Kommentar über Gastronomen und Hoteliers

Die Wirtschaftlichkeit stößt an ihre Grenzen

Eine Branche, an die ohnehin große Anforderungen gestellt werden, stößt mit der Umsetzung der Corona- Auflagen nicht an ihre Grenzen. Wohl aber in punkto Wirtschaftlichkeit, meint unser Gastautor Detlef Pauls.
05.07.2020, 08:11
Lesedauer: 2 Min
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Von Detlef Pauls
Die Wirtschaftlichkeit stößt an ihre Grenzen

Stephanie Llynch serviert Cocktails an einem Tisch vor der Cocktailbar "Limonadier" im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Nach der Corona-bedingten Schließung dürfen Kneipen vielerorts wieder öffnen. Doch die früheren Gästezahlen werden nicht erreicht.

Carsten Koall/DPA

Da ist ein Lichtlein am Ende des Tunnels – aber genau genommen handelt es sich dabei um eine Kerze. Alle können helfen, dass ein Feuer daraus wird. Mitte Mai durfte die Gastronomie wieder eingeschränkt ihre Türen öffnen, und auch Hotels dürfen wieder touristisch Reisende aufnehmen.

Endlich können Hoteliers und Gastronomen wieder ihrer eigentlichen Bestimmung nachgehen und Gästen eine schöne Zeit bescheren. Dabei sind sie sich der Verantwortung gegenüber Gästen, Mitarbeitern und der Gesellschaft insgesamt sehr bewusst. Eine Branche, an die ohnehin – und vollkommen zu Recht – große Anforderungen im Hygiene- und Arbeitsschutzbereich gestellt werden, stößt mit der Umsetzung der Corona- Auflagen nicht an ihre Grenzen. Wohl aber mit der Wirtschaftlichkeit unter diesen Voraussetzungen. Aufgrund der Schließung von Kulturbetrieben, Absagen von Großveranstaltungen und dem unterschwelligen Verbreiten eines Panikmodus bleiben die Gäste weiterhin aus.

Die Verluste, die im Bereich der Gastronomie und Hotellerie in den letzten Wochen entstanden sind, sind astronomisch. Die Möglichkeit, diese wieder einzufahren, gibt es schlichtweg nicht. Die nicht in Anspruch genommene Leistung kann nicht später doppelt verkauft werden. Daher wäre ein Rettungsfond für die betroffenen Betriebe elementar und zumindest ein Zeichen gewesen, dass sie nicht geopfert werden.

Da helfen jetzt auch die wohl gut gemeinten Überbrückungshilfen nicht wirklich weiter. Erst nachdem weitere drei Monate ein Umsatzminus von mindestens 40 Prozent eingefahren wird, dürfen diese Hilfen überhaupt beantragt werden. Und das nicht schnell und unkompliziert, sondern über – gut bezahlte – Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Zur Auszahlung kommen die Gelder dann eventuell im Spätherbst. Die kleine Flamme wird in dieser Zeit zum Flämmchen.

Nichts geht über schöne Stunden in der Gastronomie. Und auch die Hotels in Deutschland lohnt es, zu entdecken. Gastronomie und Hotellerie bieten die Möglichkeit, abzuschalten und sich zu erholen. Ein wichtiger Bestandteil des Lebens – schon immer und in der jetzigen Zeit im Besonderen. Gastronomen und Hoteliers sind mit Hingabe Gastgeber. Und mit ihren mehr als 2,4 Millionen Mitarbeitern verteilen Sie diese Gastfreundschaft über das ganze Land.

Mein Appell an alle Bremerinnen und Bremer: Ihre Hilfe wird dringend benötigt, gehen Sie in die Betriebe dieser Branche. Damit die Kerze am Ende nicht erlischt.

Info

Zur Person

Unser Gastautor

ist Landespräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Bremen sowie Mitglied des Bundesvorstands. Der 56-Jährige ist Inhaber von zwei Hotels in Bremen.

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