Streik der Lokführer

GDL lehnt Schlichtungsangebot der Bahn ab

Eine Schlichtung ist vom Tisch, die Lokführer streiken wie geplant. GDL-Chef Weselsky lehnte ein kurzfristiges Angebot der Deutschen Bahn ab. Ab Donnerstagfrüh sind auch Personenzüge betroffen.
04.11.2014, 07:01
Lesedauer: 3 Min
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GDL lehnt Schlichtungsangebot der Bahn ab

Weil Lokführer streiken wollen, werden wohl bis Montagmorgen viele Züge der Deutschen Bahn ausfallen. Foto: Holger Hollemann/dpa

dpa

Die Lokführergewerkschaft GDL hat auch ein in letzter Minute vorgelegtes Angebot der Deutschen Bahn für ein Schlichtungsverfahren abgelehnt. Der angekündigte Streik werde wie geplant verwirklicht, sagte Gewerkschaftschef Claus Weselsky.

Er begründete die Ablehnung mit der Art der Auseinandersetzung: Es gehe derzeit nicht um eine Lohnerhöhung oder eine Arbeitszeitverkürzung, sondern um "grundgesetzlich verbriefte Rechte" der Gewerkschaft. Auf das "Scheinangebot" der Bahn wolle man nicht eingehen.

Damit werden bis Montag auch Passagiere in Bremen und Niedersachsen vom längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn betroffen sein. An diesem Mittwoch begann um 15 Uhr der Ausstand im Güterverkehr. Der Personenverkehr soll von Donnerstag um 2 Uhr an für vier Tage lahmgelegt werden. Betroffen sind dann Fern- und Regionalzüge, aber auch die S-Bahnen der Deutschen Bahn. Am Montagmorgen soll um 4 Uhr der Streik beendet werden.

Private Bahnen fahren - Fernbusse als Alternative

Betroffen sollen alle Züge der Deutschen Bahn sein, private Anbieter wie der Metronom oder die Nordwestbahnen fahren allerdings. Das sieht Ingo Franssen von Fahrgastverband ProBahn Bremen als großen Vorteil der Hansestadt. "Natürlich wird der Streik auch die Bremer unangenehm treffen. Aber Bremen hat gegenüber anderen Standorten den Vorteil, dass von hier aus auch einige Bahn-Mitbewerber fahren", sagte er. Diese seien jedoch auch von Verspätungen betroffen.

"Nach Hamburg, Hannover und zu kleineren Bahnhöfen in der Region kommen Reisende deshalb trotz Streik problemlos. In Baden-Württemberg etwa, wo die Deutsche Bahn fast 100 Prozent des Regionalverkehrs bedient, sind Reisende schlechter dran", so Franssen.

Um das hohe Fahrgastaufkommen zu bewältigen, plane der Metronom auch Halte an S-Bahnstationen südlich von Hannover und zwischen Hamburg-Harburg und Buxtehude einzurichten, teilte ein Sprecher mit. Von Donnerstag bis Sonntag werden zusätzlich die Haltestellen Bismarkstraße, Messe Laatzen, Rethen, Barnten, Neugraben, Fischbeck und Neu Wulmsdorf bedient.

Eine Alternative sind auch Fernbusse: "Wir rechnen mit 50 Prozent mehr Buchungen und werden rund 20 bis 30 Prozent zusätzliche Busse einsetzen", sagte Christine Rettig, Sprecherin des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Auch das Unternehmen MeinFernbus hat bereits weitere Busse organisiert. "Wir werden für jeden Streiktag rund 100 zusätzlich Fahrten anbieten", sagte Sprecher Florian Rabe. Die Buchungen hätten sich bereits vervierfacht, vor allem von Großstädten aus sei die Nachfrage extrem gestiegen. Das bestätigt auch der Anbieter FlixBus. Das Unternehmen organisiert Zusatzbusse auf den Linien Wilhelmshaven - Berlin und Hamburg - Frankfurt.

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Erstattungen und Umtausch – Rechte als Fahrgast

Wer aber auf die Deutsche Bahn angewiesen ist, hat trotz Streiks einige Rechte als Fahrgast. Unter anderem erstattet der Konzern wie üblich bei einer Verspätung ab einer Stunde 25 Prozent des Fahrpreises. Tickets, die für ausgefallene Regionalzüge gelten, können auch in höherwertigen Zügen genutzt werden. Hier lesen Sie mehr über Ihre Rechte als Fahrgast.

Vom Bahnstreik werden wahrscheinlich nicht nur Urlauber betroffen sein, sondern auch viele Fußballfans, die zu Auswärtsspielen ihrer Mannschaft fahren. Um dennoch nicht auf die Unterstützung der Fans verzichten zu müssen, setzen einige Vereine unter anderem Busshuttles ein. Autovermieter und Fernbusunternehmen stellen sich auf eine erhöhte Nachfrage ein, weil viele Reisende wahrscheinlich auf diese Alternativen zurückgreifen werden.

DGB kritisiert Gewerkschaftschef

Schon bevor am gestrigen Dienstag die genaue Zeit des Streiks bekannt geworden ist, hatte es viel Kritik an der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) und ihrem Chef Claus Weselsky gegeben. "Wir setzen uns dafür ein, gemeinsam im Rahmen einer Tarifgemeinschaft zu vernünftigen Lösungen zu kommen", sagte beispielsweise der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann , in der ARD. "Das hat Herr Weselsky leider zu meinem Entsetzen abgelehnt". Die konfrontative Linie der GDL sehe er "sehr skeptisch".

GDL-Chef spricht von "Hetzkampagne"

Gewerkschaftsvorstand Weselsky sprach von einer "Hetzkampagne", die gegen die Gewerkschaft und ihn stattfinde. "Das, was hier als Medienkampagne gemacht worden ist, ist schlimm genug, weil wir mit unseren rechtmäßigen Streikmaßnahmen in die Nähe von Terroristen gestellt worden sind. Und das haben weder Lokführer noch Zugbegleiter verdient", sagte Weselsky.

Gegen den GDL-Chef richten sich, wie schon beim letzten Streik, zahlreiche Internet-Kommentare. Viele User sprechen sich aber auch gegen eine "Hetzkampagne" aus - hier haben wir einige repräsentative Kommentare für Sie zusammengestellt.

(dpa/map/afp/stl)

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