Jens Weidmann gegen Finanzspritzen

„Geldpolitik ist kein Allheilmittel“

Frankfurt/Main. Bundesbankpräsident Jens Weidmann lehnt Geldgeschenke zum Ankurbeln der Konjunktur strikt ab. Die Idee solcher Finanzspritzen hat jüngst unter dem Stichwort „Helikoptergeld“ für Aufsehen gesorgt.
20.03.2016, 00:00
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Von DPA

Bundesbankpräsident Jens Weidmann lehnt Geldgeschenke zum Ankurbeln der Konjunktur strikt ab. Die Idee solcher Finanzspritzen hat jüngst unter dem Stichwort „Helikoptergeld“ für Aufsehen gesorgt. Der Kerngedanke: Statt Geld über den Ankauf von Wertpapieren in den Markt zu pumpen, wird Zentralbankgeld quasi verschenkt, etwa an die Bürger oder den Staat. „Statt immer waghalsigere geldpolitische Experimente ins Spiel zu bringen, wäre es sinnvoll, einmal innezuhalten“, sagte Weidmann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Geldpolitik ist kein Allheilmittel, ersetzt nicht notwendige Reformen in einzelnen Ländern und löst auch nicht die Wachstumsprobleme Europas.“ Weidmann betonte, Geldgeschenke an die Bürger seien „eine hochpolitische Entscheidung“, die Regierungen und Parlamente fällen müssten. „Die Notenbanken haben dazu kein Mandat, auch weil damit eine massive Umverteilung verbunden wäre.“

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, war in der jüngsten Pressekonferenz auf „Helikoptergeld“ angesprochen worden. Draghi antwortete, man habe im Zentralbankrat bisher nicht darüber nachgedacht, sprach aber auch von einem „sehr interessanten Konzept“, das derzeit unter anderem von akademischen Ökonomen diskutiert werde.

Wie Weidmann, so äußerte sich auch der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, ablehnend: „Das Helikoptergeld ist Quatsch.“ Wirtschaftlich sei es nicht nötig, und politisch würde man damit einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. „Es würde die Illusion nähren, die Notenbank könne für die Bürger einfach immer mehr Geld drucken und damit die Probleme lösen“, erklärte Schmieding.

DPA

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