Wer mit seiner Marke Erfolg haben will, muss zunächst eines tun: sie anmelden

Ein langer Weg zum Ruhm

Dass eine Marke weltberühmt wird, ist eher die Ausnahme. Doch der Weg dahin ist zumindest am Anfang immer gleich: Er beginnt mit einer Anmeldung beim Patentamt. Und da lernt ein Gründer dann zum Beispiel, was Donuts mit Nizza zu tun haben.
21.02.2015, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Ein langer Weg zum Ruhm
Von Kathrin Aldenhoff
Ein langer Weg zum Ruhm

Abdussamed Tanis hat auch nach zwei Jahren Entwicklungsphase noch nicht genug: Jeden Tag isst er einen Donut. Mindestens.

Frank Thomas Koch

Dass eine Marke weltberühmt wird, ist eher die Ausnahme. Doch der Weg dahin ist zumindest am Anfang immer gleich: Er beginnt mit einer Anmeldung beim Patentamt. Und da lernt ein Gründer dann zum Beispiel, was Donuts mit Nizza zu tun haben.

Marken sind mächtig. Sie beeinflussen, was wir im Supermarkt kaufen, geben uns ein gutes Gefühl – und bringen ihren Besitzern Millionen. Die Marke Coca Cola stand lange auf Platz eins der Liste des Marktforschungsinstituts Interbrand: Sie war die wertvollste Marke der Welt, auf circa 78 Milliarden US-Dollar schätzte Interbrand ihren Wert 2012. Seit zwei Jahren führt Apple die Liste an, mit einem Markenwert von 118 Milliarden US-Dollar. Die wertvollste deutsche Marke ist Mercedes-Benz mit etwa 25 Milliarden Euro.

Von diesen Summen träumt wahrscheinlich jeder, der mit Joachim Ries einen Termin vereinbart. Der Ingenieur leitet das Patent- und Normenzentrum an der Hochschule Bremen. Es ist eines von 24 Patent-informationszentren in Deutschland und damit Anlaufstelle für Erfinder, die Patente anmelden wollen und für Gründer, die eine Marke eintragen lassen möchten. So wie Abdussamed Tanis und Cihan Güzelbilen.

Die beiden Studenten wussten nicht viel von Marken, als sie vor einem Jahr das Büro von Joachim Ries betraten. Nach zwei Jahren Üben hatten sie den perfekten Donut-Teig gefunden, vor einem Monat ihr Geschäft in Findorff eröffnet. Der Laden lief gut und in den ersten Wochen sprachen einige Kunden sie darauf an, ob sie nicht als Franchise-Partner einsteigen könnten. Da bekamen sie Angst, dass ihnen jemand ihren Namen wegschnappen könnte. Und vereinbarten einen Termin mit Joachim Ries, um ihre Marke Donut Brothers schützen zu lassen.

Jeden Tag wird in Bremen mindestens eine Marke angemeldet. Nicht alle bei Joachim Ries, manche Gründer füllen selbst Formulare aus, andere gehen zu Patentanwälten. Insgesamt wurden es im Jahr 2013 458 neue Marken. Das entspricht 70 Anmeldungen pro 100 000 Einwohner, und damit liegt Bremen knapp unter dem deutschen Durchschnitt. Der liegt bei 71. An der Spitze stehen Hamburg mit 183 und Berlin mit 126 Markenanmeldungen pro 100 000 Einwohner. Deutschlandweit wurden 57 031 Marken angemeldet.

Joachim Ries durchsuchte mit den beiden Studenten die Datenbank des Deutschen Patent- und Markenamtes in München, wo alle Markenanmeldungen zusammenlaufen. Er prüfte, ob der Markenname schon vergeben ist, ob es eine ähnliche Marke gibt und wenn ja, ob sie für die gleiche Branche eingetragen ist. Die drei fanden eine Catering-Firma aus Baden-Württemberg mit dem Namen Donuts Brothers. „Herr Ries sagte, dass er nicht sicher sei, ob wir mit unserer Marke durchkommen“, erzählt der 25 Jahre alte Abdussamed Tanis. „Aber wir wollten es versuchen.“ Donut Brothers war der Wunschname: „Wir lieben Donuts und sind wie Brüder.“

Wer eine Marke eintragen lassen möchte, kann das tun – egal, ob es eine Firma mit dem gleichen Namen gibt. Aber es gibt eine dreimonatige Widerspruchsfrist. Wer eine Marke mit dem gleichen oder einem sehr ähnlichen Namen besitzt und die beim Patentamt eingetragen hat, kann Widerspruch einreichen. Daraufhin prüft das Amt, und meist bekommt der Erstmarkenbesitzer Recht – außer die Marken unterscheiden sich ausreichend, dann darf es beide weiterhin geben. Wenn man fälschlicherweise eine Marke benutzt, kann es teuer werden. Davor hat Joachim Ries mit seiner Datenbank-Recherche schon einige seiner Besucher bewahrt. Auch wenn manch einer dann schwer enttäuscht ist: Denn meist steckt in dem Markennamen viel Vorarbeit, manchmal sind Flyer schon gedruckt, Websites bereits eingerichtet.

