Gastkommentar über Einweg-Plastik

Ein erster Schritt in die richtige Richtung

Jede und jeder Einzelne ist bei dem Thema gefragt: Der Kassenbon ist der Stimmzettel für eine plastikfreiere Gesellschaft, meint unsere Gastautorin Sonja Pannenbecker.
18.06.2019, 18:55
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Von Sonja Pannenbecker
Ein erster Schritt in die richtige Richtung

Noch legal, aber schon nicht mehr "in": To-go-Becher, die nach einmaliger Benutzung im Müll landen.

Frank Thomas Koch

Betrachtet man alle Abfälle im Meer, stammen 43 Prozent von nur wenigen Einwegprodukten: Getränkeflaschen, Tüten und Verpackungen für Lebensmittel, Hygieneartikel, Getränkebecher. Da Alternativen vorhanden sind, werden Wattestäbchen, Besteck, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe ab 2021 EU-weit verboten. Mehrere hundert Jahre braucht die Natur, um Plastik zu zerkleinern. Bereits in entlegenen Regionen der Meere und in der Tiefsee wurden Plastikpartikel gefunden.

Der richtige Schritt der Politik ist das beschlossene Verkaufsverbot des Europäischen Parlaments. Die genannten Einwegartikel dürfen ab 2021 nicht mehr verkauft werden. Doch auch für anderen Einwegprodukte müssen dringend nachhaltige Alternativen her, damit auch sie aus dem Verkauf verbannt werden können.

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Das Verbot mag spät kommen und noch für zu wenige Produkte gelten, doch es ist der richtige Weg. Auch Kennzeichnungsvorschriften, erweiterte Herstellerverantwortungen und die verpflichtende Erhöhung von Recyclingkunststoffen in Flaschen sind nun vorgeschrieben. Jetzt ist die Bundesregierung in der Pflicht, dies zeitnah umzusetzen und den Worten Taten folgen zu lassen.

Die Verbraucherzentrale Bremen fordert daher die Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit von Produkten sowie Recyclingfähigkeit von Verpackungen bereits bei der Entwicklung verpflichtend zu berücksichtigten. Auch eine einfache und klare Kennzeichnung für die richtige Entsorgung sollte verpflichtend sein. Bei Alternativen zu den Einwegprodukten müssen hohe Standards für eine ökologische Nachhaltigkeit gegeben sein. Mehrwegsysteme sind Einwegsystemen immer vorzuziehen und auszubauen.

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Bei Lebensmittelverpackungen – aber auch bei Verpackungen von Elektronik, Spielzeug oder Kosmetika – müssen Mindeststandards für sinnvolle Verpackungen festgelegt werden. Mehrfachverpackungen oder große Verpackungen mit kleinem Inhalt müssen der Vergangenheit angehören. Und nicht zuletzt: Unverpackte Ware wie Obst und Gemüse dürfte eigentlich nicht teurer angeboten werden als folien- oder plastikverpackte Ware.

Jede und jeder Einzelne ist bei dem Thema gefragt: Der Kassenbon ist der Stimmzettel für eine plastikfreiere Gesellschaft. Coffee-to-go und Strohhalm sind nicht mehr „In“; nutzen Sie die Vielzahl der Mehrwegsysteme und trinken Sie einfach aus dem Glas. Und vor allem: Entsorgen Sie den Müll in die Mülltonne, und sei es noch ein so kleines Stück Plastik. Die Picknicksaison ist bereits in vollem Gange – seien Sie Vorbild.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin Sonja Pannenbecker ist seit April Leiterin der Abteilung Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Bremen. Sie ist ausgebildete Ernährungswissenschaftlerin.

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