Vom Bäcker zum Restaurantbesitzer Heiner Kamps wird 65 Jahre alt

Unumstritten hat Heiner Kamps ein Bäckereiimperium geschaffen, das er später verkaufte. Umstritten war danach die Übernahme der Restaurantkette Nordsee zusammen mit Theo Müller. Nun wird Kamps 65 Jahre alt.
23.05.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Erich Reimann und Florian Schwiegershausen

Mehr als 400 Bäckerei-Filialen in Deutschland tragen noch immer seinen Namen: Kamps. Dabei hat Heiner Kamps mit der Brötchenkette schon seit fast zwei Jahrzehnten nichts mehr zu tun. Doch hat der Selfmade-Millionär, der an diesem Sonntag 65 Jahre alt wird, der deutschen Backbranche zur Jahrtausendwende nachhaltig seinen Stempel aufgedrückt. „Ich habe reichlich Mehl geatmet“, sagte der Unternehmer damals stolz über sich selbst. Wie viele Fischbrötchen er als ehemaliger Besitzer der Fischrestaurant-Kette Nordsee gegessen hat, ist nicht überliefert.

Großmäulige rheinische Frohnatur

Praktisch aus dem Nichts schuf der Bäckersohn Kamps zwischen 1982 und dem Jahr 2000 Europas größtes Backwarenunternehmen. „Er hat sehr früh, bevor andere wach geworden sind, den Megatrend Ernährung entdeckt“, lobt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Mark Tüngler, im Rückblick den Unternehmer. „Er war einer der Ersten, die ganz groß in die Filialisierung eingestiegen sind“, ergänzt Branchenkenner Dieter Kauffmann vom Fachblatt „Allgemeine BäckerZeitung“. Das „Handelsblatt“ bezeichnete ihn vor zehn Jahren als etwas großmäulige rheinische Frohnatur, der sich seinen Namen sogar auf den Arm tätowieren ließ.

Statt zurückzublicken, betrachtet Kamps lieber die Zukunft: „Corona hat in der Lebensmittelbranche noch einmal alles durcheinander gewirbelt, und da ergeben sich trotz aller negativen Auswirkungen der Pandemie auch Chancen“, sagte er kurz vor seinem Geburtstag. Kamps wäre gerne noch einmal jünger, um sie voll und ganz zu nutzen.

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Begonnen hatte die Karriere des späteren „Brötchen-Königs“ eher unauffällig mit einer Bäckerlehre. Es folgte der Meisterbrief und dann noch ein Studium der Betriebswirtschaft. Im Jahr 1982 eröffnete Heiner Kamps seine erste Bäckerei in Düsseldorf. 15 bewegte Jahre später erreichte der Umsatz des Kamps-Imperiums schon über 300 Millionen D-Mark (mehr als 150 Millionen Euro). Doch auch das war dem Unternehmer nicht genug.

Im April 1998 wagte Kamps als erster Groß-Bäcker den Gang an die Börse – und hatte Erfolg damit. Der Kurs der Aktie schoss in die Höhe. Über Nacht wurde der Bäcker zum Börsenstar. „Kamps hat es geschafft, eine Bäckerei-Aktie ähnlich attraktiv zu machen wie ein Internetpapier“, staunt heute noch der Aktienexperte Tüngler.

Schritt ins Ausland ließ Aktie einbrechen

Mit den durch den Börsengang eingenommenen Millionen ging Kamps einmal mehr auf Einkaufstour. Innerhalb von nicht einmal zwei Jahren übernahm er elf Bäckerei-Filialketten mit fast 1500 Verkaufsstellen. Kamps kaufte industrielle Großbäcker und wagte den Schritt ins Ausland. Doch der Höhenflug dauerte nicht lange. Einige Großeinkäufe im Ausland erwiesen sich als schwer verdaulich. Die Aktie brach ein, und der Börsenliebling wurde plötzlich selber zum Übernahmekandidaten.

Im Sommer 2002 übernahm der italienische Nudelkonzern Barilla die Kontrolle im Kamps-Imperium und zahlte dafür 1,8 Milliarden Euro. Der Gründer verließ wenig später das Unternehmen. Kamps selbst soll damals laut Medienberichten durch den Verkauf seines Aktienpakets rund 60 Millionen Euro verdient haben.

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„Die Kamps-Story war ein großer Erfolg, auch wenn die feindliche Übernahme am Ende sicher nicht in meinem Sinne gewesen ist“, sagt der Millionär selbst heute im Rückblick. Da eine Konkurrenzklausel im Kaufvertrag weitere Aktivitäten im Backbereich zunächst untersagte, suchte Kamps andere Betätigungsfelder. Damit begann das Kapitel Nordsee, denn Fischbrötchen waren laut Vertragsklauseln nicht verboten. Mit dem Geld aus seinen Verkaufserlösen übernahm er die Fischrestaurant-Kette. Das sollte nur der Start sein für ein neues Nahrungsmittelimperium, das er zusammen mit Müller-Milch-Gründer Theo Müller schaffen wollte. Durch Kamps kam es, dass Nordsee einen Teil der Verwaltung auch in Düsseldorf hat und den Rest in Bremerhaven.

Seit das Duo bei der Restaurantkette das Sagen hatte, habe sich laut Gewerkschaft NGG das Verhältnis zwischen ihr und Nordsee verschlechtert. Es gipfelte vor zwei Jahren darin, dass die Betriebsratswahlen gestört wurden, wie die NGG damals kritisierte. Mehr als die Hälfte der Betriebsratsmitglieder seien zu leitenden Angestellten befördert worden. In dieser Funktion dürfen sie weder den Betriebsrat wählen noch ihm selbst angehören. Im Oktober 2018 verkauften Müller und Kamps Nordsee an die Schweizer Investorengruppe Kharis Capital. Für die Mitarbeiter wurde die Situation dadurch nicht besser. Laut Gewerkschaft ist weiterhin ungewiss, ob das Unternehmen in Bremerhaven bleiben wird.

Neue Möglichkeiten durch die Corona-Krise

Für den Rheinländer ist das Kapitel Fischbrötchen damit auf alle Fälle vorbei. Er konzentriert sich seit Anfang 2019 wieder auf neue Geschäfte. Er sieht in der Corona-Krise neben allen negativen Aspekten auch große Chancen. Das gelte gerade im Bäckereigeschäft. Denn durch die Krise würden viele Einzelhändler aufgeben müssen und die Mieten in den Innenstädten unter Druck geraten. Für Cafés und Bäckereien eröffneten sich dadurch Möglichkeiten, Geschäfte in attraktiven Lagen zu eröffnen, die sie sich zuvor nicht hätten leisten können.

„Ich wäre jetzt gerne zehn bis 15 Jahre jünger. Dann würde ich diese Gelegenheit nutzen. Aber dafür bin ich jetzt vielleicht doch schon zu alt“, sagt Kamps. Zwar sei er noch bei bester Gesundheit. Aber: „Man braucht doch immer fünf bis sechs Jahre, um etwas Neues aufzubauen, und das ist mir inzwischen wohl doch zu lang.“

Außerdem hätten sich auch seine Prioritäten verändert, seitdem seine dritte Ehefrau vor sechs Jahren Zwillinge zur Welt gebracht habe. „In meine jüngsten Kinder kann ich mehr Zeit investieren, als ich es bei meinen älteren Kindern tun konnte, die Anfang der 1980er-Jahre zur Welt gekommen sind. Damals war ich gerade mit dem Aufbau meines Unternehmens beschäftigt.“

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