Wer eine Marke eingetragen hat, sollte also regelmäßig die Neuanmeldungen prüfen – das Amt tut das nicht. Es gibt Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, Marken zu überwachen. Sie schreiben die Besitzer neu eingetragener Marken an und bieten ihre Dienstleistung an. Geld mit Marken wollen auch viele dubiose Firmen machen: Das Deutsche Patent- und Markenamt listet auf seiner Internetseite eine ganze Reihe von Unternehmen auf, die Markenbesitzer angeschrieben und Geld gefordert haben, für angeblich kostenpflichtige Veröffentlichungen oder Verlängerungen der Schutzrechte. Das Amt weist darauf hin, dass es mit all diesen Unternehmen in keinem Zusammenhang steht.

Zwar prüft das Amt nicht, ob es schon andere Marken mit dem gleichen Namen gibt. Es prüft aber andere Kategorien: Der Markenname darf zum Beispiel nicht gegen die guten Sitten verstoßen, die Marke darf nicht zu sehr beschreibend oder eindeutig positiv wertend sein. Deshalb darf niemand eine Marke anmelden, die „Der Schuhladen“ heißt. Denn diese Beschreibung müssen alle verwenden dürfen, die einen Schuhladen betreiben. Eine Anmeldung als Marke ginge nur, wenn der Schriftzug immer in Zusammenhang mit einem Logo steht. Auch wenn das auf den ersten Blick niemand erwarte, seien Wortmarken wertvoller als Bildmarken, sagt Joachim Ries. Der Markenname darf dann nämlich in jeder Form verwendet werden, egal welche grafische Umsetzung sich der Besitzer ausdenkt.

Abdussamed Tanis und Cihan Güzelbilen zum Beispiel sind gerade dabei, ihr Logo zu ändern. Das erste entwickelten sie mit Studenten. In vielen Farben zeigt es vier Donuts, sie stehen für die vier Gründer. Drei von ihnen sind heute Geschäftsführer, der vierte soll es bald werden. Nun arbeiten sie an einem klareren Logo; viele haben ihnen nämlich gesagt, ihres sei zu bunt und zu kleinteilig. Für die Marke ist es egal, wie ihr Logo aussieht, sie haben nämlich eine Wortmarke angemeldet. 400 Euro haben sie gezahlt, 100 Euro mehr als für eine Standardanmeldung. Sie haben mehr gezahlt, weil sie eine Nizza-Klasse mehr wollten.

Nizza-Klasse? Über sie macht sich kaum jemand Gedanken, der zum ersten Mal eine Marke anmelden will. 45 solcher Klassen gibt es, sie stehen für verschiedene Waren- beziehungsweise Dienstleistungskategorien, die nur bei Anmeldung der entsprechenden Klasse angeboten werden dürfen. Bei Klasse Nummer 29 steht dann etwa „überwiegend fruchthaltige Füllungen und Garnierungen für Backwaren“. Das ist eine der vier Nizza-Klassen, für die sich Abdussamed Tanis und Cihan Güzelbilen mit der Hilfe von Joachim Ries entschieden haben. „In fünf Minuten ist das nicht getan“, sagt Ries. Die beiden Studenten erzählen, der Termin habe zwei Stunden gedauert. Sie haben am Schluss dann auch noch die Nizza-Klasse 45 genommen: Vergabe von Lizenzen für Franchising-Konzepte. Wer weiß, was die Zukunft bringt.

Ihren Markennamen können Abdussamed Tanis und Cihan Güzelbilen erst einmal behalten: Die dreimonatige Widerspruchsfrist ist Ende September abgelaufen – ohne dass die Catering-Firma Donuts Brothers Widerspruch eingelegt hat. Nun bliebe nur noch ein Gerichtsverfahren, aber das sei wesentlich schwieriger und mit Kosten verbunden, erklärt Ries. Abdussamed Tanis ist optimistisch: Der Laden läuft, eine neue Internetseite entsteht und Pläne für neue Filialen gibt es auch schon.

Die Marke gilt jetzt für zehn Jahre. Danach muss sie verlängert werden, wenn Abdussamed Tanis und Cihan Güzelbilen weiter in Donuts machen wollen. Eine Verlängerungspflicht gilt übrigens für alle Marken – egal ob sie Mercedes-Benz, Coca-Cola oder Donut Brothers heißen.

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