IATA Flugverbot verursacht Milliardenschäden

Erst hat die Wirtschaftskrise die Luftfahrtbranche gebeutelt, dann haben die Flugverbote wegen der Vulkanasche ihr einen weiteren Schlag versetzt. Aber auch ganz andere Branchen haben unter dem Flugverbot gelitten. Einziger Trost: Es hätte noch viel schlimmer kommen können.
21.04.2010, 16:50
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Erst hat die Wirtschaftskrise die Luftfahrtbranche gebeutelt, dann haben die Flugverbote wegen der Vulkanasche ihr einen weiteren Schlag versetzt. Aber auch ganz andere Branchen haben unter dem Flugverbot gelitten. Einziger Trost: Es hätte noch viel schlimmer kommen können.

Frankfurt/Main (dpa) - Das beispiellose Flugverbot in Europa hat die Wirtschaft eine Milliardensumme gekostet. Allein die Fluggesellschaften schätzten den Umsatzausfall auf 1,3 Milliarden Euro. Bei Unternehmen wie BMW, Daimler, Opel oder Bosch gibt es Produktionsausfälle, weil dringend benötigte Lieferungen nicht mehr pünktlich per Luftfracht ankamen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte allerdings, der Schaden werde sich in Deutschland «in Grenzen halten». Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass die schlimmsten Befürchtungen eintreten, sagte er am Mittwoch bei der Vorlage der Frühjahrsprognose der Regierung.

Der Weltluftfahrtverband IATA schätzte den Umsatzausfall durch die sechstägigen Sperrungen bis Dienstag auf 1,7 Milliarden Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro). IATA-Präsident Giovanni Bisignani kritisierte die Flugverbote scharf: «Der Luftraum wurde auf Grundlage theoretischer Modelle gesperrt, nicht auf Grundlage von Fakten. Testflüge der Fluggesellschaften haben gezeigt, dass diese Modelle falsch waren.»

Bisignani forderte die europäischen Regierungen auf, Möglichkeiten eines Ausgleichs der Umsatzverluste zu prüfen. Es sei zwar keine Rettungsaktion notwendig. Aber vor allem kleine und mittlere Gesellschaften litten unter Liquiditätsproblemen, an denen sie nicht selbst schuld seien. «Die Regierungen sollten den Fluggesellschaften deshalb helfen», sagte er. Wegen der Wirtschaftskrise erwartet die Branche ohnehin hohe Verluste im laufenden Jahr.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sprach sich gegen Staatshilfen aus. «So bitter das für die Fluggesellschaften sein mag: Flugverbote gehören zum allgemeinen Geschäftsrisiko», sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann.

Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber sagte, die Einbußen durch das Flugverbot könne er noch nicht beziffern. Sie würden aber sicherlich «nicht gering» sein.

Am Mittwoch bremsten die Folgen der Flugausfälle unter anderem die Produktion des Autobauers Daimler. Einzelne Schichten in Sindelfingen seien ausgefallen, weil es Lieferengpässe gegeben habe, sagte eine Daimler-Sprecherin. Sie ging aber davon aus, dass sich die Lage wegen des wieder geöffneten Luftraums bald normalisieren werde. Auch bei Bosch standen in vier Werken für die Halbleiterproduktion die Bänder still, wie Geschäftsführer Bernd Bohr berichtete.

Bei BMW in Dingolfing in Niederbayern stoppten bereits zur Spätschicht am Dienstag die Bänder. Am Mittwoch standen auch in Regensburg und München die Bänder still. Insgesamt müsse die Fertigstellung von rund 7000 Autos verschoben werden, sagte ein Sprecher. Am Freitag werde die Produktion wahrscheinlich wieder anlaufen können. Opel legt am Donnerstag eine eintägige Produktionspause im Stammwerk Rüsselsheim ein. Weil Teile fehlten, müssen etwa 3000 Mitarbeiter zu Hause bleiben. Etwa 800 Fahrzeuge könnten deswegen nicht vom Band rollen, sagte ein Sprecher.

Aktien der Luftfahrtbranche verbuchten nach dem Ende der Sperre des europäischen Luftraums Gewinne. Die Papiere von Air Berlin lagen am Nachmittag mit einem Plus von 1,51 Prozent bei 4,16 Euro. Aktien des Flughafenbetreibers Fraport stiegen um 0,53 Prozent auf 40,10 Euro. Die Lufthansa-Papiere pendelten dagegen nach Gewinnen am Vormittag um den Vortagsschluss.

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