Gastkommentar über Firmengründungen Es fehlt das nötige Wagniskapital

Es mangelt in Deutschland keinesfalls an klugen Köpfen oder an Machern. Doch es fehlt das nötige Wagniskapital, um hier einen Global Player aufzubauen, schreibt unser Gastautor Frank Thelen.
02.08.2019, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Thelen

Schaut man sich die Einschaltquoten von „Die Höhle der Löwen“ und die steigende Anzahl an Gründungen und Startup-Events in Deutschland an, wird schnell klar: Das Thema Startups ist in Deutschland schon längst angekommen und Gründen wird immer mehr zur Option in den Köpfen junger, motivierter Leute.

Es mangelt in Deutschland keinesfalls an klugen Köpfen, herausragenden Technikern und Ingenieuren, oder an Machern, die etwas bewegen wollen. Doch wieso steht die USA mit dem Silicon Valley dann aktuell so viel besser da als Deutschland, und zwar nicht nur auf die Startup-Szene, sondern die komplette wirtschaftliche Lage bezogen? Mit Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft (kurz: GAFAM) sind die fünf größten Unternehmen der USA insgesamt drei mal so viel wert wie der gesamte Dax30. Microsoft alleine kommt, ebenso wie der Dax, auf 1,1 Billionen Euro Marktwert.

Diese Verteilung an der Börse ist bereits einer der Hauptgründe, wieso der Gründerstandort Deutschland aktuell noch benachteiligt ist: Es fehlt das nötige Wagniskapital, um hier einen Global Player aufzubauen. Dabei ist das Geld da: Deutschland geht es wirtschaftlich noch gut. Es gibt viele starke, mittelständische Unternehmen und Hidden Champions, die mit ihrem Kapital disruptive Startups unterstützen und von deren Erfolgschancen am weltweiten Markt profitieren könnten, so wie es im Silicon Valley seit Jahren geschieht. Doch bevor das passiert, muss sich in Deutschland zunächst der Mindset ändern – wir müssen lernen, die bevorstehenden Veränderungen als Chancen zu erkennen und bereit sein, Risiken einzugehen. Das gilt für Unternehmer ebenso wie für Politiker. Es braucht mutige Entscheidungen, um den Gründerstandort Deutschland weiter auszubauen.

Der Mittelstand muss den Mut haben, einen Teil seines Kapitals in disruptive Technologien und Startups zu investieren, und die Politik muss sich endlich trauen, klare Entscheidungen zu treffen, um die Bedingungen für solche Investitionen und für junge Unternehmen zu verbessern. Stärken wir die deutsche Gründerkultur, wirkt sich das automatisch auf die gesamte Wirtschaft und die Innovationskraft Deutschlands aus. Deshalb habe ich es mir zum Ziel gemacht, kluge Köpfe in Deutschland dabei zu unterstützen, einen Technologie-Weltmarktführer aufzubauen.

Mit einem Unternehmen in der Größenordnung von Google, Amazon oder Facebook könnte Deutschland seine aktuell komfortable, wirtschaftliche Position halten. Verpassen wir diese Chance, könnte es schon sehr bald anders aussehen.

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Zur Person

Unser Gastautor

ist ein europäischer Seriengründer und Tech-Investor. Populär wurde er durch die TV-Serie „Die Höhle der Löwen“. Er ist der Gründer und CEO von Freigeist Capital.

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