Karstadt-Filiale in Bremerhaven schließt

Galeria Kaufhof in Bremen macht zu

Das Aus für Galeria Kaufhof trifft etliche Mitarbeiter. Und auch für die Bremer Innenstadt wird es wohl Folgen haben. Experten mahnen zu Eile.
19.06.2020, 21:01
Lesedauer: 4 Min
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Galeria Kaufhof in Bremen macht zu
Von Stefan Lakeband

Es ist ein schwerer Schlag für Hunderte Mitarbeiter und die Innenstadt: Galeria Kaufhof schließt seinen Standort in Bremen. Darüber wurden die Mitarbeiter am Freitag informiert. Auch in Bremerhaven zeigt sich der Sparkurs des angeschlagenen Warenhauskonzerns: Hier wird die Karstadt-Filiale geschlossen.

Von der Entscheidung sind in beiden Städten rund 150 Beschäftigte betroffen. Bundesweit treffen die Einsparungen etwa 5300 der rund 28.000 Mitarbeiter – von den 172 Filialen müssen 62 schließen. „Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden“, sagt der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz, der den Konzern sanieren soll. Letztlich gehe es darum, das Unternehmen und damit viele Tausend Arbeitsplätze zu sichern.

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Erhalten bleiben die Karstadt-Filiale in der Obernstraße sowie Karstadt Sport in der Sögestraße. Für die Letztere ist das Schicksal weiterhin offen: Mehr als zwei Drittel der rund 30 Karstadt-Sport-Zweigstellen gelten als gefährdet. Auch Galeria Kaufhof in Oldenburg bleibt geöffnet. In Niedersachsen ist hingegen das Ende der Kaufhof-Niederlassungen in Braunschweig und Osnabrück sowie von Karstadt-Geschäften in Goslar und Hannover besiegelt. In Hamburg machen vier von sieben Karstadt-Kaufhof-Häusern zu.

Umsatzeinbußen bis zu 1,4 Milliarden Euro

Nach eigenen Angaben ist Galeria Karstadt Kaufhof durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte daher Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Das Unternehmen rechnet durch die anhaltende Krise und den durch sie ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.

Für die Gewerkschaft Verdi ist die Schließung der Häuser in Bremen und Bremerhaven „ein Schlag ins Gesicht“ für alle Beschäftigten. Nach mehr als 16 Jahren der Sanierung und des damit verbundenen Gehaltsverzichts stünden nun die Existenzen von 144 Mitarbeitern auf dem Spiel. Tobias Uelschen, Gewerkschaftssekretär bei Verdi in Bremen, warnt davor, allein die Corona-Krise für die aktuelle Situation verantwortlich zu machen. Sie habe die Lage zwar noch einmal verschlimmert, aber „die Fehler sind hausgemacht“.

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Trotz der getroffenen, harten Einschnitte sind sich Handelsexperten nicht sicher, ob der Konzern in dieser Form eine Zukunft hat. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sagt: „Galeria Karstadt Kaufhof will mit 110 Warenhäusern weitermachen. Die meisten Experten gehen aber davon aus, dass auf Dauer nur rund 80 Warenhaus-Standorte überlebensfähig sind. Das dürfte deshalb noch nicht das Ende des Warenhausschrumpfens sein.“

Krise längst nicht beendet

Auch Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sieht die Krise beim Warenhauskonzern längst nicht beendet. Die Schließungen bezeichnet er als „Zeichen der Ratlosigkeit“ und fügt hinzu: „Jetzt haben sie sich noch einmal Luft verschafft. Aber wie lange das trägt, ist durchaus die Frage.“

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hatte bis zuletzt auf eine andere Entscheidung der Konzernführung gehofft. Anfang Juni hatte er sich zusammen mit Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) an den Kaufhof-Karstadt-Sanierer Geiwitz gewandt und für den Erhalt der Häuser in Bremen geworben. „Das ist kein guter Tag für Bremen und Bremerhaven“, kommentiert Bovenschulte die Entscheidung am Freitag. Auch Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) bedauert das Aus für die Standorte. „Nicht nur der Verlust der Arbeitsplätze schmerzt, sondern auch die Situation in der Innenstadt kann durch diese Entscheidung geschwächt werden.“

Wie sehr das Ende von Galeria Kaufhof die Bremer Innenstadt treffen wird, ist noch nicht abzusehen. Laut Carolin Reuther, Geschäftsführerin der City-Initiative, ist aber klar: „Warenhäuser sind ein wichtiger Anker.“ Daher müsse man schnell Gespräche mit Investoren führen, um die frei werdende Fläche neu zu nutzen.

Diese Meinung teilt Karsten Nowak, Geschäftsführer für den Bereich Einzelhandel bei der Bremer Handelskammer. „Alles ist besser als ein langer Leerstand“, sagt er. Man müsse sich jetzt noch intensiver mit der Weiterentwicklung der Innenstadt beschäftigen. Er hält für den Übergang eine Zwischennutzung, wie sie bis Mitte 2018 mit dem Citylab im Lloydhof umgesetzt wurde, für denkbar. Für eine langfristige Perspektive der Innenstadt brauche es aber Ideen, die weit über den klassischen Einzelhandel hinausgingen. „Die Herausforderung ist heute noch ein Stück größer geworden“, sag Nowak.

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Schon vor der Entscheidung von Freitag war klar, dass sich die Bremer Innenstadt im Umbruch befindet: Christian Jacobs, Spross der Kaffeedynastie, will dort das sogenannte Balge-Quartier errichten; auch der Bremer Bauunternehmer und Investor Kurt Zech hat große Pläne. Er will das Parkhaus Mitte und den denkmalgeschützten Bau von Karstadt – beide Immobilien gehören ihm bereits – zusammen mit dem Gebäude von Galeria Kaufhof entwickeln.

(mit dpa)

+ + + Dieser Artikel wurde am 19. Juni um 20.37 Uhr aktualisiert + + +

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