Gastkommentar

Die Zukunft geopolitisch denken

Der Rohstoffmangel hat teilweise weltweite Auswirkungen. Er kann eine Lehre sind: Wichtige Zukunftsfragen müssen geopolitisch gedacht werden, meint Gastautor Ulf Brothuhn.
25.09.2021, 16:37
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulf Brothuhn

Die Corona-Pandemie hat einen ungeklärten Ursprung. Ob es chinesische Fledermäuse waren oder ob es doch ein Labor war, wird sich wohl niemals aufklären lassen. Auf jeden Fall gibt es aufgrund dieser Pandemie verschiedene Folgewirkungen, die uns Menschen vor Herausforderungen stellen.

Die wirtschaftlichen Folgen sind erkennbar: Rohstoffe haben sich deutlich verknappt. Ein dramatischer Preisanstieg war und ist die Folge. Handwerksbetriebe können ihre Aufträge nicht abarbeiten, Baustellen stehen teilweise still, weil es am notwendigen Material mangelt. Und auf Neuwagen muss man aktuell bis zu zwölf Monate warten. Dass man auf einen Trabi in der DDR gut 18 Jahre warten musste, ist hinlänglich bekannt – Materialmangel durch Planwirtschaft. Dies und die in der Pandemie eingeschränkten Freiheiten könnten dazu verleiten, die aktuelle Situation zumindest entfernt mit der in der DDR zu vergleichen. Dieser Vergleich hinkt aber gewaltig: weil wir Gott sei Dank in einem freien Staat auf Basis der sozialen Marktwirtschaft leben.

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Gefahren für die Zukunft gibt es in geopolitischen Risiken. Zum Beispiel beim strategischen Bewältigen eines nachhaltigen Wirtschaftens, um mit einem Gleichklang von Ökologie und Ökonomie die Klimaziele weltweit zu erreichen. Als freiheitlich orientierter Mensch muss man sich um die Entwicklung in China sorgen. Das Desaster, das Teile der westlichen Welt in Afghanistan für die freiheitsliebenden Menschen dort angerichtet haben, ist zutiefst beschämend. Freiheit muss stets verteidigt oder neu erkämpft werden. Dies gilt insbesondere wegen der großen globalen Herausforderung, dem Klimawandel.

Es ist richtig, dass eine starke wirtschaftliche Nation wie Deutschland – mit einem starken Mittelstand und einer starken Industrie – ein Vorreiter und Vorbild bei der Erreichung der Klimaziele sein muss. Aber es ist auch wichtig für den Planeten, die Dinge geopolitisch zu denken. Auch um teilweise weltweite Engpasssituationen, wie aktuell, besser meistern zu können.

Das bedeutet: Es darf keine Verbote oder Eingriffe in funktionierende sozial-marktwirtschaftliche Systeme geben, sondern es müssten Anreize geschaffen werden. Geld sollte in Bildung, Forschung und Entwicklung investiert werden, um neue Technologien für ein klimaneutrales Wirtschaften zu entwickeln. Diese sollten allen Ländern dieser Erde zur Verfügung stehen. Wenn das gelingt, werden wir über die Probleme steigender Rohstoffpreise, knapper werdender Baustoffe und das lange Warten auf Autos nur müde lächelnd zurückblicken.

Zur Person

Unser Gastautor

sitzt seit 2009 im Vorstand der Bremischen Volksbank. Seit 2013 ist er dessen Vorsitzender. Ulf Brothuhn ist in Haldensleben bei Magdeburg aufgewachsen.

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