Große Binnenschiffe können jetzt Mittelweser passieren Freie Fahrt bis Basel

Bremen. Großmotorgüterschiffe (GMS) sind in der Binnenschifffahrt auf vielen Wasserstraßen längst Standard. Auf der 150 Kilometer langen Mittelweser zwischen Bremen und Minden konnten diese 110 Meter langen Schiffe bislang nicht fahren.
15.06.2017, 00:00
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Freie Fahrt bis Basel
Von Peter Hanuschke

Bremen. Großmotorgüterschiffe (GMS) sind in der Binnenschifffahrt auf vielen Wasserstraßen längst Standard. Auf der 150 Kilometer langen Mittelweser zwischen Bremen und Minden konnten diese 110 Meter langen Schiffe bislang nicht fahren. Das wird sich ab Sommer ändern: Am 18. August wird die umfangreich umgebaute Schleuse in Minden für den Verkehr freigegeben. Und dadurch kann die Weser-Wasserstraße komplett von Bremerhaven bis Minden weiter über den Mittellandkanal – theoretisch auf weiteren Wasserwegen bis Basel – von GMS genutzt werden. Bislang war die Schleuse nur für sogenannte Europaschiffe mit einer Länge von 85 Metern ausgelegt.

Seit mehr als 30 Jahren wird am Ausbau der Mittelweser geplant und gearbeitet. Die Kosten für Schleusenumbauprojekte, Kurvenbegradigungen und Uferrückverlegungen in Höhe von etwa 250 Millionen Euro tragen zu einem Drittel Bremen und zu zwei Dritteln der Bund. Von 19 geplanten Fahrwasseraufweitungen und Uferrückverlegungen sind zehn abgeschlossen. Dabei sollte es bislang auch bleiben, ganz zum Ärger der verladenden Wirtschaft, die befürchtet, dass dadurch noch weniger Begegnungsverkehre von GMS als ursprünglich geplant auf der Mittelweser möglich sind. Bremen und der Bund hatten sich auf diese sogenannte Basisvariante geeinigt.

Jetzt soll nachgelegt werden, versprach Enak Ferlemann (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, am Mittwoch: Man werde im Bereich Dörverden und bei Drakenburg jeweils drei weitere Uferrückverlegungen vornehmen. Nach derzeitiger Planung sei das voraussichtlich 2022 abgeschlossen. Das sei ein klares Signal an die Wirtschaft, so Ferlemann. Die Planfeststellung gebe es für diese Maßnahmen bereits und auch die Finanzierung stehe.

Und das Signal kommt offenbar positiv in der Wirtschaft an: „Die Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums wird begrüßt und ist ein Erfolg jahrelanger Bemühungen der vom Mittelweserausbau betroffenen Hafenverkehrsunternehmen und ihrer Verbände in Niedersachsen und Bremen“, so Klaus Wedemeier, Vorsitzender beim Wirtschaftsverband Weser und Bürgermeister a.D. Allerdings wäre es nur konsequent, wenn auch die drei weiteren noch offenen Uferrückverlegungen realisiert würden, ergänzt Ralf Rüdiger Heinrich, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes. Denn eine Kette sei nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Ebenso müssten weitere Maßnahmen getroffen werden, um die Mittelweser auch auf dem Abschnitt hinter Nienburg bis Minden und weiter in einen Zustand zu versetzen, der eine wirtschaftliche Fahrweise der GSM ermögliche. Eine generelle Befahrbarkeit herzustellen, reiche noch nicht aus, um das ganze Entwicklungspotenzial in der Region für das Projekt Mittelweser künftig freizusetzen.

Auch Bremens Bürgermeister Carsten Sieling hatte sich in Sachen Mittelweser für weitere Uferrückverlegungen eingesetzt, und zwar in einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, den Sieling bei der diesjährigen Schaffermahlzeit im Februar gesprochen hatte. In dem Brief heißt es unter anderem: „Mein Eindruck aus den Unterlagen und Gesprächen ist, dass sich mit dem bislang beabsichtigten Ausbaustandard das erhoffte Potenzial der Mittelweser als Verkehrsträger nicht vollständig ausschöpfen lässt.“

Was die Uferrückverlegungen angeht, könnte Bremen es hinbekommen, sich nicht an diesen Kosten beteiligen zu müssen, sagte der Staatssekretär bei der Vorstellung der Pläne im Bremer Wasser- und Schifffahrtsamt. Mit der Verkehrsfreigabe der Schleuse in Minden sei die Basisvariante abgeschlossen, somit seien auch die 1988 getroffenen Vereinbarungen zwischen Bund und Bremen erfüllt. „Der Bund schlägt vor, dass er künftig alle Kosten für die Bundeswasserstraße Mittelweser trägt“, so Ferlemann. Bremen wäre dann raus, allerdings nur, wenn Bremen künftig die Bewirtschaftung unter anderem von Hamme und Lesum übernehmen würde, die bislang noch als Bundeswasserstraßen gezählt werden. „Über dieses Tauschgeschäft verhandeln wir derzeit.“ Komme eine Einigung nicht zustande, bleibe es bei der Mittelweser bei der Drittel-Lösung.

Unabhängig davon, ob Bremen sich darauf einlässt, wird der Bund entlang der Mittelweser in den nächsten Jahren 120 Millionen Euro investieren, um damit fünf Wehre zu sanieren, alte Schleusentore zu ersetzen und in etlichen Schleusenvorhäfen die Dalben und Leitwerke zu erneuern. „Wir wollen damit die Entwicklung des Containerverkehrs nachhaltig unterstützen“, so Ferlemann. Ziel sei es, noch mehr Lkw-Ladung aufs Binnenschiff zu bekommen. Man rechne damit, dass zunächst 10 000 Standardcontainer (TEU) auf der Mittelweser pro Jahr transportiert werden. Jetzt seien es ein paar Hundert.

Profitieren werde die Schifffahrt künftig außerdem durch die neue Leitzentrale in Minden, ist Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, überzeugt. Alle Schleusen ­zwischen Bremen und Minden sollen ab dem Jahr 2020 von einer Leitzentrale aus bedient werden. „Mit der neuen Leitzentrale können auch die Betriebszeiten ausgedehnt werden, sodass Fahrtunterbrechungen auf der Strecke zwischen Bremen und Minden sich verringern werden.“

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