Gutachter sehen höhere Förderung in Blumenthal kritisch Gefahren für das Trinkwasser

Blumenthal. Die Nordbremer Wirtschaft hält nichts von der geplanten Ausweitung des Blumenthaler Wasserschutzgebietes. Neu ist das nicht, doch jetzt verfügen die Gegner der Pläne von Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) über zusätzliche Munition gegen das Vorhaben.
20.09.2013, 00:00
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Gefahren für das Trinkwasser
Von Jürgen Theiner

Die Nordbremer Wirtschaft hält nichts von der geplanten Ausweitung des Blumenthaler Wasserschutzgebietes. Neu ist das nicht, doch jetzt verfügen die Gegner der Pläne von Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) über zusätzliche Munition gegen das Vorhaben. Das Unternehmerforum Bremen-Nord hat die amtlichen Unterlagen für die Schutzgebietsausdehnung von einem Oldenburger Fachbüro unter die Lupe nehmen lassen. Die Geologen kommen zu der Einschätzung, dass die beabsichtigte Steigerung der Wasserförderung durch den Versorger swb die Qualität des Trinkwassers gefährden könnte.

Bereits 2008 hatte die Umweltbehörde die jährliche maximale Fördermenge der Blumenthaler Brunnen um 2,4 auf insgesamt 7,3 Millionen Kubikmeter pro Jahr angehoben. Diese Bewilligung für die swb war Auslöser für das seit 2010 laufende Verfahren zur Ausdehnung des Wasserschutzgebietes Blumenthal.

Ob die swb von der gestatteten Erhöhung der Fördermengen bereits Gebrauch macht, geht aus der Expertise der Oldenburger Geologen nicht hervor. Für sie steht allerdings fest: Eine gesteigerte Trinkwasserförderung könnte „zum Teil erhebliche Auswirkungen auf die Grundwasserverhältnisse, den lokalen Vorfluter Blumenthaler Aue und letztlich auch auf die Trinkwassergewinnung selbst haben“, wie es in einer Kurzfassung des Gutachtens heißt. Denn: In die Grundwasser führenden Schichten dringt anderes Wasser nach – zum einen aus der Weser, zum anderen als Sickerwasser aus der Blumenthaler Aue. Bei maximaler Ausschöpfung der seit 2008 bestehenden Förderrechte würde der Anteil von Weser- und Sickerwasser an der Trinkwasserförderung durch die swb-Brunnen etwa 28 Prozent betragen, haben die Gutachter ausgerechnet. Oberflächenwasser sei jedoch „in Bezug auf die Trinkwassergewinnung kritischer als Grundwasser einzustufen“. Ein weiterer unerwünschter Effekt könne sein, dass die Aue zeitweise trocken falle.

Für Lutz Siewek, den Vorsitzenden des Unternehmerforums, sind diese Szenarien zusätzliche Argumente gegen die geplante Ausweitung des Wasserschutzgebietes Blumenthal. Bisher war die Nordbremer Wirtschaftslobby mit rein wirtschaftlichen Argumenten gegen das Vorhaben zu Felde gezogen. Man befürchtete zusätzliche Umweltauflagen für vorhandene und ansiedlungswillige Betriebe auf dem BWK-Gelände. Durch die Hinweise der Oldenburger Geologen würden „die bestehenden Bedenken bestätigt“, so Siewek.

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