Wenn Airlines neue Ziele ansteuern

Flughafen Hamburg: Laute Flugzeuge bekommen Rabatte

Airlines müssen am Hamburger Flughafen weniger Lärmzuschlag, wenn sie neue Ziele ansteuern. Kritik kommt von der Linken, die von einem "Begrüßungsgeld" für laute Flieger spricht.
24.02.2016, 00:00
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Flughafen Hamburg: Laute Flugzeuge bekommen Rabatte
Von Markus Lorenz

Airlines müssen am Hamburger Flughafen weniger Lärmzuschlag, wenn sie neue Ziele ansteuern. Kritik kommt von der Linken, die von einem "Begrüßungsgeld" für laute Flieger spricht.

Der Hamburger Flughafen gewährt Airlines Rabatte auf den Lärmzuschlag, sofern sie neue Ziele ansteuern. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Deren Umweltexperte Stefan Jersch ist empört und spricht von einem „Begrüßungsgeld“ für laute Flieger.

Die Flughafenpolitik des Senats werde immer widersprüchlicher, wenn dieser einerseits Lärmreduzierung verspreche, zugleich aber „den schlimmsten Lärmverursachern enorme Rabatte auf Strafzahlungen“ einräume, findet Jersch. „Damit werden die lauten Flieger eingeladen, weiterhin Hamburg anzufliegen.“

Der Lärmzuschlag soll Fluggesellschaften eigentlich dazu bringen, in Fuhlsbüttel leiseres Gerät einzusetzen. Je mehr Krach eine Maschine laut Lärmklassifizierung verursacht, desto höher fällt die „Strafgebühr“ aus. Bei besonders alten und lauten Modellen kann der Betrag mehrere Tausend Euro pro Flug erreichen.

ASL Airlines profitiert - und setzt laute Boeing für die neuen Ziele ein

Laut Senatsantwort erlässt der Flughafen den Airlines für bestimmte Flüge in den ersten drei Betriebsjahren große Teile dieses Aufschlags. Bedingung: Es muss sich um Direktverbindungen zu Destinationen handeln, die bis dahin von Fuhlsbüttel aus nicht bedient wurden. Zum Umfang heißt es in der Antwort: „Derzeit profitieren im Rahmen des in der Entgeltordnung veröffentlichten Rabattprogramms für neue Strecken circa acht von rund 120 Strecken ab Hamburg von einem Rabatt zwischen 50 und 75 Prozent, den sie unter anderem auf den Lärmzuschlag erhalten.“ Bezuschusste Verbindungen sind unter anderem Porto, Antwerpen und Rotterdam.

Die Wirkung dieser Prämie sei fatal, urteilt die Bürgerinitiative gegen Fluglärm in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW). Nach ihren Angaben profitiert davon aktuell unter anderem die ASL Airlines, die ab Frühjahr Marseille, Lyon und Bordeaux mit einer Boeing 737-300 anfliegen will. Dieser Flugzeugtyp, so die BAW, sei letztmalig 1999 gebaut worden und zähle zu den lauteren Modellen auf dem Markt. Initiativensprecher Martin Model nennt den Wegfall der lärmabhängigen Zuschläge „skandalös“. Der Flughafen verteidigt die Rabatte. Diese seien in der Branche völlig üblich. Andere Airports gewährten teils höhere Abschläge.

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