M/Frankfurt EZB legt neues Anti-Krisenpaket auf und senkt Leitzins erneut

Frankfurt/M. Mit einem weiteren Anti-Krisenpaket stemmen sich Europas Währungshüter gegen die mickrige Inflation und die maue Konjunktur im Euroraum. Überraschend senkte die Europäische Zentralbank (EZB) am gestrigen Donnerstag den Leitzins auf das neue Rekordtief von 0,05 Prozent.
05.09.2014, 00:00
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Von Harald Schmidt

Mit einem weiteren Anti-Krisenpaket stemmen sich Europas Währungshüter gegen die mickrige Inflation und die maue Konjunktur im Euroraum. Überraschend senkte die Europäische Zentralbank (EZB) am gestrigen Donnerstag den Leitzins auf das neue Rekordtief von 0,05 Prozent. Zudem müssen Banken künftig einen noch höheren Strafzins von nun 0,2 Prozent bezahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, statt es in Form von Krediten an Unternehmen weiterzureichen.

Gleichzeitig beschloss der EZB-Rat den Ankauf von Kreditpaketen und Pfandbriefen, um die lahmende Kreditvergabe endlich in Schwung zu bringen. Die Börse reagierte begeistert. Der Dax stieg, der Eurokurs sank. Kritik kam hingegen von Experten aus Deutschland.

Mit ihrem neuen Maßnahmenbündel reagieren die Notenbanker auf die schwache Konjunktur im Euroraum und die sehr niedrige Inflation, die im August auf 0,3 Prozent gefallen ist – den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Der Wert liegt seit Monaten deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter zwei Prozent. „Unser Mandat ist Preisstabilität. Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi.

Denn seit Monaten steht die Sorge im Raum, dass daraus eine gefährliche Deflationsspirale aus Preisverfall und schrumpfender Wirtschaftsleistung entstehen kann. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen und Anschaffungen in Erwartung weiter sinkender Preise hinauszögern. Das würde die ohnehin fragile Konjunkturerholung in Europa abwürgen. Mario Draghi sieht im Moment zwar keine Deflation. Doch je länger die Teuerung niedrig bleibe, umso größer sei die Gefahr, dass die Inflationserwartungen aus den Fugen geraten.

Der Pessimismus ist auch infolge der Ukraine-Krise gewachsen. Die EZB senkte sowohl ihre Wachstums- als auch ihre Inflationsprognose. Die Notenbank erwartet für 2014 eine Jahresteuerung von 0,6 Prozent, für 2015 von 1,1 Prozent und für 2016 von 1,4 Prozent. Im Juni hatte die EZB für 2014 noch eine Inflationsrate von 0,7 Prozent vorhergesagt, die Prognosen für 2015 und 2016 wurden nicht angepasst. Der Wirtschaft im Euroraum traut die Notenbank im laufenden Jahr nur noch 0,9 Prozent (bisher: 1,0) Wachstum zu. 2015 dürfte die Wirtschaft mit 1,6 (1,7) Prozent und 2016 mit 1,9 (1,8) Prozent wieder stärker anziehen.

Die meisten Volkswirte hatten vorerst keine weiteren Gegenmaßnahmen der EZB erwartet. Denn noch im September startet ein neues Kreditangebot für Banken. Dies soll die Kreditvergabe ankurbeln und mit den Zinsschritten vom Juni die Konjunktur in Schwung bringen. Dann würden auch die Preise wieder steigen. Draghi ließ aber erkennen, dass der Zinsschritt auch als Signal an kriselnde Geschäftsbanken gedacht war: Sie sollen das erste Kreditangebot der EZB annehmen und nicht auf noch nierigere Zinsen warten.

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