Deutsche Annington plant Übernahme der Gagfah

Ein neuer Gigant am Wohnungsmarkt

Dem Immobilienmarkt steht eine Elefantenhochzeit bevor: Nachdem der Branchenprimus Deutsche Annington bereits im Frühjahr mehr als 40 000 Wohnungen übernommen hat, planen die Bochumer nun den Erwerb der Nummer drei am deutschen Markt – der Gagfah.
02.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von ANDREAS HOLLING und Corinna Tonner
Ein neuer Gigant am Wohnungsmarkt

Mit der Gagfah-Übernahme besitzt die Deutsche Annington bundesweit etwa 350 000 Wohneinheiten – darunter rund 11 500 in Bremen.

Caroline Seidel, dpa

Dem Immobilienmarkt steht eine Elefantenhochzeit bevor: Nachdem der Branchenprimus Deutsche Annington bereits im Frühjahr mehr als 40 000 Wohnungen übernommen hat, planen die Bochumer nun den Erwerb der Nummer drei am deutschen Markt – der Gagfah. Gelingt der Kauf wie geplant, verfügt der Riese zukünftig über rund 350 000 Wohnungen bundesweit. Mieterschützer sind von den Plänen wenig begeistert. Sie werfen dem Konzern die mangelnde Instandhaltung seiner Immobilien vor.

Rolf Buch spart nicht mit großen Worten: Mehr als eine Million Menschen in Deutschland würden in Zukunft unter den Dächern seines Unternehmens wohnen, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Annington gestern gegenüber der Presse.

In nüchternen Zahlen ausgedrückt liest sich das so: Nach der erfolgreichen Übernahme der Gagfah besitzt der Konzern etwa 350 000 Wohnungen im Wert von 21 Milliarden Euro – darunter 1500 zusätzliche Objekte in Bremen. Damit wären die Bochumer mit weitem Abstand der größte Vermieter der Republik – gefolgt von der Deutschen Wohnen mit gut 149 000 Wohnungen, der LEG Immobilien (110 000) und TAG Immobilien (70 000).

Dass sich die Deutsche Annington nach dem Kauf der Vitus-Gruppe und der Stuttgarter Dewag im Frühjahr mit insgesamt über 40 000 Wohnungen nun die Gagfah einverleiben will, kommt für Branchenkenner nicht völlig überraschend. Schon seit einiger Zeit hätten Übernahmegerüchte die Runde gemacht. Dabei hatte sich die Gagfah erst vor Kurzem aus einer langen schwierigen wirtschaftlichen Situation befreit – und sich trotz Schulden in Milliardenhöhe erfolgreich refinanzieren können.

Mit dem Kauf wolle man das führende Unternehmen „auf dem deutschen Wohnungsmarkt von europäischer Dimension“ sein, so Konzernchef Buch. Dieses Ziel lässt sich die Deutsche Annington rund 3,9 Milliarden Euro kosten – in bar und in eigenen Aktien. Dies entspreche einem Wert von 18 Euro je Gagfah-Aktie und damit einer Prämie von 16,1 Prozent auf den Schlusskurs vom 28. November, teilte das Unternehmen in Bochum mit. Das Angebot laufe bis zum 21. Januar – mindestens die Hälfte der Gagfah-Aktien müssen den Besitzer wechseln, damit der Deal funktioniert.

Bei Mieterschützern sorgt die Elefantenhochzeit derweil für wenig Euphorie. „Bei der Deutschen Annington beklagen sich die Bewohner über Verzögerungen bei Reparaturen und Renovierungen. Gleichzeitig gibt es regelmäßig Mieterhöhungen“, fasst Gert Brauer, Geschäftsführer vom Bremer Mieterschutzbund, die Beschwerden aus Annington-Wohnanlagen im Ruhrgebiet zusammen. Solche Klagen höre man regelmäßig, wenn Immobilien in den Bestand von privaten Wohnungsunternehmen übergingen.

Und auch beim Deutschen Mieterbund (DMB) weist man nachdrücklich auf die soziale Verantwortung des künftig vermutlich größten deutschen Vermieters hin: „Wir hoffen, dass die Deutsche Annington aus Fehlern lernt, verstärkt in die Instandsetzung und Instandhaltung ihrer Wohnungen investiert“, so DMB-Direktor Lukas Siebenkotten. Bereits in der Vergangenheit sei es mit den fusionierenden Unternehmen häufig zu Streit etwa über Nebenkostenabrechnungen oder über mangelnde Erreichbarkeit der zuständigen Mitarbeiter gekommen, berichtet Silke Gottschalk vom Mieterbund in Nordrhein-Westfalen. Die von Annington-Chef Rolf Buch genannte „Wertsteigerung durch Mieterorientierung“ dürfe nicht bloß eine Leerformel bleiben, so Siebenkotten. Der Manager hatte angekündigt, dass die Mieter von „bezahlbarem Wohnraum“ sowie von Investitionen in energetische Sanierung und Schaffung von altersgerechten Wohnraums profitieren könnten.

In Bremen gibt es dazu bereits eine konkrete Ankündigung: Im Stadtteil Osterholz, wo sich ein Teil der 10 000 einstigen bremischen und heutigen Annington-Immobilien befinden, kündigte ein Unternehmensmitarbeiter in einer Runde mit Stadtteilvertretern erste Pläne an. „2015 sollen die Fassaden und Eingänge an der Zermatter Straße gemacht werden“, berichtet Quartiersmanager Aykut Tasan. Im Jahr darauf könnten dann die Häuser am Lachmundsdamm energetisch saniert werden.

Ob der neue Großvermieter seinen immensen Wohnungsbestand dauerhaft halten oder weiterveräußern wird, ist offen. Konstantin Kortmann, Immobilienexperte beim Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle, glaubt allerdings nicht an einen Verkauf. „Das Unternehmen verfolgt eine Buy-to-hold-Strategie“, sagt er. Die Deutsche Annington wolle sich als Eigentümer und Vermieter präsentieren. Auch eine Privatisierung, also ein Verkauf an die bisherigen Mieter, werde es in Zukunft kaum geben. Dieser Markt habe sich nicht so entwickelt, wie es die Investoren aus ihren Heimatmärkten in den USA und Großbritannien kennen, so Kortmann.

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