IG Metall rückt Flexibilität und Work-Life-Balance in Fokus Fluch und Segen

Berlin. Flexible Arbeitszeiten können Fluch und Segen sein. Auf der einen Seite schwinden die Grenzen zwischen Feierabend und Arbeit zusehends.
14.09.2016, 00:00
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Fluch und Segen
Von Stefan Sauer

Berlin. Flexible Arbeitszeiten können Fluch und Segen sein. Auf der einen Seite schwinden die Grenzen zwischen Feierabend und Arbeit zusehends. Mittlerweile arbeitet jeder siebte Beschäftigte auch an Sonntagen. In flachen Hierarchien arbeiten hochqualifizierte Teams ähnlich wie selbstständige Unternehmer: in Eigenregie und nur dem Ergebnis verpflichtet. Damit aber geht auch erheblicher Termindruck einher – und Arbeit am Abend und an Wochenenden. Den Unternehmen geht es dabei um eine optimale Nutzung der Mitarbeiter-Ressourcen.

Auf der anderen Seite kommen flexible Arbeitsformen auch den Wünschen der Beschäftigten entgegen. Sie sind froh, bestimmte Tätigkeiten auch unterwegs oder von zu Hause aus erledigen zu können. Nur wer nicht an starre Acht-Stunden-Tage gebunden ist, kann sich die Zeiten für unterschiedliche Lebensbereiche nach eigenem Gusto einteilen. In der Beschäftigtenbefragung der IG Metall aus dem Jahr 2013 standen beide Seiten der Medaille ganz weit oben auf der Agenda der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Man möchte flexible Arbeitsformen, aber auch Regeln und Leitplanken, die die Arbeit einhegen. Ein Jahr vor der Bundestagswahl macht sich nun die IG-Metall das Thema zu eigen: Man will auf betrieblicher wie auf tarifvertraglicher Ebene zu konkreten Ergebnissen im Sinne der Beschäftigten gelangen.

Dabei ist es der größten deutschen Einzelgewerkschaft mit fast 2,3 Millionen Mitgliedern zunächst einmal wichtig, dass bereits geltende Bestimmungen eingehalten werden. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann verweist darauf, dass nach Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung jedes Jahr eine Milliarde Überstunden in Deutschland anfallen, die weder erfasst noch vergolten würden. Dass sich dies kurzfristig abschaffen ließe, glaubt die IG Metall nicht. Vielmehr soll eine langfristig angelegte Kampagne gemeinsam mit Betriebsräten vor Ort ein ordnungsgemäßes Arbeitszeitmanagement voranbringen.

Doch es geht um mehr: So können neue Technologien Vorteile für die Beschäftigten bieten. Denkbar ist beispielsweise eine App, mit der sich die Arbeitnehmer untereinander über den Tausch eines Schichtdienstes verständigen können. Einer solchen Schichtplanung in Eigenregie müssten allerdings die Arbeitgeber zustimmen. Ebenfalls an der Akzeptanz durch die Unternehmen hängt ein weiteres Anliegen: Die Betriebe müssten bereit sein, von den Beschäftigten geltend gemachte Arbeitszeiten von zu Hause aus oder am Feierabend anzuerkennen und zu vergüten. Weitere Forderungen erwartet die IG Metall aus einer Beschäftigtenbefragung ableiten zu können, die für das Frühjahr 2017 geplant ist.

Sie sollen dann in die Tarifverhandlungen einfließen, die im November 2017 beginnen. Es werde keine einheitliche Lösung für alle geben, aber für viele eine Lösung, heißt es in der IG Metall. Und dass man über die Tarifrunde hinaus einen langen Atem habe. Den wird die Gewerkschaft brauchen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall ruft zwar auch nach einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten, aber mit gänzlich anderer Stoßrichtung: Man will weg von den starren Schranken des Arbeitszeitgesetzes und unter anderem den Acht-Stunden-Tag abschaffen.

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