Auto Geteilte Autowelt: USA läuft, Deutschland stockt

Detroit/Frankfurt/Main. Gespaltene Autowelt am Ende eines schwierigen Jahres: Während die Amerikaner nicht zuletzt dank satter Rabatte die Lust am Autokauf wiedergefunden haben, halten sich die Deutschen nach dem Auslaufen der Abwrackprämie zurück.
06.01.2010, 16:40
Lesedauer: 3 Min
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Detroit/Frankfurt/Main. Gespaltene Autowelt am Ende eines schwierigen Jahres: Während die Amerikaner nicht zuletzt dank satter Rabatte die Lust am Autokauf wiedergefunden haben, halten sich die Deutschen nach dem Auslaufen der Abwrackprämie zurück.

Am stärksten profitierte Fiat von der Abwrackprämie in Deutschland. Nach monatelangem Boom sind die Neuzulassungen in Deutschland im Dezember 2009 leicht gesunken. In Übersee dagegen konnten nahezu alle Hersteller nach einer langen Durststrecke satte Zuwachsraten verbuchen, gerade auch die deutschen Autobauer.

Volkswagen und die Konzerntochter Audi verkauften in den USA im Dezember 16 Prozent beziehungsweise 17 Prozent mehr Autos. Auch BMW und Mercedes konnten mit ihren Kernmarken jeweils um etwa ein Zehntel zulegen. Die Kleinwagen-Töchter Mini und Smart trübten jedoch das gute Gesamtbild mit teils drastischen Rückgängen. Porsche stagnierte im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Von solchen Zahlen können die Hersteller hierzulande nur träumen: Nach den Angaben der Branchenverbände VDIK und VDA sanken die Neuzulassungen im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,7 Prozent auf 215 400 Autos. Nach dem staatlich geförderten Boom im abgelaufenen Jahr deutete sich damit schon im Dezember an, was Experten für 2010 vorhersagen: Ein rasanter Rückgang des Neuwagengeschäfts.

Allerdings war 2009 ein Rekordjahr in Deutschland. Dank der Abwrackprämie sind so viele Autos verkauft worden wie seit 16 Jahren nicht mehr. Insgesamt wurden rund 3,8 Millionen Neuwagen auf die Straße gebracht - ein Plus von gut 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Unter den großen Herstellern profitierte vor allem der italienische Autobauer Fiat von der Prämie - der Absatz in Deutschland stieg um 86 Prozent auf knapp 164 000 Autos. Stärker wuchs mit einem Anstieg um 105 Prozent nur der russische Nischen- Hersteller Lada, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte. Dies reichte allerdings nur für 4600 Autos.

Unter den Firmen mit großen Werken in Deutschland verbuchte Ford mit einem Zuwachs von 34 Prozent das größte Absatzplus - vor Opel und VW mit jeweils rund 31 Prozent. Die Nobel-Hersteller Audi, BMW, Mercedes und Porsche verloren Absatz auf dem deutschen Markt; am stärksten Mercedes mit einem Minus von 14 Prozent auf knapp 283 000 Autos. Unangefochtener Marktführer in Deutschland blieb VW mit 805 000 verkauften Autos.

Die im VDIK zusammengeschlossen Importeure erwarten für 2010, dass mit rund 2,8 Millionen Fahrzeugen eine Million Neuwagen weniger auf Deutschlands Straßen kommen als 2009. Die im VDA versammelten heimischen Hersteller gehen von 2,75 bis 3,0 Millionen aus. «Es ist klar, dass die Krise nicht überwunden ist und 2010 ein sehr schwieriges Jahr wird», sagte Autoexperte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft.

Ganz anders dagegen die Lage in den USA: Nachdem das Schlimmste überstanden zu sein scheint und zudem die Preise im Keller sind, schlagen die Kunden dort wieder zu. Ford und Toyota gelang sogar das Kunststück, im Dezember jeweils fast ein Drittel mehr Autos zu verkaufen. Allerdings waren die Verkäufe im Vorjahresmonat wegen der Wirtschaftskrise schon rückläufig.

Immer noch leichte Verluste mussten die beiden anderen großen US- Hersteller General Motors (GM) und Chrysler verkraften. Allerdings konnten die Sorgenkinder die Rückgänge eindämmen. GM büßte 6 Prozent ein, verkaufte aber mit fast 209 000 Stück immer noch die meisten Wagen in den Vereinigten Staaten. Dabei profitierte der Konzern vom Ausverkauf bei den aufgegebenen Marken Pontiac und Saturn. Chrysler verlor 4 Prozent auf knapp 90 000 Fahrzeuge.

Aufs Gesamtjahr gerechnet sieht der Rückgang der Verkäufe aber immer noch dramatisch aus, trotz der US-Abwrackprämie «Cash for Clunkers». GM brachen knapp 30 Prozent der Bestellungen weg, bei Chrysler waren es 36 Prozent. Beide Autobauer waren nach jahrelanger Misswirtschaft in die Insolvenz gegangen, aus der sie nur Dutzende Steuermilliarden wieder befreiten. Ford hingegen büßte dank frühzeitiger Weichenstellungen durch den branchenfremden Chef Alan Mulally nur gut 15 Prozent ein. Da traf es sogar BMW, Mercedes und selbst Toyota härter.

Die Hoffnung aller Hersteller für 2010 liegt auf China und Indien. Für die USA prognostizierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ein Plus von 15,5 Prozent - mit 11,9 Millionen Neuwagen wären das aber dennoch weniger als die 13,2 Millionen Neuwagen von 2008. Dudenhöffer erwartet, dass der weltweite Autoabsatz 2010 um mehr als vier Prozent auf rund 55 Millionen steigen wird.

Besonders für die deutschen Autobauer mit ihrem vergleichsweise kleinen Heimatmarkt ist ein Wiederanziehen des Exports dringend nötig. Im vergangenen Jahr brachen die deutschen Autoausfuhren um insgesamt 17 Prozent auf 3,4 Millionen Wagen ein. Zuletzt sprangen die Exportmärkte aber wieder an. Nach VDA-Angaben wurden im Dezember mit rund 277 000 Fahrzeugen 23 Prozent mehr Autos ausgeführt als im Vorjahresmonat. VDA-Präsident Matthias Wissmann bleibt optimistisch: «Wir erwarten, dass sich diese Entwicklung auch in den nächsten Monaten fortsetzen wird.» (dpa)

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