Vulkane Flugverbote lassen erste Bänder stillstehen

Frankfurt/Main. Nach den europaweiten Einschränkungen des Flugverkehrs stehen in Deutschland die ersten Bänder still. BMW unterbrach am Dienstag seine Produktion. Aus der Luftfahrt-Industrie wurden bereits erste Rufe nach staatlichen Hilfen laut.
20.04.2010, 17:00
Lesedauer: 3 Min
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Frankfurt/Main. Nach den europaweiten Einschränkungen des Flugverkehrs stehen in Deutschland die ersten Bänder still. BMW unterbrach am Dienstag seine Produktion. Aus der Luftfahrt-Industrie wurden bereits erste Rufe nach staatlichen Hilfen laut.

Die beiden größten deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin erklärten allerdings, derzeit werde man noch keine Forderungen an die Politik herantragen. Bei BMW in Dingolfing in Niederbayern wurden zur Spätschicht die Bänder gestoppt, weil es Lieferengpässe bei Elektronikbauteilen gab. Diese werden sonst per Luftfracht geliefert und kamen nicht an.

Am Mittwoch sollten auch in Regensburg und am Donnerstag in München die Bänder stillstehen, sagte ein Sprecher. Insgesamt müsse die Fertigstellung von rund 7000 Fahrzeugen verschoben werden. Bisher geht BMW davon aus, die Produktion am Freitag wieder aufnehmen zu können. Bei VW und Opel lief die Produktion nach Angaben der Unternehmen dagegen ohne Einschränkungen.

Der europäische Verband der Flughäfen ACI Europe und der Verband der Fluggesellschaften AEA forderten eine «angemessene Antwort auf europäischer Ebene». Die Unternehmen verlangten von ihren jeweiligen Staaten Finanzspritzen für Notfall- Leistungen wie beispielsweise Verpflegung und Übernachtungen für gestrandete Passagiere. Dies müsse europaweit abgestimmt werden.

«Allein die Flughäfen haben in den vergangenen fünf Tagen mindestens 200 Millionen Euro verloren», sagte ein Sprecher von ACI Europe. Bereits in einigen Wochen könnten einige der rund 150 Airlines in Europa pleite sein, schätzte der Verband AEA, in dem alle großen europäischen Fluglinien organisiert sind. In einer gemeinsamen Mitteilung sprachen die Verbände von «der schlimmsten Blockade der europäischen Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg.»

Die EU-Kommission hatte bereits in Aussicht gestellt, die Auflagen für staatliche Subventionen zu lockern und Beihilfen schneller zu genehmigen. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas kündigte an, zu diesem Zweck eine «Task-Force» zusammen mit den Kommissaren Joaquín Almunia (Wettbewerb) und Olli Rehn (Währung) bilden. Konkrete Zahlen nannte Kallas bei der Sonderdebatte am Dienstag im Europaparlament in Straßburg nicht.

Der Vorstandschef von Air Berlin, Joachim Hunold, sagte im Deutschlandfunk, noch gebe es keine konkrete Schadenssumme. «Tatsache ist, dass wir natürlich riesige Verluste erleiden.» Auf die Frage, ob Air Berlin möglicherweise staatliche Hilfen beantragen werde, sagte Hunold: «Wenn wir zum Normalbetrieb zurückgekommen sind, werden wir sicherlich ein Fazit ziehen und dann gucken, ob wir nicht hier eine vergleichbare Situation haben mit den Terroranschlägen vom September 2001.» Damals gab es Notfallhilfen für Fluggesellschaften.

Die CSU im Bundestag lehnte spezielle Hilfen für Flugunternehmen ab. «Zunächst gibt es keinen Grund für irgendwelche Sonderhilfen», sagte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. Die Folgen des Vulkanausbruchs auf Island gehörten «zum allgemeinen Geschäftsrisiko». Im Rahmen der üblichen Instrumente könnten aber Fluggesellschaften oder andere Firmen Liquiditätshilfen beantragen, sagte Friedrich.

Mietwagenfirmen, Taxi- und Busunternehmen profitieren hingegen weiter vom Flugchaos in Europa. Allerdings können viele Aufträge nicht angenommen werden. So schätzt der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO), dass nur ein Teil der rund 5000 Busunternehmen von der außergewöhnlichen Situation profitiert. Hauptproblem sei, dass viele nicht so flexibel auf die Nachfrage reagieren können.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte am Vortag erklärt, den deutschen Unternehmen entgingen durch das Flugverbot täglich rund eine Milliarde Euro an Geschäftsvolumen allein im Außenhandel. Nach Schätzungen des Luftfahrtverbandes IATA haben die Airlines in Europa täglich Einnahmeausfälle von mindestens 150 Millionen Euro, möglicherweise aber auch mehr als 200 Millionen Euro. Hinzu kämen Mehrkosten für die Betreuung der Passagiere und das Umorganisieren der Flotte. (dpa)

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