Mit klassischen Sparprodukten droht Schrumpfen der Anlagen Finanzexperten raten zu Aktien

Wegen der niedrigen Zinsen müssen die Deutschen kräftige Einbußen hinnehmen. Die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) zehrt einen immer größeren Teil der Ersparnisse auf. Nur wer mehr Risiko eingeht, kann auf einen Ausgleich hoffen.
09.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl

Wegen der niedrigen Zinsen müssen die Deutschen kräftige Einbußen hinnehmen. Die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) zehrt einen immer größeren Teil der Ersparnisse auf. Nur wer mehr Risiko eingeht, kann auf einen Ausgleich hoffen.

„Die Niedrigzinspolitik führt zu einer realen Entwertung von Vermögen, wenn die laufende Verzinsung von Geldanlagen unterhalb der Inflationsrate liegt“, sagt Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. Das meiste Geld der Deutschen liegt auf Konten, die mit weit unter einem Prozent verzinst werden. Die Inflationsrate beträgt aber im bisherigen Jahresdurchschnitt 1,60 Prozent. Nach Berechnungen des Experten verlieren die Sparvermögen bei Banken in diesem Jahr real rund 14 Milliarden Euro an Wert. „Im nächsten Jahr ist sogar mit einem Vermögensverlust von 21 Milliarden Euro zu rechnen“, sagt Bargel.

Schnelle Änderung ist nicht in Sicht. Denn die EZB hat angekündigt, die Zinsen noch längere Zeit niedrig zu halten. Zwar hat sich die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen deutlich erhöht, ist aber mit 1,9 Prozent noch immer für eine Anlage für ein ganzes Jahrzehnt sehr niedrig. „Die Märkte für festverzinsliche Wertpapiere bewegen sich im Spannungsfeld zwischen der für längere Zeit sehr expansiven Geldpolitik und sich allmählich aufhellenden Konjunkturdaten“, sagt Bargel. Deshalb erwartet er keinen kräftigen Anstieg der Renditen.

Mit mehr Risiko gegen die Zinsfalle

Außerdem haben die Sparer von diesem Zinsanstieg kaum profitiert. Denn die Banken müssen mit ihren Sparbriefen dieser Entwicklung nicht automatisch folgen. „Ob die Banken nachziehen, hängt nicht nur von der Veränderung der Umlaufrendite ab“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Die Umlaufrendite misst die Rendite aller umlaufenden festverzinslichen Wertpapiere mit bester Bonität, also vor allem von Staatsanleihen. „Die Banken können sich unverändert zu sehr niedrigen Zinsen bei der EZB Geld leihen“, sagt Herbst. „Die Sparbriefzinsen zeigen keine Neigung, nach oben zu klettern.“ Wer sein Geld für vier Jahre anlegt, bekommt bei den besten Anbietern gerade einmal gut zwei Prozent.

Mit klassischen Sparprodukten kann man also dem Schrumpfen des Ersparten nicht entgegenwirken. Der Zinsfalle können Anleger nur entgehen, wenn sie mehr Risiko eingehen. Sie sollten nicht nur auf Tages- und Festgeld setzen, sondern auch auf Aktien, raten die Finanzexperten der Stiftung Warentest. Dazu sollten die Sparer neben sicheren Anlagen auch Aktienfonds berücksichtigen, die in der Wertentwicklung natürlich schwanken. Wer Zinspapiere mit Aktienfonds mischt, hat Chancen auf eine deutlich höhere Rendite. Das wird an Beispielrechnungen belegt.

Wer etwa von 10000 Euro Sparanlagen 1000 Euro abknapst, in einen Aktienfonds investiert und damit eine Aktienquote von zehn Prozent hat, kann über verschiedene Anlagezeiträume von fünf bis 15 Jahren mit einer durchschnittlichen Rendite von knapp sechs Prozent rechnen. Das haben die Experten der Stiftung an Hand von Modellrechnungen ermittelt. Dazu nutzten sie den Aktienindex MSCI Welt und den Anleiheindex Rex ein Jahr, der den Sparprodukten der Banken sehr nahe kommt.

Mit einer solchen Kombination kann auch ein Garantiedepot gebaut werden. Das heißt, am Ende der Laufzeit ist mindestens noch so viel Geld da wie am Anfang. Die Zinserträge gleichen mögliche Verluste im Aktienbereich aus. So können bei einer Anlage über fünf Jahre und einem Festzins von jährlich 1,5 Prozent fünf Prozent des Geldes in Aktienfonds gesteckt werden. Die Aktien könnten völlig wertlos werden, auch wenn das nicht zu erwarten ist.

Der Aktienanteil kann auch über einen Fondssparplan aufgebaut werden. Das vorgesehene Geld wird so Monat für Monat investiert, bis die vorgesehene Summe erreicht ist. Dann wird der Sparplan gestoppt. Fallen die Kurse gerade, können mehr Anteile erworben werden. Steigende Kurse bringen weniger Anteile in das Depot. So entsteht ein Durchschnittskosteneffekt und man entgeht der Gefahr, zu einem ungünstigen Zeitpunkt das gesamte Geld zu investieren. Günstige Konditionen für die Umsetzung bieten Direktbanken. So haben etwa ING-Diba oder der DKB Broker ein kostenloses Depot. Wichtig ist dann noch, dass die Fonds mit reduziertem oder ganz ohne Ausgabeaufschlag erworben werden können.

Besonders kostengünstig sind Indexfonds. Sie bilden einen Aktienindex wie den Deutschen Aktienindex (Dax) oder den MSCI World einfach nach. Für eine möglichst breite Streuung der Aktienanlage bietet sich der letztere Index an. Er enthält die größten börsennotierten Unternehmen der Welt, insgesamt 1600 Titel. Der Anteil deutscher Firmen liegt bei 3,6 Prozent. Die Experten der Stiftung Warentest empfehlen die Fonds db x-trackers MSCI World ETF oder I-Shares MSCI World. Wer schon Erfahrungen mit Aktienfonds gesammelt hat, kann auch aktiv gemanagte Fonds seiner Geldanlage beimischen. Je nach Risikobereitschaft kann auch der Anteil der Aktienfonds höher als zehn Prozent ausfallen.

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