Zum Weltverbrauchertag

Falsch abkassiert: Was Bremer als Kunden ärgert

Von falschen Quittungen und fehlenden Inhaltsangaben: Zum Weltverbrauchertag verraten Bremerinnen und Bremer, wo sie sich als Kunden in der letzten Zeit besonders über Tisch gezogen fühlen.
14.03.2018, 21:15
Lesedauer: 3 Min
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Falsch abkassiert: Was Bremer als Kunden ärgert
Von Florian Schwiegershausen
Falsch abkassiert: Was Bremer als Kunden ärgert

Falsch abkassiert? Nicht nur das verärgert vielen Kunden.

dpa

Braucht es extra einen Weltverbrauchertag, um die Kunden auf ihre Rechte aufmerksam zu machen? Anscheinend schon, zumindest wird er an diesem 15. März zum 36. Mal begangen. Dass das notwendig ist, zeigen die Antworten der Bremer, die der WESER-KURIER spontan in der Bremer Innenstadt befragt hatte, wo sie sich in letzter Zeit als Kunden über den Tisch gezogen gefühlt haben, oder wo sie sich als Kunde geärgert haben.

So berichtet Kerstin Müller von einem Phänomen, das ihr schon mehrmals passiert ist: „Im Supermarkt wird ein anderer, höherer Preis abkassiert als der Angebotspreis aus dem Supermarktprospekt.“ Leider merke sie das meist erst, wenn sie wieder daheim sei und die Preise auf der Quittung mit denen im Prospekt vergleiche. Zu sehr darauf vertrauen, dass der Aktionspreis in den Kassen eingespeichert ist, könne man also nicht.

Tilo Balzer, der mit seiner kleinen Tochter durch die Innenstadt schlendert, ärgert sich als Kunde über mehrere Dinge: „Bei Kinderspielzeug werden die Inhaltsstoffe nicht ausreichend aufgelistet, und am Ende ist doch wieder etwas Krebserregendes drin enthalten.“ Und er ärgert sich über technische Geräte, die kurz nach Ende der Garantie ihren Geist aufgeben.

Diesel-Skandal

Tobias Schade wiederum ist 25 Jahre alt und hat sich vor einem Jahr einen gebrauchten Diesel gekauft. Er ärgert sich, dass zwar überall Hektik gemacht wurde, aber bisher nichts richtig im Sinne des Kunden unternommen wurde, um die betroffenen Autos auch wirklich nachzubessern: „Es gibt bisher keine Verbote, aber die wären auf der anderen Seite auch keine Lösung für die Kunden.“ Mehr als 6000 Euro habe sein Auto an Wert im Laufe des einen Jahres durch den Dieselskandal verloren.

Und Ingeborg Hesse-Preusche hat sich erst Dienstag richtig geärgert. In einem Geschäft in der Innenstadt (Name der Redaktion bekannt) wollte sie einen Drahtkorb und etwas Moos dazukaufen, als Osterkorb für ihren Garten. Damit der Draht nicht am Inneren ihrer Ledertasche kratzt, bat sie um ein Stück Seidenpapier. Der Papierstapel lag neben der Kasse: „Das lehnte der Filialleiter ab. Er sagte, wenn da jeder ankommen würde, wäre er bald pleite.

Daraufhin habe ich vom Kauf abgesehen. In einer anderen Filiale habe ich nachgefragt. Dort hätte man mir sofort einen solchen Bogen Einwickelpapier gegeben. Am nächsten Tag habe ich mich beim Filialleiter beschwert. Der meinte, dass ihn ein solcher Stapel Papier zwölf Euro kosten würde und er aus der Zentrale seine Vorgaben habe.“ Die Rentnerin zieht die Konsequenzen: „Dort gehe ich nicht mehr einkaufen.“

Und Jule Rußmeyer ärgert sich über den zu hohen Rundfunkbeitrag: „Das sind pro Jahr mehr als 200 Euro. Für mich als Studentin ist das ganz schön viel. Die Öffentlich-Rechtlichen sollen schon Geld bekommen, aber einen reduzierten Beitrag für junge Leute fände ich da passender.“

Energieberatung

Bei Letzterem kann selbst die Verbraucherzentrale Bremen nur schwer helfen, aber andere noch viel schwerwiegendere Fälle sind Alltag für die Experten am Altenweg 4 im Bremer Faulenviertel. Die meisten Beratungen gibt es zu hohen Strom- und Heizkosten. Mechthild Himmelreich sagt: „Bremen hat viele Miethaushalte, da ist das Dauerthema. Dabei ist oft Detektivarbeit erforderlich. Es gibt Fälle, wo festgestellt wird, dass die Teenager zu Dauerduschern geworden sind und dies bei elektrischer Warmwasserbereitung hohe Kosten verursacht, oder aber der Gefrierschrank zum Stromschlucker wird, weil er nicht dicht schließt und jetzt ein ungewollter dicker Eisansatz dort zu finden ist.“

Allein in der Energieberatung konnte die Verbraucherzentrale 2017 fast 3500 Ratsuchenden helfen. Bundesweit führe die Energieberatung zu jährlichen Einsparungen, die einem 50 Kilometer langen Güterzug voll beladen mit Steinkohle entsprechen. Die Energieberatung ist für den Weltverbrauchertag diesmal der Themenschwerpunkt aller Verbraucherzentralen, weil es diese Beratung nun seit 40 Jahren gibt. Von heute bis zum 15. April wird die Verbraucherzentrale kostenfreie stationäre Energieberatungen anbieten.

Die Verbraucher können sich zu allen Energiethemen vor Ort kostenfrei beraten lassen, wenn sie bei der Anmeldung das Stichwort „Weltverbrauchertag“ angeben. Außerdem sind alle Interessierten zu den Verbrauchercafés am 26. März in Bremerhaven, am 28. März in Bremen und am 10. April in Weyhe eingeladen. Dort geht es dann auch um den Strom- und Gasanbieterwechsel. Weitere Infos im Netz unter www.verbraucherzentrale-bremen.de.

Dass es am Ende auch kundenfreundliche Beispiele gibt, berichtet Anke Westermann aus Bassum: „Ich hatte ein Kleidungsstück von einem schwedischen Online-Mode-Shop nach der Zwei-Wochen-Frist zurückgeschickt und trotzdem problemlos mein Geld zurückerhalten.“ Also – es geht doch.

Zur Sache:

Seit 1983 wird der Weltverbrauchertag immer am 15. März begangen. Warum der 15. März? Das geht auf den ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy zurück. Der forderte am 15. März 1962 vor dem US-Kongress einige Verbraucherrechte ein. Er wollte, dass die Verbraucher besser vor betrügerischer oder irreführender Werbung und Kennzeichnung geschützt werden. Zusätzlich sollten die Bürger vor gefährlichen oder unwirksamen Medikamenten bewahrt werden und außerdem das Recht haben, aus einer Vielfalt von Produkten mit marktgerechten Preisen wählen zu können.

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