Start-up für die Wohnungswirtschaft

EWE investiert in Immobilienportal

Zenhomes will eine Plattform rund um das Thema Wohnen aufbauen. EWE ist jetzt neu beim Start-up eingestiegen. Die Zech Group hat über die Beteiligung einer Tochterfirma bereits in die Firma investiert.
15.08.2019, 18:51
Lesedauer: 3 Min
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EWE investiert in Immobilienportal
Von Lisa Boekhoff

Das Gebäude in der Saarbrücker Straße im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg hat Geschichte. Das Unternehmen hinter Zalando oder Home24, Rocket Internet, hatte dort bereits seinen Sitz. Nun arbeitet im Haus das Start-up Zenhomes an der Zukunft der Wohnungswirtschaft. Schon jetzt bietet es über vermietet.de eine Plattform zur digitalen Verwaltung von Immobilien für Eigentümer an. Der Plan allerdings ist größer: Zenhomes will „Partner für alle Beteiligten im Ökosystem Immobilie“ werden, wie es der Geschäftsführer Jannes Fischer formuliert. Vermieter, Mieter und Dienstleister wie Handwerker sollen miteinander vernetzt werden. Derzeit hat die Seite 75 000 Nutzer mit rund 225 000 Wohneinheiten – ungefähr 1500 Nutzer sind es in Bremen und 8500 in Niedersachsen.

In drei Finanzierungsrunden hat das Start-up mehr als 19 Millionen US-Dollar bekommen. Seit dieser Woche hat Zenhomes durch die jüngste Runde neue Partner – unter anderem den Oldenburger Energiekonzern EWE. „Die Beteiligung an Zenhomes passt perfekt in die EWE-Strategie, Energie- und Wohnungswirtschaft auf einer Plattform zu bündeln", erklärt EWE-Technik-Vorstand Urban Keussen das Engagement. Die EWE habe das starke organische Wachstum des Start-ups überzeugt. Über die Höhe der Beteiligung ist Stillschweigen vereinbart worden.

Auf die Idee zur Plattform kam Gründer Fischer, als er sich um die Wohnungen seiner Familie in Hannover kümmerte. „Dabei ist mir die Diskrepanz aufgefallen: Einen solch großen Vermögenswert wie die Immobilie verwaltet man noch mit Papier wie vor 100 Jahren.“ Über seine Seite vermietet.de können Vermieter nun Mieteingänge kontrollieren, Wartungen und Reparaturen koordinieren oder die Betriebsabrechnung organisieren. Auf Wunsch wird die Rendite des Anlageobjekts berechnet. Die Dienstleistungen können je nach Bedarf eingekauft werden. „Alles andere wäre auch nicht mehr zeitgemäß“, sagt Fischer. Der Name der Firma sei bewusst gewählt: Zen stehe für innere Ruhe, für Ausgeglichenheit. Schließlich soll die Plattform das Leben im Punkt Wohnen für alle einfacher machen – wie künftig auch bei der Suche nach einer Wohnung. „Wenn Sie hier derzeit in Berlin eine Wohnung suchen, stehen Sie in einer Schlange mit 50 Mitbewerbern. Das ist alles andere als Zen.“

Die EWE will über die Beteiligung Wissen austauschen, Kontakte zu Unternehmen der Wohnungswirtschaft knüpfen, womöglich Partner finden. In Zukunft soll der Konzern, dessen Tochter die Bremer SWB ist, nicht allein Lieferant von Energie sein, sondern alles rund um das Thema Wohnen anbieten. „Die Wohnungswirtschaft ist ein wichtiger Markt mit sehr vielen Wachstumsmöglichkeiten“, so Sprecher Mathias Radowski. Erst im Juli gab EWE bekannt, sich an Comgy zu beteiligen, um das Geschäft mit Verbrauchsdaten in Wohnungen und Häusern auszubauen. Das Start-up digitalisiert die Messung des Wärme-, Wasser- und Stromverbrauchs. Neben der EWE beteiligt sich an Comgy auch Signa Innovations. Das österreichische Unternehmen, das Start-ups aufbaut, ist nun ebenfalls neu bei Zenhomes eingestiegen. Geschäftsführer Jürgen Fenk sieht das Unternehmen als „Digitalisierungstreiber für die gesamte Branche“. In der Finanzierungsrunde, die Anfang der Woche unterzeichnet wurde, kamen insgesamt 14,5 Millionen US Dollar zusammen. Erneut brachten sich auch die Deutsche Bank, Axa und Main Incubator von der Commerzbank Gruppe ein. Bereits an Bord bei Zenhomes ist auch Bitstone Capital. Die Gesellschaft für Risikokapital investiert in Start-ups aus dem Immobiliensektor. An ihr beteiligt ist Art-Invest Real Instate – eine Tochter der Zech Group des Bremer Unternehmers Kurt Zech.

Der Kreis der Investoren aus verschiedenen Branchen sei spannend, ist Fischer mit den Finanzierungsrunden für sein 2017 gegründetes Unternehmen zufrieden. Zwischen allen Partnern sei die Option interessant, miteinander kooperieren zu können. „Die Engagements zeigen, dass den Unternehmen bewusst ist, dass es besser ist, in unsere Plattform zu investieren, als eine eigene aufzubauen“, meint Fischer. Sein Start-up wird zur sogenannten Prop-Tech-Branche gezählt. Prop-Tech steht für property services (Dienstleistungen für Immobilien) und technology (Technologie).

Für Zenhomes arbeiten heute mehr als 30 Mitarbeiter. Fischer plant jedoch eine Verdopplung. „Am besten so schnell wie möglich“, sagt der Gründer. Aus dem Gebäude in der Saarbrücker Straße wird das Unternehmen darum bald ausziehen müssen.

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