Bericht der Allianz

Geldvermögen der Welt knackt 200-Billionen-Marke

Die Welt ist reicher geworden, trotz Corona. Das zeigt der Global Wealth Report der Allianz. Aber nicht alle profitieren von dieser Entwicklung
07.10.2021, 17:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Hartmann

Corona hat die Weltwirtschaft 2020 ausgebremst. Viele Länder stürzten in eine Rezession. Dennoch ist die Welt reicher geworden. Das Geldvermögen stieg weltweit um 9,7 Prozent, wie der Allianz Global Wealth Report ermittelt hat. Erstmals knackte es die 200 Billionen-Euro-Marke. Für das laufende Jahr soll es noch einmal um sieben Prozent wachsen. „Während die Wirtschaft Achterbahn fährt, kennt das globale Geldvermögen nur eine Richtung“, sagte Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran. Doch nicht alle profitieren gleichermaßen.

Für ihren zwölften Report wertet die Allianz Daten aus 57 Ländern aus. Dort entstehen rund 91 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. In diesen Ländern leben etwas mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung. Untersucht wird ausschließlich das Geldvermögen. Dazu zählen etwa Aktien, Investmentfonds und Anteile an Pensionsfonds sowie Bargeld und Lebensversicherungen. Abgezogen werden müssen noch Schulden wie Hauskredite. Immobilienbesitz fließt nicht in den Bericht ein.

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Grundsätzlich war 2020 trotz der Pandemie ein gutes Jahr für diejenigen, die bereits Geldvermögen besitzen. Sie profitierten vor allem von der Politik, die Geld bereitstellte, um Firmen zu stabilisieren und zu verhindern, dass Menschen in Arbeitslosigkeit oder Sozialhilfe abrutschten. Gleichzeitig fluteten die Notenbanken die Märkte weiter mit Geld. Das alles zusammen machte sich an den Börsen mit steigenden Kursen bemerkbar. Wegen der Lockdowns kam das öffentliche Leben fast zum Erliegen, die Menschen gaben entsprechend weniger Geld aus. Dieses erzwungene Sparen erhöhte die Vermögen ebenfalls kräftig.

Allein in Deutschland legte das Nettogeldvermögen um 7,5 Prozent zu, deutlich schneller als im Rest der Euro-Zone, wie Arne Holzhausen, Allianz-Experte und Mitautor der Studie, sagte. Überraschend auch für die Autoren der Studie: Die Deutschen sind dabei, ihren Ruf als Aktienmuffel abzulegen und investierten erstmals seit 2000 mehr Geld in Aktien und Fonds als in Pensionen und Versicherungen. Mit einem Anteil von gut einem Viertel machen Wertpapiere allerdings immer noch einen im Europavergleich geringen Anteil bei den Vermögen aus. Die Finnen haben 51 Prozent in Wertpapieren angelegt.

Weil die Deutschen in hohem Maße (45 Prozent) ihr Geld einfach auf niedrig bis gar nicht verzinsten Bankkonten liegen lassen, verliert das Vermögen angesichts der aktuell hohen Inflationsraten an Kaufkraft. Die Allianz bezifferte die Verluste auf rund sieben Milliarden Euro – im Monat.

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Insgesamt haben die Deutschen im Schnitt ein Nettovermögen von 61.760 Euro zur Verfügung, das reicht unter den untersuchten Ländern für Rang 18, einen Platz besser als im vergangenen Jahr. Auf Platz eins der Liste liegen die USA mit einem Durchschnittsgeldvermögen von 218.470 Euro vor der Schweiz mit 212.050 Euro. Auf Rang 3 Dänemark mit 149.240 Euro. Auch die Niederlande und Schweden finden sich weit vorn – Länder, in denen es anders als in Deutschland große Pensionsfonds gibt, über die die Einwohner fürs Alter vorsorgen. Ab einem Durchschnittsgeldvermögen von 49.700 Euro gilt ein Land als reich.

Auch der Ausblick für 2021 ist den Autoren des Reports zufolge positiv. Staatliche Hilfen werden weiter gezahlt, die Notenbanken deuten bisher nur an, dass sie die Zinsen anheben wollen und damit die Politik des billigen Geldes ein Ende hat.

Am stärksten legten 2020 die Geldvermögen in Osteuropa (19,1 Prozent) zu, gefolgt von Asien ohne Japan (12,7) und den USA (11,6). Wobei Asien über die Jahre betrachtet am meisten gewann, vor allem, weil die Mittel- und Oberschicht in China rasant wächst.

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Dem Bericht zufolge besaßen die reichsten zehn Prozent, etwa 520 Millionen Einwohner der untersuchten Länder, insgesamt 84 Prozent aller Geldvermögen, im Schnitt waren es 250.000 Euro. Das reichste Prozent hatte Zugriff auf 41 Prozent des gesamten Geldvermögens, im Schnitt auf 1,2 Millionen Euro.

Ganz anders sieht das am unteren Ende der Vermögensskala aus. Gut 2,6 Milliarden Menschen können demnach nur auf ein Prozent der Geldvermögen zugreifen. Etwa 30 bis 40 Prozent der Menschen verfügen der Allianz zufolge über keine nennenswerten Rücklagen, viele sind verschuldet. Diese Menschen sind aber nicht zwingend alle arm. Hier macht sich bemerkbar, dass der Report nur Geldvermögen untersucht. Unter den zehn Prozent der Menschen mit dem niedrigsten Vermögen sind viele, die hoch verschuldet sind, was nicht unbedingt auf Armut hindeutet, wie es im Report heißt. So gehörten Haushalte in Dänemark und Schweden zu den am höchsten verschuldeten weltweit, meist besäßen sie allerdings kreditfinanzierte Immobilien – ein deutlicher Unterschied zum Tagelöhner in Indien.

Auch wenn die Schwellenländer beim Geldvermögen kräftig zulegen, rechnen die Experten der Allianz damit, dass es für sie künftig schwieriger wird. Zum einen konnten die reicheren Länder dank Impfungen schneller durch die Krise steuern. Wegen der Digitalisierung, Geschäftsmodellen rund um große Datenmengen und der grünen Transformation könnten die Schwellenländer zudem ihren Vorteil nicht mehr so gut ausspielen, sagte Axel Holzhausen: ihre vergleichsweise günstige Arbeitskraft. Es bestehe die Gefahr, dass die Ungleichheit weltweit wieder zunehme.

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