Banken Fall IKB: Ackermann wieder vor Gericht

Düsseldorf. Diesmal waren es nur 40 Minuten Zeitaufwand und auch keine 3,2 Millionen Euro Einsatz, dann durfte Deutsche-Bank- Chef Josef Ackermann dem Düsseldorfer Landgericht den Rücken kehren. Natürlich ohne Victory-Zeichen.
12.05.2010, 20:01
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Düsseldorf. Diesmal waren es nur 40 Minuten Zeitaufwand und auch keine 3,2 Millionen Euro Einsatz, dann durfte Deutsche-Bank- Chef Josef Ackermann dem Düsseldorfer Landgericht den Rücken kehren. Natürlich ohne Victory-Zeichen.

Sechs Jahre nach Beginn des Mannesmann-Prozesses musste der Top-Banker Richterin Brigitte Koppenhöfer erneut Rede und Antwort stehen - diesmal aber nicht als Angeklagter, sondern als Zeuge im Prozess um die Beinahepleite der IKB, die das Übergreifen der Weltfinanzkrise auf Deutschland markiert.

Auf der Anklagebank sitzt Ex-IKB-Chef Stefan Ortseifen. Der allerdings sieht sich als unschuldig und die eigentliche Schuld am Niedergang der IKB im Gebaren der mächtigen Deutschen Bank. Ohne Vorwarnung und völlig überraschend habe sie die Handelslinie zur IKB gekappt und sein bis dahin gesundes und liquides Institut in den Abgrund gestoßen, so hatte er es beim Prozessauftakt erzählt.

Ackermann (62) sah das am Mittwoch freilich etwas anders: Die IKB sei bereits in einer massiven Schieflage gewesen, als die Deutsche Bank die Handelslinie einfror. Alles andere «wäre gutes Geld schlechtem hinterwerfen» und den Aktionären der Deutschen Bank «nicht zumutbar» gewesen.

Die Gerüchte im Markt hätten schon tagelang eine Schieflage der IKB kolportiert. Und die IKB habe es nicht geschafft, sie zu widerlegen und Klarheit zu schaffen. Im Gegenteil: Mehrmals habe die IKB eine vollständige aktuelle Bewertung des Portfolios ihrer Zweckgesellschaft Rhineland zwar zugesagt, aber die Herausgabe der Zahlen immer wieder verzögert. «Nachdem wir mehrere Tage keine Transparenz bekommen haben, hatten wir den Verdacht: Hier scheint etwas faul zu sein», sagte Ackermann.

Eigene Berechnungen in seiner Bank, allerdings nur für einen Teil des IKB-Portfolios, seien alarmierend gewesen und hätten gezeigt, dass die älteren Bewertungen der IKB deutlich zu positiv waren. «Nach unseren Bewertungen war die IKB bereits in sehr, sehr problematischer Lage», sagte Ackermann. Das Eigenkapital der IKB sei «praktisch weg» gewesen.

Außerdem habe es Hinweise gegeben, dass die IKB sich schon nicht mehr refinanzieren konnte. So habe die IKB die Deutsche Bank gebeten, Papiere zu kaufen, die offensichtlich am Markt nicht mehr platziert werden konnten. Somit seien alles in allem «größte Zweifel an der Bonität der IKB» angebracht gewesen. Am 27. Juli 2007 hatten die Deutsch-Banker schließlich die Reißleine gezogen.

Er habe dann auch die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet und deren Chef Jochen Sanio angerufen, berichtete Ackermann. Die Prüfer der BaFin hätten die Berechnungen der Deutschen Bank und damit die Schieflage durch zweitklassige US-Immobilienpapiere letztlich bestätigt.

Ackermann räumte ein, dass auch die Deutsche Bank «solche Produkte an die IKB verkauft» habe. In welchem Umfang könne er aber nicht sagen. Die Deutsche Bank sei aber auch selbst Opfer geworden und habe wegen der IKB-Zweckgesellschaft Rhineland eine Abschreibung vornehmen müssen.

Mit der Schieflage der IKB hatte die weltweite Finanzkrise vor knapp drei Jahren Deutschland erreicht. Als der US-Hypothekenmarkt zusammenbrach, kostete die Rettung der IKB rund zehn Milliarden Euro. Den Löwenanteil musste die staatliche KfW als Haupteigentümerin der IKB schultern - und damit der Steuerzahler.

In dem Prozess am Düsseldorfer Landgericht ist Ortseifen wegen Marktmanipulation und Untreue angeklagt. So soll er die Lage der Bank noch wenige Tage vor deren Absturz irreführend beschönigt haben. In Zweckgesellschaften außerhalb der Bilanz hatte die IKB 17 Milliarden Euro in strukturierten Wertpapieren angelegt, die zu erheblichen Teilen auf zweitklassigen US-Immobilienkrediten (Subprime) fußten.

Während Ortseifen im Untreue-Komplex mit einer Einstellung rechnen kann, droht ihm nach einer Zwischenbilanz des Gerichts wegen der Marktmanipulation eine Verurteilung. Das sahen Ortseifens Verteidiger am Mittwoch allerdings ganz anders: Der Bank-Manager gehöre in allen Punkten freigesprochen. (dpa)

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