Kartellamt erlaubt Edeka die Übernahme Bremer Real-Märkte erhalten neuen Besitzer

Über diese Entscheidung sind die Beschäftigten der Bremer Real-Märkte in der Vahr, in Habenhausen und im Einkaufspark Duckwitzstraße erleichtert: Edeka übernimmt die Standorte. Die Zeit des Wartens ist vorbei.
17.03.2021, 21:19
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremer Real-Märkte erhalten neuen Besitzer
Von Florian Schwiegershausen

Mit dieser Nachricht hat die über mehr als zwei Jahre andauernde Ungewissheit für die Beschäftigten der Bremer Real-Märkte vorerst ein Ende: Edeka darf die Standorte in der Vahr, in Habenhausen und in der Neustadt im Einkaufspark Duckwitzstraße übernehmen. Das Bundeskartellamt hat dem am Mittwoch zugestimmt.

Die Betriebsrätin des Real-Markts Duckwitzstraße, Susanne Meister, zeigte sich erleichtert: „Nach diesem langen Prozess ist das ein erster Hoffnungsschimmer.“ Aber zu euphorisch wollte sie nach Bekanntwerden der Kartellamtsentscheidung auch nicht sein: „Jetzt müssen wir mal schauen, ob das der Vermieter auch so will wie Edeka. Und man muss sehen, ob Edeka die ganze Fläche übernehmen will oder nur Teile.“ Und dann sei die nächste Frage: „Wird aus unserem Real ein Marktkauf, ein Edeka-Center, oder was wird es?“ Im Idealfall übernimmt Edeka die ganze Fläche. Dies bedeute weiterhin ein großes Sortiment, was auch für alle Beschäftigten eine Perspektive bedeute.

Zukunft der Real-Märkte im Bremer Umland ungeklärt

Für Meister ist es nicht der erste Besitzerwechsel. Auch den Übergang von Wertkauf zu Walmart und von Walmart zu Real hatte die Betriebsrätin bereits mitgemacht. Aber sie ist zuversichtlich: „Da wird schon jeder seinen Platz finden.“ Ungeklärt bleibt allerdings die Zukunft der Märkte im Bremer Umland. So gibt es bisher keine Entscheidung zu den Real-Standorten in Stuhr und in Ritterhude-Ihlpohl. Doch Meister geht auch hier von einer positiven Entwicklung aus: „Das sind gute Märkte, auch da wird sich bestimmt eine Lösung finden.“

Seit vergangenem Juli hatte das Kartellamt den Verkauf der Real-Märkte an Kaufland und Edeka geprüft. Bei den Edeka-Übernahmen wurde die Entscheidung mehrmals verschoben. Entscheidend war, ob der Handelsriese an den jeweiligen Standorten eine marktbeherrschende Stellung einnehmen würde. Vor diesem Hintergrund haben die Kartellhüter entschieden, dass die Handelskette 21 der gewünschten 72 Märkte nun nicht übernehmen darf. Bei sechs weiteren Standorten muss Edeka Teilflächen an Wettbewerber abgeben oder bestehende Filialen schließen.

„Die Edeka-Gruppe baut durch die Übernahme ihre starke Marktposition beim Einkauf von Lebensmitteln weiter aus“, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Mittwoch. Die bedingte Freigabe des Vor­habens sei möglich gewesen, weil sich die Verkäuferin SCP wie schon bei der ­Kaufland-Fusionsentscheidung auch in diesem Verfahren dazu verpflichtet hat, Real-Standorte mit einem Food-Beschaffungsvolumen von ­insgesamt mindestens 200 Millionen Euro an mittelständische Lebensmittelhandels-Unternehmen zu veräußern.“

Bünting-Gruppe hält sich bedeckt

An dieser Stelle kommt nun die Bünting-Gruppe mit ihren Famila-Märkten und der Supermarktkette Combi ins Spiel. Bünting will wohl 13 Märkte übernehmen – und zwar sowohl im angestammten Weser-Ems-Gebiet wie auch in Schleswig-Holstein. Zu den Real-Märkten in Stuhr und Ihlpohl wollte sich Bünting im Detail nicht äußern. Sprecherin Martina Monsees sagte dem WESER-KURIER: „Zu unserem Tagesgeschäft gehört auch die Analyse potenzieller neuer Standorte in unserer Vertriebsregion, daher befassen wir uns natürlich auch mit einzelnen Real-Standorten, die innerhalb unseres Vertriebsgebietes liegen.“ Konkretes lasse sich zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht vermelden.

Auch die Warenhaus-Kette Globus aus Rheinland-Pfalz will bis zu 24 Real-Märkte übernehmen. Zu den 21 Märkten, die Edeka aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht übernehmen darf, gehört der Real-Markt in Oldenburg am Alten Postweg.

Im vergangenen Jahr hatte der russische Finanzinvestor SCP die gut 270 Real-Filialen übernommen. 92 Real-Märkte gehen an Kaufland, 19 werden schließen. Rechnet man alles zusammen, bleiben bundesweit noch 50 Real-Standorte, bei denen unklar ist, was aus ihnen wird.

Info

Zur Sache

So lief die Analyse des Bundeskartellamts

Mehrmals hatte sich das Bundeskartellamt weitere Monate Bedenkzeit für eine Entscheidung gegeben. Über diesen Zeitraum hatte die Behörde eine Analyse für jeden Standort erstellt, von woher die Kunden kommen. Dazu hatte das Kartellamt auch die Daten des Bonuskartensystems Payback herangezogen, an dem Real seit Start des Punktesammelanbieters teilnimmt. Besonders vertiefte Analysen stellte die Behörde für das sogenannte Kerngebiet an, aus welchem zwei Drittel aller Kunden stammen. Dabei bezog sie SB-Warenhäuser, Verbrauchermärkte, Supermärkte und auch Bio-Supermärkte in den Markt mit ein. Auch Verbraucherbefragungen waren Teil der Analyse. Beträgt der gemeinsame Marktanteil der Edeka-Gruppe inklusive der Real-Standorte in einem regionalen Absatzmarkt 35-40 Prozent oder mehr, wurde eine noch genauere Prüfung der Wettbewerbsverhältnisse vor Ort vorgenommen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+