy Days, nachdem das Start-up Insolvenz angemeldet hatte.

Damit solle eine „jüngere, trendaffine“ Zielgruppe erreicht werden, sagt eine Fleurop-Sprecherin. Bloomy Days liefert Blumen einmalig oder im Abo. Die Discounter Aldi und Lidl haben ebenfalls „digitale Blumenläden“. Auch bei Lidl gibt es nach Angaben eines Sprechers seit Anfang Februar Abonnements. Das Prinzip Abo haben schon viele versucht. Eine Zeit lang waren es Klingeltöne, jetzt sind es Socken, Gemüsekisten oder Couch-Snack-Boxen. Und Blüten.

Das Start-up Bloomon schickt Kunden ebenfalls regelmäßig Blumen nach Hause. Das Unternehmen wurde 2014 in Amsterdam gegründet. Kundenzahlen und den Umsatz will eine Sprecherin nicht nennen. Das Geschäft habe sich aber im vergangenen Jahr verdoppelt. Rund 100 Mitarbeiter gibt es in den Niederlanden, in Deutschland eine Handvoll. Bloomon schickt immer andere Bouquets, jedes kostet nach Größe etwa 24 bis 35 Euro.

Onlineverkauf hat es schwer

Das entspricht in etwa dem, was die Deutschen durchschnittlich pro Kopf für Blumen ausgeben. Und zwar aufs ganze Jahr gerechnet. Der Gesamtumsatz mit Schnittblumen liege bei etwa 2,9 Milliarden Euro, wenn man berücksichtige, dass neben Privatleuten eben auch Hotels und andere Unternehmen Schnittblumen kauften, sagt die AMI-Marktbeobachterin Reifenhäuser. Den Statistiken zufolge hat es der Online-Verkauf von Blumen in Deutschland dabei momentan noch schwer.

„Da hat sich nicht so viel getan“, sagt Reifenhäuser, die sich auf Marktforschungsdaten der GfK stützt. Der Verkauf über das Internet wird in der Statistik nicht alleine ausgewiesen, sondern mit anderen Vertriebsformen erfasst, etwa dem Verkauf an Tankstellen. Verbraucher gaben dort sieben Prozent des Geldes aus, das Privathaushalte insgesamt für Blumen ausgaben. Anteilig etwa einen Prozentpunkt mehr als 2012. Viele scheinen Tulpen oder Rosen also doch noch anders zu kaufen. Manchmal auch einfach jede Woche auf dem Wochenmarkt.

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