Sport „Dumm und brandgefährlich“

Herr Hickel, Donald Trump will den „Dodd-Frank-Act“ rückgängig machen. Wird die Finanzwelt unsicherer?Rudolf Hickel: Donald Trump gefährdet nicht nur die USA, sondern die gesamte Welt. Er macht wieder Platz für einen sehr aggressiven Finanzkapitalismus, von dem wir gehofft hatten, ihn einigermaßen bewältigt zu haben.
04.02.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
„Dumm und brandgefährlich“
Von Stefan Lakeband

Herr Hickel, Donald Trump will den „Dodd-Frank-Act“ rückgängig machen. Wird die Finanzwelt unsicherer?

Rudolf Hickel: Donald Trump gefährdet nicht nur die USA, sondern die gesamte Welt. Er macht wieder Platz für einen sehr aggressiven Finanzkapitalismus, von dem wir gehofft hatten, ihn einigermaßen bewältigt zu haben. Ich sage voraus: Wenn Trump das durchboxen kann, wird er die nächste Finanzmarktkrise produzieren. Und die wird viel schlimmer und nicht mehr zu bewältigen sein.

Warum wird sie schlimmer werden?

Eine zweite Bankenrettung und mit ihr der wirtschaftliche Absturz überfordert Staat und Gesellschaft. Der „Dodd-Frank-Act“ ist die gute Lehre aus der großen Krise ab 2007. Im Mittelpunkt steht die Aussage, dass Finanzmärkte eine harte Ordnung brauchen, um zu funktionieren.

Aber können sich die Banken nicht auch selbst regulieren? Schließlich haben sie auch unter der Finanzkrise gelitten.

Selbst wenn sich Banken einen eigenen Kodex geben, wird es nicht funktionieren. Sie sind so stark unter Druck, immer größere Gewinne zu erzielen, dabei werden spekulative Anlageprodukte kreiert. Gegen diesen Systemfehler richten sich die Regulierungen. Dabei steht Politik immer unter dem massiven Druck der Interessen der Finanzoligarchen. Es ist ja bezeichnend, mit welchen Leuten sich Trump umgibt. Sein Wirtschaftsberater ist Gerry Cohn, der frühere Vize-Chef von Goldman Sachs. Diese Investmentbank wurde völlig zu Recht ganz massiv durch den „Dodd-Frank-Act“ eingeschränkt. Und jetzt wird Trump ihr Erfüllungsgehilfe.

Nun ist der Act ein US-Gesetz. Wie sind deutsche Anleger dadurch betroffen?

Wenn der Fischmarkt in Bremen zusammenbricht, dann stürzt das Wirtschaftssystem nicht zusammen. Anders ist das bei Finanzmärkten. Wenn in Deutschland Anleger hochspekulative Papiere kaufen, sind wir unmittelbar betroffen. Indirekt trifft es Deutschland, weil Trump einen Deregulierungswettbewerb lostreten wird. Auch die britische Premierministerin Theresa May hat angekündigt, die Finanzmärkte von den EU-Regulierungen zu befreien. Trumps Entscheidung lässt mich verzweifeln. Mit den noch frischen Erfahrungen der Finanzkrise, diese Regulierung einfach so wegzuwischen, ist dumm und brandgefährlich.

Die Fragen stellte Stefan Lakeband.

Zur Person

Rudolf Hickel ist Finanzwissenschaftler und Gründungsdirektor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft an der Uni Bremen. Der 75-Jährige beschreibt in seinem Buch „Zerschlagt die Banken“ die Notwendigkeit der Bankenregulierung.
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+