Minus von 32,3 Millionen Euro im Jahr 2012 / Nicht alle Studenten zahlen ihre Darlehen zurück Faule Kredite belasten Bilanz der Jacobs-Uni

Grohn. Heinz-Otto Peitgen bleibt dabei: Keine näheren Auskünfte zu den Gründen seines Rücktritts, kein böses Wort über seine Kritiker im Aufsichtsrat der Jacobs University, die seine Vorstellungen über den einzuschlagenden Konsolidierungskurs nicht teilten. Bei der gestrigen Pressekonferenz zum Jahresabschluss 2012 zeigte sich der scheidende Präsident überzeugt davon, dass sich die Grohner Privathochschule auf dem Weg der wirtschaftlichen Gesundung befindet.
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Faule Kredite belasten Bilanz der Jacobs-Uni
Von Jürgen Theiner

Heinz-Otto Peitgen bleibt dabei: Keine näheren Auskünfte zu den Gründen seines Rücktritts, kein böses Wort über seine Kritiker im Aufsichtsrat der Jacobs University, die seine Vorstellungen über den einzuschlagenden Konsolidierungskurs nicht teilten. Bei der gestrigen Pressekonferenz zum Jahresabschluss 2012 zeigte sich der scheidende Präsident überzeugt davon, dass sich die Grohner Privathochschule auf dem Weg der wirtschaftlichen Gesundung befindet.

Aus den Zahlen für 2012, als noch Peitgens Vorgänger Joachim Treusch die Verantwortung trug, war das freilich nicht herauszulesen. Im Gegenteil: Mit einem Jahresergebnis von minus 32,3 Millionen Euro erlebte die Jacobs-Uni das schlechteste Geschäftsjahr ihrer Geschichte. Schon das reine Betriebsergebnis, also ohne einmalige Sondereffekte und Zinssalden, war mit einem Minus von 21,1 Millionen Euro schlechter als das Vorjahresergebnis von 19,6 Millionen Euro.

Zwei weitere Faktoren verhagelten die 2012er-Bilanz vollends: zum einen hohe Rückstellungen für Instandsetzungsarbeiten an älteren Gebäuden, zum anderen Wertberichtigungen bei Forderungen gegenüber Studenten. Diese Positionen produzieren zusammen ein zusätzliches Minus von rund zehn Millionen Euro. Sie werfen zugleich ein Licht auf Probleme, die die Führung der Jacobs University in der Ära Treusch nie angesprochen hatte. Die Gebäudesubstanz der Uni ist zum Teil marode. Das betrifft unter anderem das Mercator- und das Krupp-College, die in früheren Bundeswehrgebäuden untergebracht sind. Diese Immobilien waren um die Jahrtausendwende für die damalige International University Bremen (IUB) saniert worden. Dort, wo theoretisch noch Gewährleistungsansprüche gegenüber den damals tätigen Baufirmen bestanden, sind diese offenbar nicht mehr durchzusetzen, weil die betreffenden Unternehmen insolvent sind.

Schwer einzutreiben sind offenbar auch die Außenstände bei einigen früheren Studenten, den sogenannten Alumni. Besonders in den Anfangsjahren des Lehrbetriebs nach 2001 hatte die damalige International University Bremen (IUB) an viele sozial schwache Studenten Darlehen zur Finanzierung der Studiengebühren ausgegeben. Viele von ihnen kehrten später in ihre zum Teil weit entfernten Heimatländer zurück. Die Rückzahlung der Darlehen gestaltet sich in einigen Fällen offenbar etwas holprig. In wie vielen Fällen die Schuldner nicht zahlen wollen oder können oder an ihren neuen Wohnorten überhaupt ausfindig zu machen sind – dazu machten Heinz-Otto Peitgen und sein Finanzchef Marc Janke gestern keine präzisen Angaben.

War das Geschäftsjahr 2012 auch bitter, im laufenden Jahr zeigen sich nach Ansicht der Jacobs-Spitze erste Konsolidierungserfolge. Voraussichtlich werde man beim Jahresergebnis 2013 gegenüber dem eingeplanten Budget eine Verbesserung von 3,5 Millionen Euro erreichen, beim Betriebsergebnis um 1,8 Millionen. Auch werde die Uni in der Lage sein, einen bestehenden 50-Millionen-Euro-Kredit des Landes Bremen in Jahresraten von rund einer Million Euro abzustottern. Bisher bediente die Uni nur die Zinsen für diese Summe.

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